11.16.2009

Robert Enke


"Möge die Erde ihm leicht sein". Das dachte ich mir an den Anfang. Dann entschied ich mich anders. In dem vielen medialen Geschwurbel seit seiner Selbsttötung fiel einmal ein Satz, der einen möglichen Grund für seine Verzweiflungstat einleuchtend machte: "Er litt unter einem enormen Erfolgsdruck". Warum mir das einleuchtet? Weil innerhalb von nur drei Sommer-Monaten im Machtbereich der France Telekom über 20 Mitarbeiter unter genau derselben Begründung ebenfalls "freiwillig" aus dem Leben schieden. In einigen Abschiedsbriefen der französischen Telekom-Mitarbeiter war von eben diesem Erfolgsdruck und einer unglaublich harten Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen Beschäftigten die Rede. Die einen, glaube ich, bestehen solche Situationen nach dem Motto "Was dich nicht umbringt, macht dich stark", die anderen überleben solche Situationen nicht oder nicht lange. Enke gehörte zu denen, vor allem nach den tragischen Tod seiner Tochter.
Ich sehe mir schon gerne mal das eine oder andere Fußballspiel an. Aber ein Fan und gleich gar nur einer Mannschaft bin ich nicht. Weil das so ist, war Enke für mich auch nur ein Torwart unter vielen. Selbst in der Nationalmannschaft war er nur einer neben anderen. Und in einer Konkurrenzsituation zu ihnen und zu den Medien. Wir alle wissen aus Konsumenten-Erfahrung wie schnell einer zum Superstar wird und wie gnadenlos zerrissen (um im Fußball-Bild zu bleiben), wenn er ein- oder zweimal daneben gegriffen hat. Robert Enke war offensichtlich nicht hart genug für ein solches Leben.
Ist ein Fußball-Stadion ein geeigneter Platz Platz für eine Trauerfeier mit 40.000 Fans? Wieviel Pietät muss es haben, einen Menschen würdevoll zu verabschieden? (Screenshot Ausgabe "Junge Welt" vom 17.11.2009: Juza) Über all dem, so sah ich es bei einem Kamera-Schwenk, prangte losungsgleich eine Schriftzeile: "AWD - ihr unabhängiger Finanzoptimierer". Wieviel Pietät braucht es für einen aufrichtigen Abschied? Über die Trauer-Redner mag ich nicht schreiben. Wulff, Zwanziger und wie sie hießen. Schwamm drüber. All das war kein Abschied. Es war die Verwertung der Reste eines vom "Schicksal" geschlagenen Mannes.

11.07.2009

News von der schweinischen Grippe-Front?

Wer sich für die "Neue Grippe" interessiert oder nicht, der konnte in der vorangegangenen Woche lesen, dass eine 48jährige Frau ohne Vorerkrankungen im Uni-Klinikum Bonn (Nordrhein-Westfalen) an Schweinegrippe gestorben sei. Der Hörfunksender WDR 2 meldete dagegen gestern, die Frau hätte doch Vorerkrankungen gehabt. Unter Berufung auf Angehörige der Verstorbenen litt die aus dem Rhein-Sieg-Kreis stammende Frau an Asthma und hatte eine Lebererkrankung.
In deutschen Medien wurde hocherfreut kolportiert, was diverse ukrainische Behörden und Medien unter die Bevölkerung gestreut hatten, nämlich dass in der Ukraine eine Schweinegrippe-Pandemie wüte. Mittlerweile seien rund 60 Menschen an der Schweinegrippe gestorben, mehr als 190.000 Menschen seien an der Schweinegrippe erkrankt. Dagegen meldete die Mediendienst "Ukrainskie Nowosti" folgendes: "In der Ukraine sind derzeit offiziell 13 Erkrankungsfälle mit A/H1N1 bestätigt. Darüber informierte der Hauptamtsarzt Alexandr Bilowol auf einer Konferenz, die von Premierministerin Julia Timoschenko durchgeführt wurde. Er merkte an, dass notwendige Proben für die Bestätigung des Virus in ein Londoner Laboratorium gebracht wurden. Der Gesundheitsminister Wassilij Knjasewitsch sagte Journalisten, dass von den 13 Erkrankten, eine Person gestorben ist. Gestern gab es nur 11 bestätigte A/H1N1 Fälle, bei 81.247 registrierten Grippeerkrankten." (Originalquelle:http://www.ukranews.com/rus/article/228666)
Professor Michael Kochen, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin an der Universität Göttingen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin erklärt auf Welt online.de: "(...) Es ist eine mediale Schlacht, die hier ausgetragen wird. Dieses Virus ist bei weitem nicht so gefährlich, wie es in manchen panikartigen Verlautbarungen dargestellt wird. Alle Verantwortlichen, die sich rationale Grundsätze auferlegt haben, werden schwach, weil die Presse schreibt, "schon wieder zwei Tote". Bei der normalen Grippe sterben jedes Jahr zwischen 5000 und 11.000 Menschen, Natürlich sind das hauptsächlich ältere Menschen, es sterben daran aber auch Kinder, die völlig gesund und nicht chronisch krank sind. Das vergisst man immer wieder. Ich habe wenig Zweifel, dass wir bis Ende März vielleicht 50, vielleicht auch 120 Tote in Deutschland haben werden. Leider konfrontieren nur wenige diese Statistik mit den Zahlen, die die saisonale Grippe an Toten produziert. (...)
Der Herr Professor lebt gefährlich mit solchen Argumenten, vor allem , wenn sie der gewünschten Impf-Hysterie zuwiderlaufen. Für so was kann man schon mal Berufsverbot verordnet bekommen, also vorerst nur in Österreich. Das ist jetzt dem Impfkritiker und Herausgeber des "Impfreport", Dr. Johann Loibner, widerfahren. In einer Rundmail teilt er den Empfängern des Impfreport mit : "Das Amt der Steiermärkischen Landesregierung hat am 3.11.09 den Bescheid der Österreichischen Ärztekammer vom 22.06.09 vollinhaltlich bestätigt. Damit tritt das Berufsverbot in Kraft. Zitat aus dem Bescheid: „Es war daher zum Schutze der Öffentlichkeit, insbesondere im Interesse der Volksgesundheit, der Berufung keine Folge zu geben und der angefochtene Bescheid vollinhaltlich zu bestätigen“. Ich werde, wie angekündigt mein Recht auf Meinungs- und Publikationsfreiheit beim Verfassungsgerichtshof einklagen. Es ist jetzt ein gutes Jahr auf den Spruch durch den VFGH zu warten. Allen Personen möchte ich meinen Dank für die Unterstützung aussprechen. Ich selbst werde weiterhin meine Aufklärungsarbeit fortsetzen".

11.03.2009

Geschichte a la MDR oder plumpe Verarsche?

Dass dieser Tage meist gehörte Wort in den öffentlich-rechtlichen Fernseh-Anstalten dürfte nach meiner groben Schätzung das Wort "Todesstreifen" sein. Gegenwärtig sind da (in ARD, ZDF und in vielen Dritten) jede Menge Leute unterwegs an der ehemaligen Ost-West-Grenze, um aus eben diesem Todesstreifen zu berichten und dabei zu dokumentieren, was für ein Unrechtsstaat die DDR doch gewesen sei. Eigentlich wäre dagegen ja auch nichts einzuwenden, denn Aufklärung darüber, was da passiert ist über Jahre, ist zweifellos wichtig und richtig. Aber das DDR-Systems so totalitär auf den "Todesstreifen" zu verkürzen ist fatal. Aber die Verkürzung der Geschichte auf solche Dinge hat offensichtlich Methode, vertreten einerseits von Großinquisitoren a la Hubertus Knabe und andererseits von Leuten, die nach der "backe backe Kuchen-Methode" ihr Bild von der DDR zwischen den flachen Händen in Worte oder Bilder kneten. Das jüngste Beispiel dafür lieferte der öffentlich-rechtliche MDR mit seiner für den Kinderkanal produzierten 581. Folge von "Schloß Einstein". Da ging es, entnehme ich meiner Tageszeitung "Sächsische Zeitung" Dresden (Seite 12 vom 30.10.2009) um "Ein paar Tage Diktatur". Der Titel der Sendung lautete, so die "SZ" "Alltag in der DDR".
Und zum Inhalt heißt es: "Die Schüler von heute haben die DDR nicht miterlebt. In der neuen Folge sollen sie miterleben, wie es ist, in einer Diktatur zu leben", erklärt Redakteurin Christa Streiber (vom MDR).
Und so sah nach Christa Streiber der (Schul)Alltag in der DDR aus: "Plötzlich sollen die Schüler eine Schuluniform tragen, unzählige Verbote ohne Widerrede befolgen und sich gegenseitig ausspionieren. Das lassen sich die Einstein-Kids nicht gefallen und organisieren sich zum Widerstand". Wenn wir die Schuluniformen mal dorthin stecken, wo sie hingehören - in den Müll nämlich, und wenn wir die dümmliche Behauptung vernachlässigen, das die DDR-Schüler sich gegenseitig ausspionieren "sollten", dann bleibt nur ein a la Streiber verschwurbelter Rest von Diktatur und oder aber gleich gar nichts vom "Alltag in der DDR". In dem hatten die Schüler an den Schulen im Osten anderes zu tun.

Und noch was zur Streib erschen "backe backe Kuchen-Methode": Lustigerweise, so konnte es der SZ-Leser auf besagter Seite 12 und im Original auf "Kika" sehen (auch hier auf dem Repro-Foto), hielten die "Kids" Schilder hoch mit "Stasi 2.0", Schildern also, mit denen im Deutschland von heute gegen den Überwachungswahn der politisch Machtausübenden, protestiert wird.
Ich höre in letzter Zeit immer wieder einen Werbespot: "Diese Sendung wurde
ermöglicht durch ihre Gebühren" (radio1). Kann man da nicht auch mal den Umkehrschluss denken?

11.02.2009

Über die simple "Diplomatie" der USA oder anders: No, we can´t!

Die Schmach steht den USA noch immer auf der Stirn: Nach der gescheiterten Invasion zum Sturz der kommunistischen Regierung von Fidel Castro im Jahr 1961 hatte die US-Regierung ("Isch bin ein Berlliner"-Kennedy) im Februar 1962 Wirtschaftssanktionen gegen Kuba verhängt, um einen Regierungswechsel zu erzwingen. Die Sanktionen sahen ein Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargo vor und verursachen unermeßliche Probleme auf dem kleinen Inselstaat. Den erwünschten Regierungswechsel jedoch konnte das bis jetzt 48jährige Dauerembargo nicht erzwingen. Dafür ist in den vergangenen 20 Jahren der Widerstand im höchsten Völkergremium, der UNO, gegen das Total-Embargo der USA gewachsen. Zum 19. Male verabschiedete vor einigen Tagen die Vollversammlung eine Resolution, mit der die USA aufgefordert werden, das Embargo gegen Kuba zu beenden. Neben den USA stimmten Israel und der Zwergen-Inselstaat Palau gegen die Resolution.
Über Israel brauchen wir nicht viele Worte verlieren. Sie stimmen immer im Sinne der USA, wenn hinterher die Rechnung stimmt. Die"Rechnung stimmt" hieß in diesem Falle, dass die USA für eine neue Verhandlungsrunde mit der palästinensichen Führung auf die gestellte Vorbedingung "Stops des israelischen Siedlungsbaus auf palästinensischen Gebiet" verzichten müsse. Das hat Miss Clinton nun bei ihrer Nahost-Reise getan. Die Israelis sinds zufrieden, die Rechnung ist aufgegangen. Und was ist mit Palau? Wo liegt Palau und was genau ist Palau?
Bei Wikipedia heißt es: "Nach einer langen Übergangsperiode und dem gewaltsamen Tod zweier Präsidenten (Haruo Remeliik wurde 1985 ermordet; Lazarus Salii beging 1988 Selbstmord) wurde Palau am 1. Oktober 1994 offiziell unabhängig. Zuvor hatte die Regierung auf Druck der USA einen Assoziierungsvertrag mit den USA unterzeichnet. Der Passus über Palau als atomwaffenfreie Zone wurde aus der Verfassung gestrichen. Die USA blieben weiter für die Verteidigung und Außenpolitik der Republik zuständig. Als Gegenleistung verpflichteten sich die USA, in den nächsten 15 Jahren etwa 480 Millionen US-Dollar (32,0 Mio pro Jahr) in die Wirtschaft der Inseln zu investieren. Im Dezember 1994 wurde Palau in die Vereinten Nationen aufgenommen.[2] Palau, die Marshallinseln und Mikronesien sind die einzigen Staaten, die in der Generalversammlung der Vereinten Nationen konsequent auf Seiten der USA gegen Kuba und für Israel stimmen.
Vermutlich gab es für die Gegenstimme wieder mal 32 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe für den Zwerg plus sieben Uiguren aus Guantanamo. Die bleiben Dank schmutzigen Taschenspielertrick in Zugriffsreichweite der USA. Alles in allem ein "Schnäppchen, wie das selbst der gerade "Quelle" plündernde Deutsche nennen würde.

10.24.2009

Nehmen Sie Haltung an Unteroffizier!

Der Nebel, den die vierte Gewalt (oder fünfte Kolonne des Kapitals) vor, während und nach den Bundestagswahlen über ihre papiernen und elektronischen Nebelwerfer verbreitet hatten, legt sich langsam. Wir sehen die Reste des Wahlkampfes allenthalben. Von Phrasengschossen um-, oder angeschossene Kreuzchenmacher und überall haufenweise Worthülsen. Einige hunderttausend 1-Euro-Jobber sind dabei die Hinterlassenschaften aufzufegen. Blut müssen sie nicht wischen, denn die Geschosse töten nicht, es sind ja nur Dumm-dümmer-Geschosse. Während die 1-Euro-Jobber noch am werkeln sind, hat die "neue" Koalition ihren 4-Jahres-Plan geschrieben und auch gleich verabschiedet. Und dann haben sie ihre Plätze eingenommen, so wie das Wahlvolk es von ihnen erwartet. Na gut, ganz ohne Pannen ging es nicht ab: So beschwert sich Bundestagspräsident Lammert über die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, weil sie seine Inthronisation nicht live übertragen hätten. Kann man aber vernachlässigen.
Am meisten Spass hatte ich in den vergangenen Tagen mit Guido Westerwelle. Während der Koalitionsverhandlungen wirkte er oft angespannt oder anders, wie unter Entzugserscheinungen leidend. Das änderte sich schlagartig, als feststand, dass er nun doch außenministern darf. Seitdem grinst der Mann schon, wenn in 100 Meter Entfernung eine Kamera Nähe auftaucht. Der zieht ein Gesicht wie ein Junge, der seinen Alten nun endlich doch die jahrelang vorenthaltene Spielekonsole aus dem Kreuz hat leiern können. (So Junge, itze bisste alt jenuch, da wollen wir mal nich so sein".) Also ich freue mich schon drauf. Der fährt nach Kabul und Karsai herrscht ihn an: "Stellen Sie bitte ihre Fragen auf Paschtun. Es ist Afghanistan hier!"
Also worüber ich mich wirklich freue ist, dass Wolfgang Schäuble jetzt zum Finanzminister berufen wurde. Da kann er wenigstens keinen Schaden mehr anrichten von wegen innerer Sicherheit. So kommt er wenigstens nicht mehr dazu, seine Lieblings-Verordnung durchzusetzen, in der es heißt: "Toiletten in öffentlichen Gebäuden, in Hotels und Restaurants , Bordtoiletten in öffentlichen und privaten Unternehmen der Personenbeförderung sind ab 01.06.2010 mit Videokameras auszustatten und zu überwachen.
Bloß kann der besser Finanzminister? Ein Finanzminister, der schon mal 100 000 DM (vermutlich eine Wahlkampf-Spende des Waffenlobbyisten Karl-Heinz Schreiber) in seiner Schreibtisch-Schublade vergessen hatte? Mann, wenn der mal vergisst, das er da noch so ein Konjunkturprogramm mit sagen wir mal schlappen 3 Milliarden in seiner Schublade hat . . .!
Bei von zu Guttenberg bin ich mir sicher, der sitzt jetzt auf seinem richtigen Platz in Kabul. Der Unteroffizier der Reserve ist kampferfahrener Gebirgsjäger. Von denen wissen wir, die können das - auch in den afghanischen Bergen. Obwohl - als der Wirtschaftsminister wurde, haben ihn die Medien (spiegel-online und noch so´n Wurstblatt) ja auch umgehend Wirtschaftskompetenz angeschrieben, die er sich in einem mittelständischen Unternehmen erworben hätte (Blöd, wenn man zu blöde zum Abschreiben ist). Die Firma, wo er das getan haben soll, dementierte umgehend. Es handele sich nicht um Karl Theodor plus sieben weitere Vornamen, sondern nur um eine Guttenberg-Namensgleichheit. Und noch was anderes beruhigt mich. Ich bin Oberfeldwebel der NVA. Baut der Guttenberg Scheiße, fahr ich hin und lass ihn strammstehen, den Uffz. den lumpigen.

10.13.2009

Grünes Abführmittel

In der DDR gab es eine lustige Stammtisch-Quizfrage: "Was ist ein grünes Abführmittel?" Antwort: "Eine Volkspolizist". Jetzt tauchen Frage und Antwort - modifiziert natürlich - neu auf: "Was ist ein Abführmittel?" Antwort: "Die Grünen". Die kleinbürgerliche Partei der Mittelstufenlehrer mit Angriffskriegserfahrungen aus den frühen 90ern, die mit den Landtagswahlen im Saarland einen Politikwechsel erreichen wollte, hat sich - den Aasgeruch der Macht schon in der Nase - CDU und FDP an den Hals geworfen und die Linke düpiert. War´s das schon? Der Linken bleibt die Rolle der starken oppositionellen Kraft in Jamaika-Land. Und das ist mehr als genug für die Überzeugungsarbeit unter den Grünen-Wählern, dass man mit einer kleinbürgerlichen Partei eben doch keinen Politikwechsel erreichen kann, dass wer Veränderungen wünscht, sich nicht auf ein Abführmittel verlassen kann.

8.17.2009

Kathleen K. ist weg - Update

Die erste Hälfte der Geschichte um Kathleen K. ist schon erzählt. Aber es gibt einen zweiten Teil - oder wie man heutzutage sagt - ein Update. Und der (das) beginnt mit einer Korrektur. Kathleen K. heißt nicht Kathleen sondern Katrin. Alles andere war ein "Hörfehler" der Polizei. Wir waren davon ausgegangen, dass der jungen Frau irgendwas passiert sein könnte und deshalb ihr Auto verwaist auf dem Hain rumstand. Und wir hatten recht. Eine Woche nach dem mysteriösen Verschwinden Katrins, hatten wir zwei Anrufe. Die Wirtin eines Gasthauses im Nachbarort erzählt am Telefon, dass eine Woche nach dem Verschwinden in den Morgenstunden eine junge Frau bei ihr aufgetaucht sei, durchnässt und unterkühlt und völlig "von der Rolle". Sie habe undeutlich gesprochen, etwas gesagt wie "die haben mich unter Drogen gesetzt". Die ratlose Wirtin habe sie gefragt, wen sie anrufen solle, die Polizei oder den Notarzt. Katrin K. habe sich für letzeres entschieden. Und der habe sie kurze Zeit später auch abgeholt. Katrin K. landete im Kreiskrankenhaus Zittau. Ihr Auto wurde wenig später von einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes von der Straße auf einen nahe gelegenen Parkplatz gefahren, aufgeräumt und abgestellt. Im Zittauer Krankenhaus blieb Katrin K. eine Woche lang, danach wurde sie in eine Dresdner Klinik verlegt. Dort wurde sie weitere fünf Wochen behandelt.
Der zweite Anruf (siehe oben) ging nachts 01.30 Uhr beim Kammbauden-Wirt Knut Popken ein. Die Bundespolizei war dran: Es sei ganz wichtig, denn Katrin K. sei seit diesem Tag (auf Grund einer Vermißtenmeldung) zur Fahndung ausgeschrieben. Ob Herr Popken etwas neues über den möglichen Aufenthaltsort der Katrin K. wisse? Und ob das Auto noch immer da stehe?
Mit unseren Befürchtungen lagen wir richtig. Dass Katrin K. Opfer einer Straftat wurde, ist nach Lage der Dinge kaum noch zu bezweifeln. Das sie die Tat überlebt hat, war reines Glück und offensichtlich auch dem Können von Ärzten in zwei Kliniken zu verdanken.
Vor einer Woche hat sie nun ihr Auto abgeholt - heimlich still und leise.

7.15.2009

Die Piraten, die Reiseveranstalter und die deutschen Reedereien

"Die Piratenüberfälle haben sich in der ersten Jahreshälfte 2009 im Vergleich zum Vorjahr weltweit mehr als verdoppelt. Ihre Zahl stieg von 114 auf 240, teilte das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) mit. Genau wie im letzten Quartalsbericht ist die Zunahme nahezu vollständig auf die gestiegenen "Piraterieaktivitäten" im Golf von Aden (86 Fälle) und vor der Ostküste Somalias (44 Vorfällen) zurückzuführen, heißt es in dem Bericht" meldet am heutigen 15. Juli die "tagesschau". Womit wir a) bei der griechischen Mythologie angekommen sind, uns aber dabei - so schön das Thema sein könnte - nicht lange aufhalten, sondern b) weiter gehen wollen zur nach der jungfräulichen Jägerin benannten EU-Militäraktion "Atalanta".
Diese Aktion hat bisher zumindest zu einem Erfolg geführt: Die Piraten haben die militärische Herausforderung der EU angenommen, wechseln vielleicht mal die Schauplätze, intensivieren ansonsten aber ihre Angriffe nur. Also vergesst Atalanta (jungfräuliche Jägerin? Wie blöd muss man sein, ein militärisches Vorhaben so zu benennen?) Zweitens gibt es viel effizientere Methoden, die Piraterie auszumerzen. Jedenfalls wenn man der Internetsite < www.somalicruises.com> glaubt. Die wirbt (siehe Screenshot) nämlich für Kreuzfahrten der besonderen Art in den Gewässern vor Somalia und anderswo zur Piratenjagd. Der Veranstalter sorgt auch für die zum Gelingen der Jagd notwendigen Ausrüstung. Gegen eine Leihgebühr können an Bord auch schwere Waffen ausgeliehen werden (sofern man nicht selbst über solche verfügt).
Zur Beruhigung. Die Internetsite ist ein Fake, a Hoax, ein schlechter Scherz. Andererseits ist es durchaus denkbar, daß irgend jemand die Idee aufgreift und verwirklicht nach dem Motto "wenn´s Geld bringt?!
Die deutschen Reeder verfahren doch so schon seit Jahren. 3500 Schiffe im Besitz deutscher Reeder oder Reedereien sind auf den Weltmeeren unter irgendeiner Billiglohn-Flagge unterwegs. 500 wollen die Reeder in der nächsten Zeit wieder "einflaggen", aber nur unter der Bedingung, daß die Bundesrepublik die Kostenlast für die Reederein drastisch verringert (um mindestens zwei Drittel soll es durch Änderungen des Steuerrechts etc. gehen) und sich der Bund bereiterklärt, den Rest zu subventionieren. Das ist das Lumpenpack von Reedern und Piraten auf See ja unter sich.

7.11.2009

Biddel mehr sächsch gefällisch, hä?

Kennen Sie noch Steffen Heitmann? Ja, einst sächsischer Justizminister und Kohl´scher Lieblings-Bundespräsidentschaftskandidatendarsteller. Gescheitert ist er in der Rolle, weil er damals mal wieder nicht seinen Geist im Zaume halten konnte. Oder anders, der hatte es schon damals immer bisssel mitn Kopp. Er hatte damals ungefähr sowas gesagt wie: Frauen gehören in die Küche, an den Herd und an die Kette. Und die muss so kurz sein, dass sie es auf keinen Fall bis ins Wohnzimmer schaffen. Einmal im Monat dürfen sie ab von der Kette ins Bette wegen der ehelichen Dingsda - Pflichten. Das hatte ihn die letzte Chance auf die Bundespräsidenten-Darsteller-Rolle gebracht.
Ach Sie erinnern sich? Dann haben Sie womöglich auch gehört, dass er sein damals und bis heute wohlwollend aufgenommes Schweigen gebrochen hat dieser Tage. Nach einer Meldung der Tageszeitung "Die Welt" fordert die sächsische CDU die verstärkte Pflege des sächsischen Dialekts im MDR-Programm. Und Heitmann soll dazu angemerkt haben, dass sächsisch zwar nicht beliebt sei. Das liege auch an Walter Ulbrichts Aussprache. „Trotzdem hat der MDR die Aufgabe, die Identität der Zuschauer zu stärken.“ Was, mit Walter Ulbricht???? Bevor sich mein Hör,- Denk- und Gleichgewichtsvermögen in einem mittelschweren Tinitusanfall aufzulösen begann, träumte ich noch einen sächsischen Wetterbericht: Vom Nordn kummt e Tief nachm Osten gezoochen , also wer mer morschen räschen krieschen.
Der Anfall ging, so schnell er gekommen war. Ich nahm das Telefon und wählte 112, den Rettungsdienst. Aus dem Hörer erschallte Musik, nur unterbrochen von der Ansage. "Bitte warten, unsere Anschlüsse sind derzeit alle belegt. Sobald einer unserer Rettungssanitäter frei ist, werden wir sie mit ihm verbinden. Das ging erst mal fünf Minuten so, bis ein mitleidiges Knacken mich befreite: "Hier iss Olaf Berger, Rettungssanitäter in der Leitstelle Dresden. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind der 2009te Anrufer und haben soeben eine Jahresbesuchserlaubnis für die Klapse gewonnen, in die wir Herr Heitmann gleich einliefern werden".

7.04.2009

Kathleen K. ist weg und niemanden interessierts

Am 28. Juni gab es auf dem Hain den II. 24-h-MountainBikeMarathon, ein von Radsportenthusiasten organisiertes Radsportfest. 200 Starter traten an, dutzende Betreuer und Organisatoren tummelten sich auf dem Hain und hunderte Besucher kamen, viele mit dem Auto. Was blieb am Sonntagabend davon? Ein bißchen nachschwingende Volksfeststimmung, bleibende Eindrücke von den pealritterlichen Leistungen und ein herrenloses Auto.

Wenige Schritte vom Wandergrenzübergang nach Tschechien steht seit einer Woche ein verlassenes Fahrzeug. Diie Faherin ist genau so lange unauffindbar.

Gegenüber der Einfahrt zur «Kammbaude» steht ein «Toyota». Er steht im Weg, wenn die Lieferfahrzeuge für die «Kammbaude» kommen. «Na ja», sagt Kammbauden-Wirt Knut Popken, «der ist vielleicht wandern und noch nicht zurück. Wird schon noch auftauchen». Am Montag steht das Auto immer noch. Einer der Mountainbiker ist Bundespolizist und kommt gerade vorbei. Der kümmert sich auf unseren Wunsch hin um das herrenlose Auto. «Es gehört einer Kathleen K. Aus Dresden. Das Auto ist nicht zur Fahndung ausgeschrieben, also nicht geklaut. Mehr wissen wir nicht».
Das gleiche Spiel am Dienstag. Es, das Auto, ist noch immer nicht zur Fahnung ausgeschrieben. Wir sehen uns das Fahrzeug genauer an. Es steht da, als ob die Besitzerin es nur mal schnell verlassen hätte. So, wie man ein Auto vielleicht verlässt, wenn man mal kurz auf Toilette muss. Vor dem Fahrersitz stehen ein paar hübsche Korksandalen. In der Ablage liegen gut sichtbar 35 Euro in Scheinen und einige Münzen, auf dem Beifahrersitz steht eine halbgeöffnete Sporttasche, daneben ein Beutel mit belegten Brötchen und ein Tetrapack Milch mit Schraubverschluss, der offen ist. Auf dem Rücksitz liegt eine braune Jacke. Der Fahrersitz ist schräg nach hinten geklappt, so als ob die Fahrerin vor dem Aussteigen darauf geschlafen hätte. Uns kommen Zweifel. Wir suchen in den Teilnehmerlisten des 24-h-MTB nach ihrem Namen. Sie ist nicht dabei.
Natürlich kann es trotzdem eine harmlose Erklärung geben. Dazu muss die Autobesitzerin nur unbedarft genug sein, ihr Auto tatsächlich nur für eine Wanderung da abgestellt zu haben, worauf die abgelegten Korksandlen deuten könnten..Hätte sie dann aber - es war Schittwetter auf dem Hain am Sonnabend/Sonntag - ihre Jacke nicht angezogen? Was ist, wenn alles ganz anders ist? Was, wenn die Frau tatsächlich wandert und ihr etwas zustieß? Wir ziehen alles mögliche in Betracht: vom Zuckerschock über einen möglichen Absturz von einem Felsen, auch Selbstmord und selbst ein Gewaltverbrechen.
Mittlerweile, erfahren wir, sind Dresdner Polizisten zur Wohnung der 39jährigen gefahren, haben sie aber nicht angetroffen. Punkt. Wir reden wieder mit der Polizei, auch mit der Landespolizei. Zur Antwort bekommen wir: «Das Auto ist nicht als gestohlen gemeldet, die Frau nicht als vermisst». Das ist am Mittwoch. Am Donnerstag taucht der Fall als widerrechtlich abgestelltes Fahrzeug (also Sache des lokalen Ordnungsamtes) erstmals im «Lagefilm» (Bericht über Vorkommnisse im Bereich der Polizeidirektion) auf. Andere Neuigkeiten gibt es nicht.
Wir machen das, was eigentlich die Polizei machen sollte, auf unsere Weise. Wir «googeln» nach Kathleen K. Es gibt zwei in Dresden. Wir rufen die erste an. Es meldet sich niemand. Die zweite Möglichkeit stellt sich als Nullnummer heraus. Die Frau fährt einen blauen Opel, ist aber auch nicht zu Hause., erfahren wir von ihrem Freund. Wir kommen nicht weiter und bei der Polizei verschiebt man die Geschichte von einem Zuständigkeitsbereich zum anderen. Darüber hätten wir gene mit Uwe Horbaschk gesprochen, dem Pressesprecher der Polizeidirektion. Der aber ist auch nicht erreichbar. Heute ist Sonnabend. Seit einer Woche steht hier ein herrenloses Auto. Von der Fahrerin fehlt jede Spur und uns die Gelassenheit der Polizei. Natürlich können wir uns irren. Dann sind wir vielleicht so was wie Deppen. Aber wir haben wenigstens versucht herauszufinden, warum und wohin ein Mensch verschwindet?