8.19.2013

BILD dir (irgend)eine Meinung . . . .


Der Bundeswehr droht massive Personalnot
17.08.2013
Berlin.
Der Bundeswehr gehen nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ die Bewerber für den freiwilligen Wehrdienst aus. Wie das Blatt (Samstag) schreibt, ging die Zahl der jungen Männer und Frauen, die sich bei den Streitkräften verpflichten, 2013 im Vergleich zum Vorjahr drastisch zurück. So traten im Januar dieses Jahres 1.607 Personen ihren Dienst an, 2012 waren es zu diesem Stich- tag noch 2.720 gewesen. Im April 2013 verpflichteten sich 615 Wehrdienstleistende - im Vergleich zu 1.460 Freiwilligen im April 2012. Im Juli 2013 fiel der Rückgang mit 1.884 statt 1.892 im Vorjahr gemäßigt aus.

Zwei Tage (19.08.)später in
der gleichen Zeitung:
Ziel der Bundeswehrreform ist eine Armee mit 170.000 Berufs- und Zeitsoldaten sowie 5.000 bis 15.000 freiwillig Wehrdienstleis- tenden. Angesichts der zurückgehenden Bewerberzahlen hält der frühere Planungsstabschef des Verteidigungsministeriums, Hans Rühle, diese Personalplanung für „unrealistisch und alles andere als demografiefest“. In einem Beitrag für „Die Welt“ schreibt Rühle, das Freiwilligen-Konzept sei gescheitert: „Die Alternative für die Zukunft heißt ersatzlose Streichung des freiwilligen Wehr- dienstes.“
Als Begründung führte Rühle weiter an, dass 25 bis 30 Prozent der eingestellten Freiwilligen ihr Dienstverhältnis innerhalb der ersten drei Monate kündigten. Zudem hätten sich mehr als die Hälfte der freiwillig Wehrdienstleistenden für weniger als 15 Mona- te verpflichtet. „Sie scheiden daher nach Ausbildung und Qualifikation für eine Teilnahme an Auslandseinsätzen aus“, und sie könnten nicht wie im Reformkonzept vorgesehen als Entlastung für die Berufs- und Zeitsoldaten eingesetzt werden. (dpa)
1. Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/der-bundeswehr-droht-massive-personalnot-2642748.html
2. Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/nachrichten-2643384.htmpage1image13968 page1image14128

Doping war gestern . . .



. . . . heute wird genmanipuliert oder?

8.08.2013

Handy im Örtchen

Von Thomas Immanuel Steinberg

Jeder zweite „Tatort“ lehrt: Sucht die Polizei nach einem Handy, so findet sie es binnen Kurzem – wenn es denn eingeschaltet war. Gilt Gleiches für ein ausgeschaltetes Handy? Henryk M. Broder, der in die Toilettenschüssel langt, sobald er Herrschaftskritisches wittert, ruft ganz laut: Ja. „Man kann heute jeden Handybesitzer orten, auch wenn er das Gerät ausgeschaltet hat." Unter anderm deshalb sei der augenblickliche Abhörprotest nichts als „Voyeur-Alarm am Nacktbadestrand".

Hat Broder Recht? Vorab der lieben Ordnung halber: Geortet wird allenfalls das Handy, nicht sein Besitzer. Aber auch das Handy, selbst wenn eingeschaltet, wird nicht geortet; geortet werden kann lediglich der Sendemast, mit dem das Handy in Verbindung steht. Der mag weit weg sein, oder auch nah dran, je nach Sendemastdichte. Wird das Handy ausgeschaltet, so besteht keine Verbindung mehr zum Sendemast. Dann kann nur noch festgestellt werden, mit welchem Sendemast das Handy zuletzt verbunden war, nicht aber, wo sich inzwischen das Handy befindet. Auch spielt keine Rolle, daß jedes Handy, selbst wenn ausgeschaltet, unter geringem Strom steht (der internen Uhr wegen). Noch spielt eine Rolle, daß ein Handy, auch wenn abgeschaltet, allerhand ausstrahlt. Die Polizei ortet Handys halt nicht mit einem Kabelsucher wie der Heimwerker die Leitungen.

Schrieb doch /kolbenfresser/ schon am 12. 11. 2006 um 13:21: Ein ausgeschaltetes Handy ist genausowenig ortbar wie ein nicht installiertes Keramikklo. Womit wir wieder bei Broder wären.

Hamburg, 7. August 2013

7.31.2013

7.11.2013

Vom großen Bruder lernen, heißt siegen lernen . . .

"Meine Zeitung, mein dpa!" Aussprechen müsst ihr das da am Anfang etwa so, als wenn euch gerade einer mit dem Hammer auf die Kniescheibe geschlagen hat. Seit Tagen können die beiden da vom Anfang sich nicht halten: Die bösen "amerikanischen Freunde" bespitzeln uns, saugen unsere Daten aus dem Netz. Und dann  das hier:



"Alles geht raus an den Fiskus: Namen, Pseudonyme, Bankverbindungen, Geburtsdaten. Auch von Privaten" heisst es in der Unterzeile. Und im Text geht´s weiter mit: "Jetzt ist Schluss mit dem heimlichen Geschäft im Netz. Wer im Netz über Plattformen wie "ebay" oder "Amazon" Dinge anbietet und verkauft, muss damit rechnen, dass die Sozialgestapo das Finanzamt davon Wind bekommt und eventuell Steuern erhebt. (Wieso ist ein in aller Öffentlichkeit ausgeübtes Geschäft eigentlich "heimlich"? Das weiß wahrscheinlich  nur der Tschurnalisten-Depp oder Praktikant von dpa). Denn nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes (bissel unvollständig, gelle?) müssen diese und andere Internet-Handelsplattformen die Daten ihrer Nutzer an die Sozialfahnder   die Steuerfahndung herausgeben - auch wenn sie sich vertraglich zur Geheimhaltung (warum steht da nicht "zum vertraulichen Umgang"?) verpflichtet haben.

Na, sind eigentlich Wurscht, diese Formulierungen. Hauptsache wir lassen uns nicht beim heimlichen Ausspionieren erwischen wie die Amerikaner, sondern machen das gleich per Gesetz legal.   

7.06.2013

Kurz geschnüffelt und schon wieder "high"!

Gerade in meiner abonnierten (früher habe ich sie mein Leib- und Magenblatt genannt) Zeitung gelesen: "Die Uni Potsdam bietet zum Wintersemester einen neuen Bachelor-Studiengang an. Politik und Wirtschaft dauert sechs Semester, teilt die Uni mit. In dem Studium geht es etwa um die Frage, inwieweit Regierungen wirtschaftliche Entwicklungen beeinflussen können. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli". (dpa)

7.05.2013

Dreiseitige Doktor-Arbeit mit sieben "Vätern"


"Anonyme Plagiatsjäger haben in den letzten Jahren immer wieder Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil sie eine Arbeit übernommen haben, die eigentlich die Universitäten selbst hätten leisten müssen: die Aufdeckung von grobem wissenschaftlichen Fehlverhalten wie Plagiaten. Neben Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan sind noch eine ganze Reihe, größtenteils weniger bekannte Politiker aufgrund der Schwarmintelligenz im Netz über ihre Doktorarbeit gestolpert.
Nach dem Willen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) soll damit nun Schluss sein. Sie hat neue "Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis"verabschiedet. Darin heißt es (u.a.), eine zweckmäßige Untersuchung von Vorwürfen gebiete grundsätzlich, dass der Whistleblower seinen Namen nennt", schreibt Silvio Duwe auf "telepolis". (1)
Forscher "Whistleblower" zu nennen, ist eigentlich allenfalls amerikanischer Standard, herabwürdigend gemeint, bzw. negativ besetzt. Dass die DFG in dieser Sache gerade diesen Ausdruck benutzt, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Forschungsgemeinschaft und das wird noch diffuser, wenn man folgenden Satz liest: "Zudem verlangt die DFG, dass alle Anzeigen vertraulich behandelt werden sollten. "Frühzeitig" an die Öffentlichkeit zu gehen, sei "nicht hinzunehmen" - ein deutlicher Wink in Richtung der Plagiatsjäger von Vroniplag und Co."
Wichtiger wäre allerdings, dass die Wissenschaftsbetriebe ihre Hausaufgaben machen und eingereichte Arbeiten gründlicher prüfen, verhindern, dass "Autoren" mit Plagiaten "wissenschaftliche Karriere" machen. Ein deutliche Beleg dafür, ist ein Beitrag Peter Mühlbauers - ebenfalls auf "telepolis" - aus dem ich auszugsweise zitieren möchte: "Oft bestehen sie (wissenschaftliche Arbeiten zur Erlangung des Titels Dr.med.) aus relativ wenigen Daten, die durch ein Statistikprogramm gejagt und mit ein paar medizinischen Allgemeinplätzen textlich verziert werden. Dass die Ergebnisse solcher Titeljagden nur vereinzelt über 50 Seiten umfassen und meist unzitiert und unverwendet in Archiven schlummern, ist seit langem bekannt.
Neu ist allerdings, was die Berliner Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff nun Tageslicht förderte.:

". . . . Noch bemerkenswerter . . . . sind jedoch einige andere Fälle, die Weber-Wulff von Helfern zugetragen wurden und in denen medizinische Fakultäten noch weniger Seiten mit noch mehr Autoren als Dissertationen anerkannten: Darunter eine neunseitige Schrift von sieben Autoren, die die Universität Hamburg 2001 akzeptierte, ein sechsseitiges Papier von vier Verfassern, das man dort 2005 als Doktorarbeit annahm, eine 2006 an der Universität Münster gebilligte dreiseitige Arbeit mit merkwürdigen Rechtschreibfehlern und dem Doktorvater als Ko-Autor und eine dreiseitige Publikation mit sieben Vätern, die die Technische Hochschule Aachen noch im letzten Jahr als ausreichend für die Verleihung eines Doktorgrades ansah." (2)

Wäre Noah Grieche gewesen, hätte er die Arche nie gebaut

Eine griechische PASOK-Abgeordnete wiederbelebt eine zehn Jahre alte Geschichte über die ausufernde Bürokratie im Lande und wird dafür von der politischen Klasse in die Pfanne gehauen:

Der Herr erschien Noah und sagte ihm: "In einem Jahr werde ich es regnen lassen und die gesamte Erde mit Wasser bedecken und alles zerstören. Ich will jedoch, dass Du die gerechten und ehrbaren Menschen und zwei Tiere von jeder auf der Erde existierenden Gattung rettest. Ich befehle Dir, eine Arche zu bauen!"

Und Gott übergab Noah die Baupläne für die Arche. In Ehrfurcht vor dem Herrn nahm Noah die Pläne entgegen und sagt zu, die Arche zu bauen. "Denke daran", sagte der Herr, "in einem Jahr musst Du die Arche fertig gestellt und alle Tiere eingesammelt haben!"
Ein Jahr später beginnt sich ein Unwetter zu bilden und auf allen Meeren der Erde herrscht Sturm. Gott schaut nach dem Geschehen und sieht Noah in seinem Hof sitzen und weinen. "Noah!", ruft er, "wo ist die Arche?!"
"Verzeih mir Herr", bittet Noah, "ich tat was ich konnte, aber ich begegnete großen Problemen. Zuallererst musste ich eine Genehmigung für den Bau beantragen und die Pläne, die Du mir gabst, entsprachen nicht der geltenden Regelung. Ich musste einen Schiffbauingenieur einstellen und die Pläne waren ganz von vorn neu zu erstellen.
Danach geriet ich mit dem Hafenamt in Streit darüber, ob die Arche ein Brandschutzsystem, Boote und Rettungsringe benötige. Dann zeigte mich mein Nachbar an, weil ich – wie er meint – mit dem Bau der Arche in meinem Hof die Bebauungsgrenzen überschritt, und so benötigte ich auch eine Genehmigung vom Bauamt.
Weiter hatte ich hatte ein Problem, Holz für die Arche aufzutreiben, weil ein Abholzungsverbot zum Schutz der gesprenkelten Eule existierte. Schließlich konnte ich die Forstschutzbehörde davon überzeugen, das Holz zu benötigen um die Eulen zu retten. Die Tierschutzorganisation ließ mich allerdings keine Eulen fangen. Und somit haben wir keine Eulen.
Danach traten die Zimmerleute in den Streik, jedoch schaffte ich es, mit ihrem Berufsverband eine Einigung zu erzielen. Jetzt habe ich 16 Zimmerleute, die an der Arche arbeiten, aber ich habe keine Eulen. Und als ich die übrigen Tiere einzusammeln begann, erstatte eine Gruppe von Aktivisten Strafanzeige gegen mich, weil ich nur zwei Tiere von jeder Gattung mitnehmen würde.
Nachdem die Sache mit dieser Anzeige ausgestanden war, wurde ich von dem Ministerium für Umwelt, Flächennutzung und öffentliche Projekte (YPECHODE) informiert, die Arbeiten können nicht fortgesetzt werden, wenn ich keine Studie über die Auswirkung der geplanten Sintflut auf die Umwelt einreiche. Ihnen gefiel nicht der Gedanke, keine Zuständigkeit für die Entscheidungen des Schöpfers des Alls zu haben.
Danach forderten die Topographen des Militärs eine Karte mit dem vorgeschlagenen Verlauf des Wassers der Sintflut. Ich schickte ihnen einen Globus. Derzeit versuche ich nun ein Thema mit dem Ausschuss für Gleichberechtigung zu lösen, von dem mir Diskriminierung vorgeworfen wird, weil ich keine Menschen mitnehme, die nicht an Dich, oh Herr, glauben.
Schließlich stellten sie mir per Gerichtsvollzieher auch jene Benachrichtigung zu, ich schulde Steuern und eine Geldstrafe, weil ich die Arche nicht als Freizeitboot deklarierte. Jetzt hat das Finanzamt meine Bankkonten eingefroren weil sie glauben, ich baue die Arche um das Land zu verlassen und keine Steuern zu zahlen. Und auch der oberste Verwaltungsgerichtshof (StE [5]) hat noch nicht entschieden, ob die Sintflut verfassungswidrig sei, das es sich um einen religiösen Akt handele. Für wenigstens 5 – 6 Jahre besteht tatsächlich keine Chance, fertig zu werden."

Und da begann sich der Himmel zu klären, die Sonne zu scheinen und die Meere beruhigten sich. Der Regenbogen schmückte den Horizont. Noah schaute hoffnungsvoll zu Gott auf: "Herr, bedeutet dies, dass Du nicht alles zerstören wirst???"
Und Gott antwortete:  "Ach … mach Dir nichts draus … soll es doch der GRIECHISCHE STAAT tun!"

6.20.2013

Und noch ein offener Brief!


Selbstkritik einer Beschäftigten des Staatsfernsehens in Griechenland


Eine Beschäftigte der geschlossenen öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt ERT geht mit sich ins Gericht, weil sie 150 Euro mehr als vergleichbare Arbeitnehmer verdiente:

Ich möchte meine Selbstkritik machen, da – wie ich höre – die Krise allem voran ideell ist und als primäres Ergebnis haben müsste, dass wir uns alle in Selbstkritik üben. Ich wurde also im August vergangenen Jahres bei der ERT eingestellt und mein Gehalt als Vetragsbedienstete betrug 620 Euro netto. Ebenfalls war ich versichert. Meine Freunde verdienten dagegen (bei anderen Arbeitgebern) 500 Euro, obwohl sie adäquate Arbeiten ausführten. Ich befand mich also in der Lage, die zusätzlichen 120 Euro rechtfertigen zu müssen.
Ich war eine gierige ideologische Träumerin. (br)Meine Freude war jedoch groß. Es war mein erstes Gehalt, das etwas besser als das der anderen erschien. Und dann entschloss ich mich, zum Augenarzt gehen zu müssen, und nach 5 Jahren besuchte ich also den Augenarzt. Und dann dachte ich, es sei eine Gelegenheit, den Gynäkologen zu besuchen, den ich bisher mied, weil er viel kostet. Nach zwei Jahren ging ich also zum Gynäkologen. Ich dachte mir ebenfalls, es sei eine Gelegenheit, einen kleinen Läufer für den Eingangsbereich, einen Vorhang für das Bad und zwei Kerzen zu kaufen, um meine Wohnung in Kypseli zu verschönern.

Gedanken, mit denen ich mich seit geraumer Zeit trug, jedoch ebenfalls in der Annahme vermied, dass in meinem Leben der Läufer, der Vorhang und die Kerzen wohl doch nicht so wichtig seien. Und als ich schließlich eines Tages an dem Buchladen in meiner Nachbarschaft vorbeikam, stellte ich höchst erfreut fest, wie viele Bücher dieser vergessene Buchladen hatte, der wegen der Krise 30% Rabatt auf seine Preise auslobte. Und mit meinem Geld nutzte ich die Not des Buchhändlers in Krisenzeiten aus und überlegte mir, ein Geschichtsbuch zu kaufen um auch meiner kulturellen Bildung Sorge zu tragen. Ich kaufte “Der dunkle Kontinent” von Mazower, voller Freude, die abseits meiner Schulbücher von einem kritischen Standpunkt geschriebene Geschichte zu lesen.

Am Dienstagmorgen ging ich zu meiner Arbeit, erfuhr jedoch am Abend, dass ich entlassen wurde. Mein Krankenversicherung, mein inzwischen geregelter Haushalt, mein Buch waren wohl ein Traum, an den ich – wahrscheinlich naiv – glaubte. Scheinbar war ich all das nicht wert, vielleicht weil ich von einem Organismus der Drohnen usw. profitierte. Und ich denke an das Triptychon “Gesundheit – Lebensqualität – Bildung” und befürchte, dass ich – die immer verfolgte, kritisch zu denken – zu einer reaktionären Linken werde, weil auch deren Zitate üblicherweise drei Worte sind. Und ich, die Naive, überdenke es politisch, überdenke es wirtschaftlich ... und bin verwirrt, wo ich falsch lag? Wie es scheint, war ich gierig, eine Ideologin und eine Träumerin.


6.19.2013

Lügen und Wahrheiten: Eine Antwort an Premierminister Antonis Samaras

Faktisch in einer Art Nacht- und Nebelaktion hat Griechenlands Premier das öffentlich-rechtliche Fernsehen abschalten lassen. Einen Grund sehen Griechen und ihre Freunde in einem Eintrag der Troika ins Hausaufgabenheft des willigen Samaras. Der öffentliche >Sektor Grichenalnds soll 2013 um weittere 4000 Stellen schrumpfen. Das aber ist nur möglich, wenn die 2700 Beschäftigten des ERT rausschmeißt. Wie dem auch sei, Samaras selbsherrlicher Akt hat Masenproteste ausgelöst und auch sehr individuelle. Beispielsweise den Protest von Giorgos Kogiannis, Journalist und ehemaliger Nachrichten-Direktor des ERT. Für uns Nichtgriechen, aber befreundete Menschen sehr aufschlussreich:

 Herr Premierminister, Ich las mit besonderer Aufmerksamkeit Ihren Artikel in der Zeitung “Kathimerini” und fragte mich: Warum wurden Sie plötzlich dermaßen hart zu Ihren “eigenen Kindern”, denen sie seit einem Jahr “in blanko” die ERT überlassen haben?

Sie fragen, Herr Premierminister, “Kann man Reformen machen, ohne diejenigen zu stören, die es sich bequem gemacht haben?”
Ich nehme an, Sie beziehen sich auf jene, die entweder Sie selbst oder ihre Wegbegleiter und Regierungspartner untergebracht haben. Sie beziehen sich offensichtlich auf die 30 – in ihrer Mehrheit fürs Nichtstun bezahlten – Sonderberater und Bediensteten in Sonderpositionen, die Sie bereits ab dem ersten Tag Ihres Amtsantritts bei der ERT einstellten. Ich nehme an, Sie beziehen sich auf Ihren Trauzeugen Herrn Giorgos Antoniou, dem Sie eine Stelle mit monatlichen Bezügen von 3.500 Euro verschafften. Ich nehme an, Sie beziehen sich ebenfalls auf den Trauzeugen des Direktors Ihrer Pressestelle Herrn Giorgos Mouroutis, den Herrn Menelaos Sevastiadis, der ebenfalls 3.500 Euro im Monat erhält. Ich nehme an, Sie beziehen sich auch auf die Landsmännin ihres für die Presse zuständigen Ministers Herrn Simos Kedikoglou und Kandidatin – mal mit der PASOK [1]-Partei und mal mit der ND – Frau Matina Retsa, die mit 3.000 Euro im Monat entlohnt wird. Die in Rede stehende Dame ist bei der ERT, von der sie bezahlt wird, niemals aufgetaucht und hebt einfach nur das persönliche Telefon des Herrn Kedokoglou ab, wenn man ihn anruft. Ich nehme an, dass Sie sich ebenfalls auf den – zufälligerweise? – aus Messinien stammenden Herrn Stavros Ikonomopoulos, der mit 3.500 Euro pro Monat entlohnt wird. Ich nehme sich an, Sie beziehen sich auf den Herrn Manousos Kampanelis, von Beruf Sportlehrer, – ebenfalls zufälligerweise? – aus Euböa stammend und Parteifunktionär des Herrn Kedikoglou, den Sie als Leiter des Büros des geschäftsführenden Vorstands der ERT mit einem monatlichen Gehalt von 3.500 Euro einsetzten. Offensichtlich wurde jemand benötigt, der das “Auge” und das “Ohr” des Ministers in der Unternehmensleitung ist … .

 Sie fragen, Herr Premierminister, ob “man von den Menschen verlangen kann, zuzuschauen wie die um ihn herum Bollwerke der Intransparenz und der Korruption unbehelligt bleiben?”. Ich denke, Sie beziehen sich auf die Meldungen, welche Kollegen von mir – als “Beschäftigte der ERT” unterzeichnend – bei dem Staatsanwalt und dem Inspektor der öffentlichen Verwaltung bezüglich der Handlungen der von Ihnen bei der ERT eingesetzten Leitung einreichten. Ich denke, Sie beziehen sich auf die 1 Million Euro im Jahr, welche die Sendung “Mesogion 13″ kostete, die inszeniert wurde, damit Frau Anthi Salagkoudi (Kandidatin mit der ND und Tochter eines ehemaligen Ministers Ihrer Partei) ein Podium findet, um sich auszudrücken. Aber auch, damit auch andere Verwandte Ihrer Funktionäre bei der ERT untergebracht werden. Ist es ein Zufall, dass die Rechtsstelle der ERT sich weigerte, den Vertrag mit der Produktionsgesellschaft der in Rede stehenden Sendung zu unterzeichnen, da sie urteilte, dass der Vertrag hinsichtlich der Interessen des öffentlichen Fernsehens “kolonialistisch” war? Autor des Vertrags war der Leiter des Büros des Generaldirektors für Information, Herrn Ämilios Liatsos. Sie sagen, Herr Premierministers, dass “der Staatsanwalt für Korruption eine Untersuchung anordnete” und “bezüglich der sündigen ERT bald die Masken fallen werden”. Offensichtlich beziehen Sie sich beispielsweise auf den Fall der Sendung “EPTA”, in dem der Staatsanwaltschaft bereits wegen Identitätsraubs eines Chefredakteurs ermittelt. Es ist der Fall, in dem Herr Liatsos einen mit ihm befreundeten pensionierten Journalisten einstellte, damit dieser jedoch nicht seine Rente verliert, erscheint in dem Vertrag als Beschäftigter der ERT sein Sohn, der jedoch … beim Militär ist.
Ich nehme an, Sie beziehen sich auf den Fall einer ebenfalls bekannten Eigentümerin einer Produktionsgesellschaft mit zwei Sendungen bei der ERT, die es schaffte, wegen ihrer Beziehungen zu Ihren Mitarbeitern im Megaro Maximou durchzusetzen, dass ihr Sohn als Koordinator der Abteilung eingesetzt wird, die darüber entscheidet, welches Programm das öffentliche Fernsehen spielen wird. Falls Sie es nicht verstanden haben, der Sohn traf Entscheidungen und die Mutter führte sie aus.

Sie sagen, Herr Premierminister, “das griechische Volk habe Recht, wenn es sich frage: Haben Sie den politischen Willen, sich mit den Mächtigen und mit den offensichtlichen Zentren der Verschwendung anzulegen? Oder sind Sie von der selben Sorte?”
Offensichtlich beziehen Sie sich auf die gemischten Produktionen, welche die vorherige Leitung aus Gründen der Transparenz abgeschafft hatte und die unter Ihrer Regierung massenweise wiederkamen. Die Kosten dieser von Ihnen angeführten gemischten – und externen – Produktionen übersteigen 35 Millionen Euro im Jahr. Sie sagen, Herr Premierminister, “die Privilegien bei der ERT waren gut geschützt und die Intransparenz allgemein verbreitet”. Von Intransparenz sprechend nehme ich an, dass Sie sich auf den Parcours beziehen, den – immer unter Ihrer Regierung – den jede Produktionsfirma durchlief, um mit der ERT zusammenzuarbeiten. Zuerst wendete sie sich an das Büro des Direktors des zuständigen Ministers Simos Kedikglou, und wenn sie grünes Licht erhielt, reichte sie im weiteren Verlauf ihr Angebot bei dem öffentlichen Fernsehen ein. Damit das System abgesichert wird, war der Präsident des Ausschusses, der die Produktionen genehmigte, Ihr Trauzeuge Herr Giorgos Antoniou (ebenfalls ein Zufall …?).

Sie sagen, Herr Premierminister: “Wir stehen nicht im Streit mit den Beschäftigten der ERT. Etliche von ihnen werden bei dem neuen Träger wieder eingestellt werden. Aber diesmal mit Leistungskriterien.”
Ich nehme an, Sie beziehen sich auf Kriterien analog zu denen, die Sie für die Einstellung z. B. des Generaldirektors für Information Herrn Ämilios Liatsos oder der Moderatorin Frau Anthi Salagkoudi heranzogen, mit den bekannten objektiven Qualifikationen und der aus dem Ergebnis beurteilten beruflichen Leistung.

Sie bezeichnen die ERT als “gegängelt”, Herr Premierminister.
Offensichtlich beziehen Sie sich auf die Bemühungen der von Ihnen eingestellten Mensche, die ERT in ein absolutes Partei- / Regierungssprachrohr umzuwandeln. Charakteristisches Beispiel sind die unverhohlenen Anweisungen bei 20-Personen-Konferenzen, welche Herr Liatsos telefonisch von dem Leiter Ihrer Pressestelle Herrn Mpouroutis darüber erhielt, wann er Sondernachrichten über Ihre Aktivitäten schalten sollte. Außerdem ein alter Mangel Ihrer Partei. Ich erlebte ihn auch selbst vor den Wahlen, als Herr Mouroutis mich sowohl telefonisch als auch per Internet bedrohte und forderte, dass er die Reihenfolge durchsetzen werde, mit der die Themen der Nachrichtensendungen gespielt werden. Und weil ich mich weigerte und mich widersetzte, bezahlte ich dafür mit meiner Absetzung, kaum nachdem Sie die Regierungsführung antraten.

Sie bezeichnen die ERT als “gering geschätzt”, Herr Premierminister.
Sie beziehen sich offensichtlich auf die Geringschätzung, in welche die von Ihnen eingesetzte Leitung die ERT führte. Sie übernahm die ERT nach ihrem beispiellosen Zuschauerquotenrekord am Abend der Wahlen im Juni, und innerhalb eines Jahres führte sie die ERT mittels der Durchsetzung der Parteiherrschaft und Regierungskontrolle zu Quoten der Größenordnung von 4% (Haupt-Nachrichtensendung) Ich erinnere daran, dass die Zuschauerquote der Hauptnachrichtensendung bei Übernahme der ERT durch unsere Funktionäre 9,5% betrug (Daten der AGB). Am Wahlabend wiederum lag die durchschnittliche Zuschauerquote mit 18,5% eindeutig an erster Stelle im Vergleich mit allen privaten Kanälen.

Und noch etwas, was Sie, Herr Premierminister, – zufällig? – nicht anführten.
Als die von Ihnen eingesetzte Leitung die ERT übernahm, hatte sie die Bilanz für 2011 mit Gewinnen von 57 Millionen Euro abgeschlossen, gegenüber Gewinnen von 34 Millionen Euro im Jahr 2010 und Verlusten von 9 Millionen Euro im Jahr 2009. Sie bekamen Appetit und stahlen ihr 75 Millionen Euro, die Sie dem LAIGE bereitstellten. Trotz allem wird die ERT auch für 2012 mit einem gewinn von 15 Millionen Euro abschließen. Hätten Sie Ihr also nicht die 75 Millionen Euro gestohlen, hätten ihre Gewinne 90 Millionen Euro erreicht. Schließlich sagen Sie, Herr Premierminister, “wir müssen einen modernen und gesunden Träger schaffen”. Schlossen Sie deswegen die ERT mit ihrer Schließung von der Ausschreibung für die Überlassung von Netzen zur Verteilung des digitalen TV-Signals im Land aus? Da es die ERT auf Ihre Entscheidung hin nicht mehr gibt, wird der einzige Bewerber die DIGEA sein, die den Herren Vardiogiannis, Mpompolas, Psycharis, Kyriakou, Alafouzos und Kontominas gehört. Zufälliges zusammentreffen? Ihre Antworten, Herr Premierminister, zu all diesem wären von besonderem Interesse.

Giorgos Kogiannis, Journalist und ehemaliger Nachrichten-Direktor der ERT
(Quelle: TVXS [2])