6.01.2007

5.31.2007

Die ARD und die Krokodilstränen

Ach diese Krokodilstränen, die bei der ARD geweint werden wegen des Fernsehsenders RTCV. Die venzolanische Regierung (bei der ARD "Chavez", damit das Böse ein Gesicht bekommt) hat die Sendelizenz, die jetzt auslief, nicht erneuert. Dabei hatte die Regierung immer betont, RCTV könne für seinen Sendebetrieb jede andere Möglichkeit nutzen (Kabelnetz, über Satellit und im Internet).

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Das wies der Sender vor dem "Abschalten" erst mal kategorisch zurück. Natürlich. Denn hätte es sonst überhaupt "Proteste" gegeben? Die aber will man, denn Marcel Granier, der Programmverantwortliche bei RCTV, meint, es gehe darum, "diese Diktatur aufzuhalten, um den Wandel hin zum Totalitarismus zu erschweren, damit wir nicht Schrecken erleben müssen wie Länder wie Kuba, Simbabwe, wie Weißrussland, Nordkorea oder Deutschland unter den Nazis, die zerstört wurden durch solchen verrückten Totalitarismus." Wie meint er das bloß? Alle unter den Nazis oder nur Weißrussland, Nordkorea oder Deutschland unter den Nazis?). Dabei kommen die (organisierten?) Protest zur rechten Zeit.
Ich meine, der Anlass war nichtig, hatte mit Beschränkung der Pressefreiheit nur sehr entfernt zu tun. Es hat dagegen sehr wohl etwas damit zu tun, die Entwicklung in Venezuela hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Unabhängigkeit vor allem von den USA auszubremsen. Und in diese globalisierte Strategie passt diese Nachricht: "Am Donnerstag nachmittag verabschiedete das Europäische Parlament mit nur 43 Stimmen in einem fast leeren Plenarsaal eine Resolution, in der Venezuela »daran erinnert« wird, dass es »die Meinungsfreiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit achten« müsse. Die Mahnung zielt auf die Entscheidung der venezolanischen Regierung, die am Sonntag auslaufende Sendelizenz des privaten Fernsehkanals RCTV nicht zu verlängern. 22 Abgeordnete stimmten gegen die von der postfranquistischen (also postfaschistischen) spanischen Partido Popular initiierte Vorlage".
Zurück zu RCTV. Welche Verdienst bei der Wahrung der Presse- und Meinungsfreiheit erwarb sich der Sender überhaupt? Radio Caracas Television erzielte mit seinen Shows (darunter solche wie "Wer wird Millionär" oder die Casting-Show "Berühmt"), seinen Zeichentrickfilmen und vor allem mit seinen Telenovelas die weitaus höchsten Einschaltquoten landesweit. Ja und dann erwarb er sich - ebenfalls unter dem Programmdirektor Marcel Granier - noch Verdienste bei der "Verteidigung der venezolanischen Demokratie" im Jahre 2000. Da schaltete sich Radio Caracas Television aktiv in den Staatsstreich gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Hugo Chavez ein. Wenig demokratisch gab der Sender den Putschisten eine Plattform für Aufrufe, feierte den angeblichen Rücktritt Chávez' und die Amtseinführung des Neuen, des damaligen Arbeitgeber-Vorsitzenden. Als Chávez, von Teilen des venezolanischen Volkes zurückgeholt ins Amt, wieder im Präsidentenpalast war, sendete Radio Caracas Televison den für die Demokratieentwicklung wichtigen Film "Pretty Woman" mit Julia Roberts. Über die politischen Ereignisse im Land berichtete RCTV nicht.
Darum müssen jetzt auch wieder kochtopfschlagende Ober- und Mittelschichtweiber auf die Straße und "wütende Studenten". Ach ja, in Deutschland kommen zu denen die Sonderkommandos zwecks Beschlagnahme von Computern und zur Abnahme von Geruchsproben. Das hat Chavez offensichtlich noch nicht in Betracht gezogen.