12.04.2009

Neele und die verlorenen Weihnachtsgeschenke

Es waren nur noch Stunden bis Weihnachten. Neele freute sich schon auf die Festtage, auf den geschmückten Baum in der Stube, auf die Teller mit den Nüssen, der Schokolade und dem Lebkuchen, die Geschenke von Mutter und all die anderen erfreulichen Dinge rund um das Fest. Daran änderte auch nichts, dass der Weihnachtsmann entweder der Nachbar Lehmann aus der Wohnung über ihnen oder der Herr Berger aus dem Erdgeschoss gewesen war und sein würde. Beide hatte Neele trotz strengster Verkleidung und weißem Vollbart immer erkannt. Den einen an seinem sächsischen Dialekt, der unverkennbar aus dem Rauschebart klang. Den anderen, weil er die nebensächliche Macke hatte, sich beständig an seiner (im Weihnachtsmann-Kostüm nicht vorhandenen) Krawatte zu zupfen und zudem alle Sätze beständig mit einem „ähem“ zu unterbrechen: „Nun Neele Bertram – ähem - waren wir denn das ganze – ähem - Jahr über ein braves und – ähem - fleißiges Mädchen?“
Schon deshalb hatte Mutter ihr auch schon vor Jahren erklärt, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gebe, es aber wichtig sei, Weihnachten zu feiern und mit kleinen Geschenken jenen Danke zu sagen für das Gute, dass er/sie uns übers Jahr gegeben haben oder dafür, dass sie da waren, wann immer man sie gebraucht hat. Neele wusste aber genau so gut, dass man für Geschenke Geld braucht. Und so hatte sie ihre Mutter gefragt, wo sie denn das Geld für die Geschenke hergenommen habe damals, als sie selbst noch ein Kind gewesen sei. Und Mutter hatte erklärt: „Wir haben Altpapier gesammelt und es zur Annahmestelle gebracht. Dafür gab es Geld. Das habe ich in eine Extra-Sparbüchse gegeben, die ich dann kurz vor Weihnachten geknackt habe. Und mit dem Gesparten habe ich dann die Geschenke gekauft“. Und sie – die Altpapiersammler - hätten sogar eine eigene „Hymne“ gehabt, hatte sie lachend erzählt und dann gesungen:

Lumpen, Knochen, Eisen und Papier
ausgeschlagne Zähne sammeln wir.
Lumpen, Knochen, Eisen und Papier
Ja, das sammeln wir!

Seitdem hatte Neele jede Zeitung, jedes Blatt Papier in einer Keller-Ecke aufeinander gestapelt, auch das, was die Nachbarn hergaben, hatte es gebündelt und regelmäßig mit einem Handwagen zum Altpapierhändler gefahren. Und das Geld hatte sie, wie ihre Mutter schon, für das Fest aufgehoben.
Neele also war voller Vorfreude und ahnte nicht, dass das diesjährige Weihnachtsfest für sie beinahe ziemlich traurig ausgegangen wäre, nur weil sie einen kleinen Augenblick lang unaufmerksam war. Und das kam so: Mit dem Geld in der Tasche war sie in Stadt gelaufen in ein spezielles Geschäft, hatte Geschenke ausgesucht und sie sich hübsch verpacken lassen. Mit einem goldenen Stift hatte die Verkäuferin auf jedes der kleinen Päckchen kunstvoll drauf geschrieben, für wen das jeweilige Päckchen gedacht wäre: „Für Mutti“, „Für Oma“ und „Für Opa von Neele“ und dazu noch – wie heute üblich - einen gold-grünen Werbeaufkleber „Geschenkboutique Hallervorden“ auf die Päckchenseite geklebt. „Dann wünsche ich dir ein schönes Weihnachtsfest und dass deine Geschenke gut ankommen“ hatte die Verkäuferin sie verabschiedet.
Und Neele war fröhlich gestimmt zur Haltestelle vom Stadtbus gelaufen, um nach Hause zu fahren. Und dort, auf der Sitzbank der Haltestelle, hatte sie ein Kätzchen entdeckt. Neele stellte ihre Geschenke auf den Boden der Haltestelle, um das Kätzchen zu streicheln, was die sich auch leise schnurrend gefallen ließ. Doch dann war plötzlich der Bus da. Neele sprang auf und stieg in den Bus. Erst zu Hause bemerkte sie das Unheil: Die Geschenke waren weg! So schnell sie konnte rannte Neele zurück zur Bushaltestelle. Die Geschenke waren nicht mehr da und auch das Kätzchen nicht! Und morgen war Weihnachten und Bescherung! Neele war ratlos. Geld für neue Geschenke hatte sie nicht. Sollte sie wegen einer klitzekleinen Unaufmerksamkeit ohne Geschenke vor Mutti, Oma und Opa hintreten? Was sollte sie ihnen sagen? Der Kummer ließ sie kaum einschlafen.
Aber da war noch jemand in der Stadt, der sich wegen der Geschenke den Kopf zerbrach. Das war der Besitzer des kleinen Kätzchens von der Bushaltestelle. Der hatte das Tier gesucht, in der Wartehalle gefunden und auch den schmucken Beutel mit Neeles Geschenken darin. Als er die Aufkleber „Geschenkboutique Hallervorden“ sah, machte er sich auf den Weg dorthin. „Das ist ein kleines Mädchen, heißt Neele und ich glaube Bertram mit Familiennamen. Aber wo sie wohnt . . . ?“ Die Verkäuferin zuckte ratlos mit den Schultern. „Neele Bertram, Neele Bertram“, murmelte der Katzenbesitzer auf seinem Weg durch die Stadt vor sich hin. Das war aber schon am Weihnachtstag. Unterwegs sah er ein Polizeiauto und hatte eine Idee.
Wie Neele befürchtet hatte, klingelte im Wohnzimmer der Bertrams ein Glöckchen. „Bescherung“ murmelte die verzweifelte Neele. Fast gleichzeitig aber klopfte es laut an der Wohnungstür. Neele machte auf. Vor der Tür stand ein großer Polizist in dunkelblauer Uniform mit einem riesigen silbrigen Rauschebart im Gesicht. „Hauptwach . . nein Hauptweihnachtsmann der Polizei, Harry Merseburger. Bist du Neele und war schon Becherung? „Nein, sie fängt aber gerade an in der Stube dort“, sagt Neele. Der Polizeiweihnachtsmann Harry schiebt mit der linken Hand Neele vor sich her in die Stube und bringt mit seiner rechten Hand Neeles Geschenkebeutel hinter seinem Rücken hervor. Vor Neeles Mutter, Oma und Opa baut er sich breit auf und brummt die drei an: „Naaa, waren wir das ganze Jahr auch ordentlich brav. . . . ?

Kommentare:

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