Proteste in Griechenland nach öffentlichem Selbstmord
Heike Schrader, Athen
Nach dem öffentlichen Selbstmord von Dimitris Christoulas am Mittwoch in der griechischen Hauptstadt wurde für Freitag abend im Internet erneut zu Protesten aufgerufen. Bereits am Mittwoch, aber auch am Donnerstag hatten am Syntagmaplatz Demonstranten gegen diesen »Mord durch Staat der Gläubiger« protestiert. Dabei ging die griechische Bereitschaftspolizei brutal gegen alle vor, die sich dem Parlament nähern wollten. Unter anderem wurde der Vorsitzende der Vereinigung griechischer Fotoreporter, Marios Lolos, durch Knüppelschläge schwer verletzt und muß wegen Schädelbruchs operiert werden. Gegen die brutale Polizeigewalt demonstrierten am Freitag mittag Journalisten, Fotoreporter und Techniker vor dem Ministerium für öffentliche Ordnung in Athen.
Der 77jährige Rentner hatte sich aus Protest gegen die Austeritätspolitik am Mittwoch nachmittag auf dem Syntagmaplatz direkt vor dem griechischen Parlament in Athen erschossen. Er wolle weder seinen Kindern Schulden hinterlassen, noch gezwungen sein, »im Müll nach Essen zu suchen«, heißt es in seinem Abschiedsbrief. Die neue Kollaborateursregierung habe jedoch ein würdiges Leben aufgrund einer Rente, für die er 35 Jahre ohne jede staatliche Unterstützung Beiträge gezahlt habe, mit ihrer Kürzungspolitik zunichte gemacht. Entgegen den Berichten in- und ausländischer Medien war Christoulas weder verschuldet, noch verübte er aus Verzweiflung Selbstmord. Er wähle diesen »würdigen Abgang«, weil ihm in seinem Alter die Kraft für einen bewaffneten Widerstand fehle, schrieb Christoulas in seinem Abschiedsbrief, auch wenn er nicht ausschließen wolle, daß er der zweite gewesen wäre, »wenn ein Grieche die Kalaschnikow ergriffen hätte«. »Ich glaube, daß die Jugendlichen ohne Zukunft eines Tages zu den Waffen greifen und die Verräter an der Nation auf dem Syntagmaplatz an den Füßen aufhängen werden, wie es die Italiener 1945 mit Mussolini taten«, heißt es weiter. Christoulas gehörte zu den linken Aktivisten der »griechischen Empörten« vom Sommer vergangenen Jahres und war bis zu seinem Freitod in den daraus entstandenen Stadtteilversammlungen aktiv.
Ihr Vater sei »sein ganzes Leben ein linker Aktivist, ein selbstloser Utopist« gewesen, erklärte die Tochter des Verstorbenen auch angesichts des von den Medien zur Verzweiflungstat verdrehten Freitods. »Seine konkrete Art aus dem Leben zu scheiden ist eine bewußte politische Aktion, vollständig im Einklang mit allem, was er geglaubt und getan hat, solange er lebte.«
Hunderte von Kerzen, Blumen und Botschaften wurden unterdessen bereits in den letzten Tagen am Syntagmaplatz niedergelegt. »Der Name des Toten ist Demokratie, wir Überlebenden sind elf Millionen, und unser Name ist Widerstand«, heißt es auf einer von ihnen.
Quelle: "Junge Welt"
Medien, Zeitgeschichte, Aktuelles, Nachrichten, Journalismus, News, Satire, Literatur, Politik, Soziales
4.07.2012
3.31.2012
FDP zwingt Schleckerfrauen zur Aufgabe und bringt Aktienkurse zum Absturz
"New York, Frankfurt (dpo) - Die Nachricht, dass die FDP-geführten Wirtschaftsministerien in Niedersachsen, Sachsen und Bayern nicht bereit seien, Bürgschaften für diffuse Pläne zur Rettung "der Märkte" zu übernehmen, hat zu einem kurzfristigen Kurssturz an den Börsen geführt. Erst als Spekulanten weltweit klar wurde, dass mit "Märkte" nicht die internationalen Finanzmärkte gemeint waren (sondern bloß die "Schlecker"-Märkte), normalisierten sich die Kurse wieder", heißt es in einer Meldung des "Postillon" von heute. Und weiter heisst es: "Schuld an der vorübergehenden Panik war offenbar eine Kurzmeldung der Nachrichtenagentur dpo, deren Überschrift lautete: "FDP lehnt Verwendung von Steuergeld für Finanzhilfen zugunsten der Märkte ab".
Soweit satirisch, soweit gut. Nicht so lustig dürfte es für die Schleckerfrauen sein. Anstatt sich in einer Auffanggesellschaft auf einen beruflichen Neuanfang konzentrieren, stürzen sie Dank der FDP-Verweigerung in ein schwarzes Loch. Der Grund laut FDP: Man muss solche Dinge den Märkten überlassen. Warum ist das den sächsischen FDP-Armleuchtern denn nicht eingefallen, als die Sachsen LB durch Fehlspekulationen mit amerikanischen Immobilien-Fonds pleite ging und der Freistaat seitdem jedes Jahr so um die 200 Milllionen Euro an Verbindlichkeiten aus der Staatskasse und damit den Bürgern aus der Tasche ziehen. Warum ist das der FDP nicht eingefallen, dass die "Märkte" das Hypo Real Estat-Problem regeln sollen und nicht die Steuerzahler? Warum haben die Freien Demokraten das nicht so gesehen, als es schon viel früher um die Rettung des Pleite gegangenen Baukonzerns Holzmann ging?
Gut an der FDP-Heuchelei ist, dass immer mehr Menschen in unserem Land diese Politik nicht mehr hinnehmen und sie bei Wahlen zunehmend abwatschen.
Meine Meinung:
. . . runterspülen!
Soweit satirisch, soweit gut. Nicht so lustig dürfte es für die Schleckerfrauen sein. Anstatt sich in einer Auffanggesellschaft auf einen beruflichen Neuanfang konzentrieren, stürzen sie Dank der FDP-Verweigerung in ein schwarzes Loch. Der Grund laut FDP: Man muss solche Dinge den Märkten überlassen. Warum ist das den sächsischen FDP-Armleuchtern denn nicht eingefallen, als die Sachsen LB durch Fehlspekulationen mit amerikanischen Immobilien-Fonds pleite ging und der Freistaat seitdem jedes Jahr so um die 200 Milllionen Euro an Verbindlichkeiten aus der Staatskasse und damit den Bürgern aus der Tasche ziehen. Warum ist das der FDP nicht eingefallen, dass die "Märkte" das Hypo Real Estat-Problem regeln sollen und nicht die Steuerzahler? Warum haben die Freien Demokraten das nicht so gesehen, als es schon viel früher um die Rettung des Pleite gegangenen Baukonzerns Holzmann ging?
Gut an der FDP-Heuchelei ist, dass immer mehr Menschen in unserem Land diese Politik nicht mehr hinnehmen und sie bei Wahlen zunehmend abwatschen.
Meine Meinung:
. . . runterspülen!
3.23.2012
Noch ein Hühnchen zu rupfen . . ?
Haben die beleidigten AntiDoper mit Claudia Pechstein noch ein Hühnchen zu rupfen? Sagen sie sich. es ist uns nicht gelungen, sie insgesamt aus dem Sport zu vertreiben, also machen wir ihr wenigstens das Leben schwer. Kleinkarierter gehts nicht und nicht spießbürgerlicher. Genau genommen machen sich die Antidoper - vermutlich als Acht-Groschen-Jungen(Mädels) im Auftrage handelnd - der Diskriminierung schuldig. Aber so etwas gibt es ja ungeahndet oft. Ich erinnere mich an einen anderen Fall. Da ging es vor dem Bundesgerichtshof um einen Hotel-Aufenthalt, zu dem sich der ehemalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt sich angemeldet hatte. (Schon vorher war Voigt mindestens zweimal in diesem besagten Hotel zu Gast). Dieses Mal entscheidet der Chef des Hotels, Voigt den Hotelaufenthalt zu verwehren - wegen Voigts politischer Ansichten. Die Sache landet vor dem BGH. Der Richter (merke auf: "Vor dem Richter und auf hoher See ist man in Gottes Hand") gibt dem Hotelier recht.
"Merkwürdig übereifrig kommentierte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband das Urteil: Hotels könnten "nun mal entscheiden, wen sie beherbergen – und wen nicht", schreibt, Peter Monnerjan auf telepolis. Und: "Wie auch immer der Verband darauf kommt, völlig willkürlich kann tatsächlich kein Hotelbesitzer entscheiden, wen er (nicht) beherbergt. Seit 2006 gibt es das Allgemeine Gleichhandlungsgesetz (AGG[3]), das festlegt, dass auch in alltäglichen Rechtsgeschäften zum Beispiel nicht nach Geschlecht, Religion oder Herkunft diskriminiert werden darf". Und das hat der BGH-Richter nicht gewusst? Entschuldigung, ich muss nochmal ins Schlafzimmer . . .
3.22.2012
Griechenland: Politische Klasse sortiert sich neu

In Griechenland sortiert sich angesichts der Folgen der Krise für die Jugend, die Arbeitenden und die älteren Menschen die politische Klasse neu. Die Koalition aus PASOK/"Sozialisten" (grün) , Nea Dimokratia/die Bürgerlichen (blau) und der rechtsextremen LAOS (schwarz) verliert gewaltig an Stimmen. Gewinner in der Wählerzustimmung sind die Parteien links vom großbürgerlichen Block - den eigentlichen Verursachern der Wirtschafts- und Finanzkrise. Die KKE (Kommunistische Partei) kommt auf 12,5 Prozent, SYRIZA auf 12,0 %, die demokratische Linke erreicht 11,5 Prozent, die Unabhängigen Griechen 11 %. Dem Gegenüber steht der Absturz der bürgerlichen Parteien PASOK auf 12,5 Prozent und der NEA DEMOKRATIA auf 22,5 Prozent. Sie erreichen zusammengenommen noch 35 Prozent der Wähler. "Bei den Wahlen 2009 vereinigten die Kräfte des bürgerlichen Zweiparteiensystems(aus PASOK und ND) zusammengezählt 77,40 Prozent der Stimmen auf sich. Dieses Ergebnis ist das niedrigste, was die beiden Parteien des Zweiparteiensystems seit den Wahlen im Jahre 1981 jemals erzielten. Auf die PASOK entfielen dabei 43,92 Prozent (+5,8), während die ND 33,48 Prozent erreichte (- 8,4). Einen Zuwachs konnte auch die nationalistische Partei LAOS verzeichnen. Sie erhielt 5,63 Prozent(+1,8). Heute sind es noch 3,0 Prozent. Wären jetzt Wahlen dürfte es der LAOS schwerfallen erneut ins Parlament einzuziehen (3-Prozent-Hürde).
Der Trend dürfte sich noch fortsetzen. "Mit 213 gegen 79 Stimmen verabschiedete das griechische Parlament in der Nacht zum Mittwoch den mit den Gläubigern in EU und IWF ausgehandelten neuen Darlehensvertrag über 130 Milliarden Euro. Für das Abkommen stimmten die Parlamentarier der beiden Regierungsparteien, PASOK und Nea Dimokratia. Dagegen votierten die
linken Parteien KKE und SYRIZA, die Demokratische Linke, die Mehrheit der in der Vergangenheit aus den Fraktionen von PASOK und Nea Dimokratia ausgeschlossenen, nun unabhängigen Abgeordneten und die ultrarechte LAOSPartei. Vorbedingung für die erneute Milliardenhilfe, mit denen die Gläubiger die Rückzahlung ihrer älteren Forderungen gegenüber Griechenland sichern wollen, waren weitere gravierende Einschnitte, die von den Regierungsparteien bereits im Februar beschlossen worden waren. Sie sehen neue Kürzungen bei Löhnen und Renten sowie den mit Massenentlassungen verbundenen Abbau von 150000 Stellen im Staatsdienst bis Ende 2015 vor.
3.12.2012
Aus der Werbung + Aus der Werbung+ Aus
Werbung soll gut klingen, muss aber nicht unbedingt sinnvoll sein. Also habe ich überlegt, ob ich nicht auch das Zeug zum Werbefuzzi habe. Paar Vorschläge von mir: "Flotter Dreier mit Gauck im Präsidialamt", "Riesenauswahl Sand im Getriebe - jetzt portofrei bestellen", "Kostenlos Hautarzt vergleichen - bis 63 Prozent sparen". Wie? Nö, habe ich mir nicht ausgedacht, sondern eigentlich nur abgeschrieben. Also schöne Woche trotzdem.
3.08.2012
Griechenland: Kein Ende des Abstiegs in Sicht
Die Arbeitslosigkeit in Griechenland hat im Dezember des vergangenen Jahres 20,9 % erreicht. (14,8 % im Dezember 2010).
Nach Angaben der griechischen Behörde für Statistik gibt es mittlerweile 1.033.507 Arbeitslose. Auch die Wirtschaftsleistungen sind weiter eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr um weitere 7 Prozent gesunken.
Nach Angaben der griechischen Behörde für Statistik gibt es mittlerweile 1.033.507 Arbeitslose. Auch die Wirtschaftsleistungen sind weiter eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr um weitere 7 Prozent gesunken.
"Germans next Topmodel" oder als Ampel?
Heute ist Internationaler Frauentag. Natürlich habe ich heute das Frühstück gemacht. Und ich habe paar Blümchen auf den Tisch gestellt, eine Kiste Pralinen usw. Ich glaube, dass gehört sich so. Die Russen haben mich mit ihrem Beitrag zum Internationaen Frauentag überrascht. Die schicken doch tatsächlich sechs Omas - die Sieger des Wettbewerbs (wie er bei uns heißt) "Unser Star für Baku" - zum Eurovision Song Contest. Und die Deutschen überraschen mich auch. Die haben anlässlich des Internationalen Frauentages - ich weiß nicht in welcher Klitsche - die erste Fußgänger-Ampel von Grünes Männchen auf Grünes Frauchen umgestellt (allerdings mit einem Herrenfahrrad - morgen Nachrichten gucken, die ARD bringt ja 24 Stunden lang immer die selben).
Und die Türken überraschen mich auch noch. Sie haben 14 Prozent Frauen in Führungspositionen. Wir Deutschen knapp die Hälfte und stehen damit auf dem letzten Platz im der OECD. Und bei uns verdienen Frauen in vergleichbaren Positionen immer noch bis zu 25 Prozet weniger als die Männer.
3.07.2012
JournalisMus, Plakatiererei und Austräger
Sowohl Buhrow als auch Slomka haben natürlich auch einen Gesprächspartner, einen russischen Schriftsteller, der sich ausführlich über die Nicht-Demokratie Russland und Nicht-Demokraten Putin und Medwedew auslassen darf. Gemessen natürlich an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands, einem Land, dass noch nicht einmal über eine Verfassung verfügt (Weshalb man eigentlich nicht vom Verfassungsschutz reden dürfte).
Man könnte also angesichts der Auftritte von Buhrow und Slomka nicht von Journalismus reden, allenfalls von Plakatmalerei für die politische Klasse hierzulande.
Es sieht nicht gut aus um den deutschen Journalismus. Das bestätigt sich mit einer Meldung vom Tage.
"meedia" meldet: Redakteure sollen Schwäbische Zeitung austragen Weil es der Schwäbischen Zeitung an Zustellern für ihr Blatt fehlt, hat sich das Unternehmen mit einer außergewöhnlichen Bitte an seine Redakteure gewandt: Sie sollen für zehn bis 15 Euro pro die Stunde Zeitungen austragen. Die Mitarbeiter reagieren nicht mit Begeisterung auf den Vorschlag. "Heute wenden wir uns mit einer ungewöhnlichen Bitte an Sie", heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeiter, wie das Fachmagazin journalist meldet. "Wir bitten Sie, auf freiwilliger Basis und zeitlich befristet im Notfall als Zusteller einzuspringen." Und das höchstens einmal pro Jahr und dann längstens für zwei Wochen. "Wir haben erst gelacht und waren dann schockiert", sagte einer der Redakteure dem
journalist. Er und seine Kollegen seien ohnehin schon den ganzen Tag eingespannt. "Wenn wir auch noch Zeitungen austragen müssten, könnten wir gleich unsere Wohnung kündigen." Chefredakteur Hendrik Groth versteht die Aufregung nicht: "Offensichtlich ist da einiges verzerrt bei Ihnen angekommen. (...) Jedem ist es selbst überlassen, ob er mitmacht oder nicht."
Ja, wie soll man das denn wieder einordnen? Liberalisiert die "Schwäbische Zeitung" gerade den Berufsstand Zeitungsausträger?
so wie unter Federführung Deutschlands in Griechenland gerade ein paar "geschlossene" Berufe wie den der Taxi-Fahrer oder etwa den des Apothekers.
Fürderhin wird es also möglich sein für Griechen in Not das Gewerbe zu wechseln. Sagen wir mal so, Giorgos hat bisher als Schumacher gearbeitet, was aber nichts einbringt. Dann kann er jetzt auch ne Apotheke aufmachen.Bildquellen: Screenshots "tagesthemen" und "heute journal" vom 04,03.; Foto unten: "anti-ntp.net" Athen.
Und hier noch der Witz des Tages. Der Chef der (eigentlich bankrotten) "KfW"-Bank befürchtet eine Staatspleite Griechenlands.
Zur Erinerung ein Beitrag der Tagesschau vom 12.10.2008: "Die Finanzmarktkrise hat die staatliche KfW Bankengruppe gleich mehrfach in die Bredouille gebracht. Jüngst sorgte eine Panne für einen Skandal: Die KfW überwies 320 Millionen Euro an die US-Investmentbank Lehman Brothers, als diese schon in der Pleite steckte. Nach Angaben der KfW handelte es sich um ein seit Monaten verabredetes Währungsgeschäft – wegen der Zahlungsunfähigkeit der US-Bank habe die KfW aber keine Dollar mehr zurückerhalten. KfW-Chef Ulrich Schröder, der erst kurz zuvor dieses Amt angetreten hatte, räumte Fehler seiner Bank ein. Der Vorgang mache grundlegende Schwächen der staatlichen Bankengruppe deutlich. In der Folge sei mit Verlusten im laufenden Geschäftsjahr zu rechnen, sagte Schröder dem "Handelsblatt"."
3.05.2012
Der politischen Klasse ein Dorn im Auge?
Athen. Gestern Abend verschwand eines der bekanntesten griechischen Blogs "ellinikoforum.blogspot.com aus dem Internet. Blogbetreiber Kiriakos Kiriakopoulou meldete, dass sein Blog gelöscht wurde. Er wisse nicht von wem. Zu dieser Löschaktion hat sich noch niemand bekannt. Viele Blogger, aber auch viele Leser des Blogs vermuten eine staatliche Attacke, denn der Blog beschäftigte sich sehr intensiv mit der griechischen Finanzkrise und den Folgen für die griechische Bevölkerung. Er galt als "widerständig".
Von den einzigen, die sagen könnten, wer das Blog gelöscht hat, nämlich blogspot.com, war bisher keine Stellungsnahme zu erreichen.
Von den einzigen, die sagen könnten, wer das Blog gelöscht hat, nämlich blogspot.com, war bisher keine Stellungsnahme zu erreichen.
Kirsche im Ouzo
Gastkommentar: BRD-Solidarität mit Griechenland
Von Pierre Lévy
Es sei für die Griechen »nicht zu spät für ein Wort des Dankes und der Anerkennung für die Solidarität der Deutschen und aller Europäer«, teilte FDP-Generalsekretär Patrick Döring per Bild am Sonntag-Interview mit. Die Hellenen haben also noch eine Chance. Voraussetzung ist aber laut Döring u.a., daß der griechische Staatspräsident zur Mäßigung beiträgt, »anstatt die Konflikte anzuheizen«.
Auf dessen Aufregung über den deutschen Vorschlag, in Athen einen Sparkommissar zu stationieren, antworten »die Deutschen« jetzt demnach mit freundschaftlichen Initiativen. Dazu zählt, wie der Wirtschaftswoche zu entnehmen war, die Absicht der Berliner Regierung, 160 Finanzbeamte nach Griechenland zu schicken. Die Eingeborenen sollen lernen, wie ein modernes System des Steuereintreibens eingerichtet ist.
Solche Großzügigkeit ist zu begrüßen. Sie verschließt allen Skeptikern den Mund und demonstriert, in welchem Maß Europa sozial und solidarisch ist. Angesichts derartiger Selbstlosigkeit sollten sich Groll und Vorurteile, die auf griechischem Boden gegen Deutschland noch bestehen, in Luft auflösen. Sollten. Aber leider ist das nichts weniger als sicher. Bekannt ist, daß die Griechen jahrzehntelang ein opulentes Leben mit Champagner und Kaviar führten, daß sie außerordentlich beschränkt und jähzornig sind und daß sie das, was einige Rädelsführer unaufhörlich »Einmischung« nennen, nur lustlos unterstützen. Die Bewohner eines Landes, in dem der Begriff »Demokratie« nie richtig verstanden wurde, sind offen für absurde Debatten über »Souveränität«. Es gibt dort einfach zu viele, die noch nicht begriffen haben, daß Staaten nunmehr voneinander abhängig, »interdependent« sind. Jedenfalls hindert derartiger Konservatismus sehr stark die europäischen Industriellen und Finanziers, die es sich angelegen sein lassen, die Ökonomie vernünftig zu regeln.
Kurz, es wäre unklug, die unglücklichen deutschen Beamten ohne Absicherung dorthin zu schicken. Und an diesem Punkt wird die Berliner Idee bemerkenswert: Um ein soziales Europa zu gestalten, bedarf es der ergänzenden Erprobung eines Europas der Verteidigung. Denn – offen gesagt – die »Kampfgruppen« der EU vergehen vor Langeweile wegen Mangels an Einsätzen. Sie bilden zwar in Uganda Soldaten aus, um Somalia die Zivilisation zu bringen, aber das geschieht weitab gegen Barbaren.
Diesmal könnten die EU-Militärs in den Städten und Dörfern Attikas, auf dem Peloponnes und in Mazedonien Posten beziehen, um den humanitär-fiskalischen Einsatz zu schützen. Die Kirsche im Ouzo: Einige umsichtige Geostrategen haben bemerkt, daß Athen – von Berlin aus gesehen – auf der Strecke nach Damaskus liegt. Wie sagte Angela Merkel am 26. Januar in Le Monde? Europa wird beweisen, daß es »die Welt gestalten« kann.
Pierre Lévy ist Redakteur der Zeitung Bastille-République-Nation in Paris
Quelle: "Junge Welt"
Von Pierre Lévy
Es sei für die Griechen »nicht zu spät für ein Wort des Dankes und der Anerkennung für die Solidarität der Deutschen und aller Europäer«, teilte FDP-Generalsekretär Patrick Döring per Bild am Sonntag-Interview mit. Die Hellenen haben also noch eine Chance. Voraussetzung ist aber laut Döring u.a., daß der griechische Staatspräsident zur Mäßigung beiträgt, »anstatt die Konflikte anzuheizen«.
Auf dessen Aufregung über den deutschen Vorschlag, in Athen einen Sparkommissar zu stationieren, antworten »die Deutschen« jetzt demnach mit freundschaftlichen Initiativen. Dazu zählt, wie der Wirtschaftswoche zu entnehmen war, die Absicht der Berliner Regierung, 160 Finanzbeamte nach Griechenland zu schicken. Die Eingeborenen sollen lernen, wie ein modernes System des Steuereintreibens eingerichtet ist.
Solche Großzügigkeit ist zu begrüßen. Sie verschließt allen Skeptikern den Mund und demonstriert, in welchem Maß Europa sozial und solidarisch ist. Angesichts derartiger Selbstlosigkeit sollten sich Groll und Vorurteile, die auf griechischem Boden gegen Deutschland noch bestehen, in Luft auflösen. Sollten. Aber leider ist das nichts weniger als sicher. Bekannt ist, daß die Griechen jahrzehntelang ein opulentes Leben mit Champagner und Kaviar führten, daß sie außerordentlich beschränkt und jähzornig sind und daß sie das, was einige Rädelsführer unaufhörlich »Einmischung« nennen, nur lustlos unterstützen. Die Bewohner eines Landes, in dem der Begriff »Demokratie« nie richtig verstanden wurde, sind offen für absurde Debatten über »Souveränität«. Es gibt dort einfach zu viele, die noch nicht begriffen haben, daß Staaten nunmehr voneinander abhängig, »interdependent« sind. Jedenfalls hindert derartiger Konservatismus sehr stark die europäischen Industriellen und Finanziers, die es sich angelegen sein lassen, die Ökonomie vernünftig zu regeln.
Kurz, es wäre unklug, die unglücklichen deutschen Beamten ohne Absicherung dorthin zu schicken. Und an diesem Punkt wird die Berliner Idee bemerkenswert: Um ein soziales Europa zu gestalten, bedarf es der ergänzenden Erprobung eines Europas der Verteidigung. Denn – offen gesagt – die »Kampfgruppen« der EU vergehen vor Langeweile wegen Mangels an Einsätzen. Sie bilden zwar in Uganda Soldaten aus, um Somalia die Zivilisation zu bringen, aber das geschieht weitab gegen Barbaren.
Diesmal könnten die EU-Militärs in den Städten und Dörfern Attikas, auf dem Peloponnes und in Mazedonien Posten beziehen, um den humanitär-fiskalischen Einsatz zu schützen. Die Kirsche im Ouzo: Einige umsichtige Geostrategen haben bemerkt, daß Athen – von Berlin aus gesehen – auf der Strecke nach Damaskus liegt. Wie sagte Angela Merkel am 26. Januar in Le Monde? Europa wird beweisen, daß es »die Welt gestalten« kann.
Pierre Lévy ist Redakteur der Zeitung Bastille-République-Nation in Paris
Quelle: "Junge Welt"
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