9.18.2008

Haben Sie das Geld?

Die KfW-Bank soll laut "Bild" die dümmste Bank Deutschlands sein. Da könnte schon was dran sein. Denn wer überweist denn einer anderen Bank, die gerade Insolvenz angemeldet hat, auf die schnelle noch 300 Milllionen Euro? Dumm, stimmts? Die gehören bestraft, die KfW-Manager! Oder noch besser wäre es, so Jürgen Koppelin von der FDP, die KfW-Bank überhaupt zu privatisieren. Und damit wir das auch wirklich glauben, dürfen in ARD und ZDF sogenannte Finanzfachleute gleich reihenweise ihre "Erkentnnisse" ausbreiten. Der Staat dürfe überhaupt keine Bank haben, weil er die Bürger über ihre Steuern zu Eignern mache, obwohl die das möglicherweise gar nicht wollten. Zweitens habe die IKB-Pleite (IKB war eine Tochter der Kfw und verspekulierte sich am US-Immobilienmarkt) bewiesen, dass der Staat bzw. seine Bank nicht mit Geld umgehen könne. (Die 300-Millionen-Überweisung an Lehmann Bros. bestätigt das scheinbar). Alles Blödsinn bis auf eines: Die Kfw muss sich auf sein Kerngeschäft im Land konzentrieren und darf nicht unter die Zocker gehen.
Sollten wir die KfW tatsächlich privatisieren? Eigentlich nicht, bloß die Gelegenheit ist eben günstig. So ein propagandistisches Eigentor schießt die KfW nicht alle Tage. Sollten wir die KfW nicht vielleicht trotzdem . . ?
Nein. Denn selbst wenn, wen möchten Sie die Bank denn anvertrauen? Den Ackermanns dieser Welt, die gerade dabei sind Milliarden über Milliarden zu verbrennen. Wobei ich gerade drüber nachdenke, welche Rolle 300 oder 600 Millionen fälschlicherweise an Lehmann Bros. überwiesene Euro in dem ganzen Zirkus aus Pleiten, Verstaatlichungen, "Rettungskäufen" überhaupt spielen. Damit Sie mich nicht falsch verstehen, es ist mehr als ärgerlich, wenn KfW-Bänker sich einen derart großen Schnitzer leisten. Die 300 Millionen noch nicht einmal fest stehender Verlust bleiben im Vergleich zu den Schadenssumen aus der zusammenbrechenden kapitalistischen Finanzwelt (ein Ende auch für Europa ist längst nicht abzusehen) ein Sümmchen aus der Portokasse.
Was zu beweisen wäre.
3. April:
"Erst diese Woche meldeten UBS, Deutsche Bank und WestLB neue Verluste. Weitere werden folgen. Trotz aller Konjunktur- und Stützungsprogramme, Verstaatlichungen, Milliardengarantien aus Steuermitteln für gestrauchelte deutsche
Kleinbanken. Denn als Milliardenposten in den Büchern der Banken geführte Papiere sind zum jetzigen Zeitpunk nichts wert, weil nicht am Markt realisierbar. Insofern
sind es Buchungstricks, die aus aktuellen Totalverlusten – der IWF spricht von 600 Milliarden Dollar, andere von bis zu 1,5 Billionen – noch einigermaßen erträgliche
Quartalsbilanzen der Geldhäuser machen. Allein die deutschen Banken sollen noch Risiken von 200 Milliarden Euro in den Büchern haben. (Quelle: Junge Welt)
16. September: "Allein die Fed stellte 50
Milliarden Dollar zusätzlich zur Verfügung. Und die Europäische
Zentralbank (EZB) pumpte am Dienstag 70 Milliarden Euro in den
Markt - mehr als doppelt so viel wie am Montag, als der
Zusammenbruch von Lehman Brothers die Finanzwelt erschütterte. (Quelle: "boerse.ard.de") Und das wird bis auf weiteres munter so weitergehen.


9.11.2008

Was prägt den Menschen?

Das CDU-Thema "DDR-Nostalgie" nahm am 11. September in der "SZ" (Sächsische Zeitung") Dresden ziemlichen Platz auf Seite 1 ein. "Die Geschichte der deutschen Teilung und der SED-Diktatur müssen zentraler Inhalt des Schulunterrichts in ganz Deutschland werden", heißt es in einem Papier, das der CDU-Bundesvorstand am Montag beschließen will, meldet die SZ. Die Meldung wird - ebenfalls auf Seite 1 - kommentiert von Politik-Redakteur Peter Heimann.
"Adenauer hat früher mal die DDR regiert, Kohl war Ossi und Honecker Bundeskanzler. Die Mauer wurde im Westen gebaut, die DDR war demokratisch legitimiert, und alle hatten Arbeit . . . ", fasst Heimann die Ergebnisse mehrere Studien zum Thema "DDR-Nostalgie" zusammen.
Also für mich sind die "erschröcklichen" Ergebnisse zunächst einmal ein Ausweis für ein vor sich hin oxidierendes Bildungssystems. Und dazu muss man ja nun wirklich keine Pisa-Spucke mehr vergeuden. Im Grund besagt der Befund doch nur, in diesem Lande wurde vor allem aus "Kostengründen" zielgerichtet ein Bildungssystem ruiniert, dass eben nur solche Ergebnisse hervorbringen kann.
Zweitens denke ich, weht die DDR-Nostalgie aus einer ganz anderen Ecke. Da fallen mir die Millionen gebrochener DDR-Biografien ein, die Millionen Arbeitslosen, die Hartz IV-Empfänger, die man einem kärglichen Lebensunterhalt aussetzt und nun auch noch dem Spott eines Soziologie-Professors. Da sind Erinnerungen an tatsächliche oder auch nur vermeintliche Errungenschaften, wie kostenlose Arztbesuche, kostenfreie Medikamente, die weitestgehend kostenfreie eigene Ausbildung oder die der Kinder, die sehr günstigen Nahverkehrstarife und was es nicht alles gab, tatsächlich für ein bißchen Nostalgie gut.
Will heißen: Tun wir was für die sozial Ausgegrenzten, dann tun wir viel für das Verschwinden der DDR-Nostalgie mit oder ohne Gänsefüßchen. Fangen wir doch beispielsweise einfach mit der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohnes an.

9.05.2008

Schnipsel

Wir haben lange nicht geduscht, stimmts?
Hm.
Weisste was? Dann fahren wir einfach mal drei Tage nach Bayern und nehm uns eine Ferienwohnung . . .

9.02.2008

9.01.2008

Zwielicht über dem Kaukausus, Nebel im TV

Ein gewesenes, weil geschiedenes Ehepaar, lebt noch unter einem Dach. Eines Tages kommt der Ex auf die Idee, den ehelichen Zustand wieder herzustellen. Er greift sich eine Baseballkeule marschiert in die erste Etage, wo seine Geschiedene lebt und schlägt sie zusammen. "Schön, dass wir mal darüber geredet haben", sagt er, während sich die Ex in ihrem Blute wälzt. "Wir haben damit einen Neuanfang gemacht für die Fortsetzung unseres gemeinsamen Lebens", fasst er die Aktion zusammen. Dem Nachbarn, der die Prügelei mitbekommen hat und der sich der bedrängten Frau verpflichtet fühlt, greift ein. Er haut dem Ehemann nicht nur eine mächtig aufs Maul, schrettert nicht nur dessen Keule, sondern trifft auch alle notwendigen Vorkehrungen gegen Wiederholungen.
Der Nachbar ist Rußland, der Schläger heißt Saakaschwili. Und der alarmiert im Stile eines mehr oder weniger Geistesgestörten (im Forum von "Der Standard" (Wien) tauchten schon in der Frühphase der Auseinandersetzung Auszüge eines psycholgischen Gutachtens zu Saakaschwili auf.) seine besten Freunde in den USA und Westeuropa und forderte: Macht Rußland fertig! Die Amerikaner lauthalsen einige Male, dann war´s das schon. Die Westeuropäer möchten schon gerne mal die Russen fertig machen (ein wirklich alter Wunsch). Schließlich haben sie in den vergangenen Jahren eben deshalb wortbrüchig die NATO immer weiter nach Osten ausgedehnt und Russland nahezu lückenlos eingekreist. Aber um Rußland tatsächlich so oder so mal bestrafen zu können, muß man zunächst einmal die ganze Geschichte neu ordnen. Für diesen Part haben wir in Deutschland die Mainstream-Medien, allen voran die vom Zuschauer finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien. Die sind geübt in Verdrehungen aller Art (Erinnern Sie sich noch an Peking 2008? ARD und ZDF delegierten über 700 Mitarbeiter zur Olympia-Berichterstattung nach China und gaben nach Angaben eines Vertreters der privaten Rundfunk- und Fernsehanbieter geschätzt 40 Millionen Euro Gebührengelder aus, um in "täglich 40 Stunden Olympia-Fernsehen" (Eigenwerbung ARD) berichten zu können, dass die deutschen Olympia-Recken nicht gerade häufig einen Sack Reis umgerissen haben dort.). Wenn man also den Mainstream-Medien glaubt, dann war das ganz anders im Haus Georgien: Der Nachbar habe angefangen, habe die Frau in den Schwingkreis der Keule des sich wehrenden Ehemanns geschubst. Genau so wars! Dafür muss der nun bestraft werden. Bloß wie? Der Nachbar ist relativ groß, hat Öl und Gas in Massen und ein neues Selbstbewußtsein. Auf Öl und Gas ist man angewiesen. Und dann ist Rußland ein Riesenmarkt. Eine nicht hinreichend begründete Bestrafung könnte sowohl den Markt als auch das Gas und das Öl gefährden. Also schickt man wieder "700 Leute" los, die dem Medienkonsumenten die wirkliche Lage erklären müssen, ob sie wollen oder nicht (siehe auch "Muss man Deutschland von Olympia ausschließen?" in diesem Blog). Der letzte (untaugliche) Versuch wurde dieser Tage gestartet mit einem Interview der ARD mit dem russischen Ministerpräsidenten W. Putin. Das dauerte nach offizielle Angaben 27 Minuten, ausgestrahlt wurden zehn Minuten - unter Weglassung all der Rede-Passagen Putins, die die russische Position und die Gründe für die Notwendigkeit des russischen Eingreifens in Georgien begründeten.
Das hat Meister Göbbels schon sinngemäß so schön gesagt. Man müsse nicht unbedingt lügen, man müsse nur geschickt auswählen, was die anderen wissen sollen. Und wenn man schon lügen müsse, genügt es, die Lüge lange genug zu wiederholen, bis sie als Wahrheit anerkannt werde.

8.19.2008

Vom System auserwählt

Google ist dämlich. Nein, nicht die Menschen, die da arbeiten, sondern das System Google. Weil die Beiträge über Tibet die bislang höchsten Zugriffswerte der letzten Wochen erzielte, meinte das System, das dem Blog Werbung zuordnet, das zum meistabgefragten Begriff "Tibet" am besten "Tibet" zugeordnet werden kann. Das Ergebnis sehen Sie/seht ihr halbrechts unten unter dem Stichwort "Tibetfahnen".

Hörbücher, Hörbriefe?

Es war eine der sogenannten netten Zufälle. Beim Googeln habe ich eine alte Freundin wiedergefunden. Vor mehr als zwei Dutzend Jahren haben wir uns - warum auch immer - aus den Augen verloren. Ich habe mich über den Zufalls(Fund) gefreut und ihr eine Mail geschrieben. Sie hat mir prompt geantwortet, dass auch sie sich freue. Und weiter schrieb sie, dass wir unbedingt mal miteinander telefonieren sollten. Da fiel es mir wieder ein: Sie hat damals herrliche Briefe geschrieben. Die Briefe dufteten, die Schriftbild war einnehmend, der Stil leichthändig - und man konnte den Brief auch schon mal unters Kopfkissen legen. Klar dauerte die postalische Kommunikation länger als das billige und immer verfügbare Telefon heute. Ich will sagen, es tut mir einfach leid, das wir nicht mehr schreiben. So wie es mir leid tut, dass wir heute zudem auch immer weniger lesen. Bücher beispielsweise. Bücher werden heute "gehört". Nun gut, viele Stücke sogenannter Gegenwartsliteratur wäre ohnehin nicht das Papier wert, auf das es gedruckt werden könnte.
Aber weiter im Text: Man sagt uns, das sei eben der Zug der Zeit, eine Folge der Modernisierung der Gesellschaften. Ich glaube nicht an derlei Begründungen. Vielleicht ist es vielmehr so, dass uns die Bücherwirtschaft, die zunehmend auf dem gedruckten literarischen Mittelmaß sitzenbleibt, nur ein Stöckchen hinhält, damit wir drübersprigen und genau vor der zum Hörbuch mutierten Mittelmäßigkeit aufschlagen und sagen "na ja gut, da nehm ich halt eins".
Ich werde sie bitten, mir zu schreiben. So viel Zeit muß sein.

8.08.2008

Muss man Deutschland von Olympia ausschließen?

Burkhard Schröder befasst sich heute auf "telepolis" mit dem Thema "Die Kunst des Zensurvergleichs". Ausgangspunkt für seinen Beitrag war die Äußerung Michael Vespers, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, zum Thema Internetzensur in China in einem ARD-Morgenmagazin-Beitrag. Vespers Bemerkung lautete: "In jedem Land der Welt, auch in der Bundesrepublik Deutschland, werden Internet-Seiten gesperrt. Bei uns sind es rechtradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich, das ist auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden. Es muss aber der freie Zugang zu allen wichtigen Informationen, die Journalisten brauchen, um ihre Arbeit zu tun, muss gewährleistet sein". Und nun schreien alle Rechtskonservativen und "Ordnungs"politiker mal wieder Zeter und Mordio.
War da aber nicht noch was? Haben insbesondere deutsche Medien sich in den vergangenen vier Wochen nicht mit Feuereifer mit der eher theoretischen Frage beschäftigt, ob man China nicht doch noch die Olympischen Spiele entziehen könnte oder ob es wegen der dort herrschenden Zensur nicht wenigstens ein Fehler war, sie nach dort zu vergeben. Aus dem gleichen Grunde könnte man natürlich auch darüber diskutieren, ob Deutschland noch immer - wegen der Behinderung der Meinungsfreiheit - reif ist für die Bewerbung künftiger sportlicher Großereignisse.
"Die 1948 verabschiedete UN-Menschenrechtscharta statuiert als Vorgabe des internationalen Völkerrechts: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung“, dies schließt die Freiheit ein, „über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Die UN-Charta schränkt diese Freiheit allerdings ein, soweit dadurch die Rechte anderer oder „der Schutz der nationalen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung, der Volksgesundheit oder der öffentlichen Sittlichkeit“ verletzt würden. Dass die Ausübung von Freiheitsrechten nicht unverhältnismäßig in die Grundrechte anderer eingreifen dürfe (zum Beispiel durch „freien“ Rufmord) und der Staat auch der Meinungsfreiheit durch „allgemeine Gesetze“ beispielsweise „zum Schutze der Jugend“ Schranken setzen darf, steht wiederum im Artikel 5 des Grundgesetzes und ergibt sich aus dem weiteren Verfassungsrecht". Tagesspiegel vom 8. August 2008

Da meldet beispielsweise die "Zeit" am 04.08.2008:
Peking−Korrespondent ausgewechselt
Der Journalist Dieter Hennig wird nicht mehr für den Sport−Informationsdienst berichten. Seine Meldungen waren zuletzt auffällig chinafreundlich.

Da wäre zunächst die Frage, was chinafreundlich ist? Und, ob "Chinafreundlichkeit" ein Verstoß gegen die UN-Charta darstellt. Oder ob die chinafreundlichen Äußerungen (sofern die Äußerungen Hennigs das überhaupt waren) nicht letztendlich gedeckt sind von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung - wie bei Michael Vesper auch. Natürlich sperrt man in Deutschland Vesper oder Hennig nicht ein wegen ihrer abweichenden Meinung. Man entzieht bloß mal en passant den Deliquenten (bei Vesper müssen wir das noch abwarten) die gewohnten Lebensgrundlagen. Besieht man sich in dieser Beziehung die Entwicklung in Deutschland rückwärts, entdeckt man auf dem blanken deutschen Schild der Meinungsfreiheit immer mehr "Fliegenschisse". Da wäre beispielsweise noch der Fall Ullrich Tilgner. Ulrich Tilgner hatte Anfang 2008 für Aufregung gesorgt, als er ankündigte, nicht mehr als Korrespondent für das ZDF arbeiten zu wollen. Dort sei er nur noch für "journalistische Folklore" zuständig gewesen und die Redaktion zu Hause habe (vorzensorischen?) Druck ausgeübt, wie Geschichten aussehen müssten. Wäre Tilgner nicht selbst gegangen, wäre ihm vermutlich das Schicksal Hennigs nicht erspart geblieben. Über kurz oder lang hätte man ihm möglichwerweise "Nahostfreundlichkeit" vorgeworfen.
Den Tilgnerschen Vorwürfen gegen seinen Arbeitgeber haben sich in der Folgezeit andere prominente Korrespondeten angeschlossen. Alexander von Sobeck beispielsweise, der das ZDF-Büro in Paris leitete, will erkannt haben, dass das ZDF "immer stärker mit der privaten Konkurrenz mitschwimme". Balkan-Korrespondent Prömpers wähnt sich inzwischen schon bei der "'Bild'-Zeitung des Fernsehens" und verweist auf darauf, schon Anweisungen wie diese erhalten zu haben: "Mach mal was über die Wahl in Bulgarien - aber ohne die Politiker. Die kennt ja sowieso kein Mensch." ARD-Sonderkorrespondent Thomas Marowski sagte, er müsse inzwischen häufig mit Redakteuren diskutieren, wie die Wirklichkeit sei". Die Redaktion würden ihm dann anderslautende Meldungen entgegenhalten. Das nehme inzwischen "erschreckende Ausmaße" an.
Geht man noch ein paar Jahre zurück, gibt es gleich mehrere andere deutliche Beispiele für die Unterbindung der Meinungfreiheit mit dem Mittel des "Liebesentzuges". Autoren wie Matthias Brökers, Gerhard Wisnewski und Andreas v. Bülow. Sie haben sich intensiv mit den Ereignissen um den 11. September 2001 beschäftigt und die offizielle Darstellung der Ereignisse durch die Bush-Administration in Zweifel gezogen. Das Ergebnis: Sie wurden aus ihren Anstellungsverhältnissen entfernt, danach als "Verschwörungstheoretiker" und Spinner herabgewürdigt und beruflich ins Abseits gedrängt.
Sollte sich Deutschland also wirklich für ein kommendes sportliches Großereignis bewerben?

5.21.2008

Das Dalai Lama

Es muss 2000 gewesen sein oder um 2000 herum, da bekam unser Heimattierpark ein Lama von irgendwoher. Zwar konnte niemand so recht sagen, wozu wir im Heimattierpark ein Lama brauchten, aber es war nun mal da. Und darum sollte die Suche nach einem passenden Namen gestartet werden, einigte man sich im für den Tierpark verantwortlichen städtischen Gremium. Da meldete sich unser etwas ketzerischer Tierparkdirektor zu Wort und schlug vor: "Nennen wir es doch einfach Dalai Lama!". Seit dem Tag hatte der Herr Direktor zwei neue Gegner im Gremium, einen Allgemein-Esoteriker und einen speziellen, dem Vajrayana-Buddhismus anhängenden und den Dalai Lama verehrenden Kleinbürger. Warum ich das erzähle?
"Zwischen drei- und fünfhunderttausend Anhänger soll der Buddhismus seit Anfang der 1990er Jahre allein im deutschsprachigen Raum gefunden haben. Vor allem in ihrer tibetischen Variante scheint die »Lehre des Buddha« dem aktuellen Zeitgeist sehr zu entsprechen: Die Zahl der Sympathisanten für den sogenannten Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, geht in die Millionen. Wesentlicher Grund hierfür ist die Dauerpräsenz »Seiner Heiligkeit« in den Boulevard- und Yellow-Press-Medien, über die das Interesse an »östlicher Spiritualität« bedient und ständig erweitert wird. Vor allem innerhalb der Esoterik- und Psychoszene gilt tibetischer Buddhismus bzw. das, was man davon weiß oder dafür hält, als übergeordnete »spirituelle Leitlinie«. Ernsthafte Auseinandersetzung gibt es in dieser Szene freilich nicht, die oberflächliche Kenntnis von ein paar Begriffen und ein »Gefühl« für die Sache reichen völlig aus, sich »zugehörig« vorzukommen. Vielfach versteht man sich dann schon als »engagierter Buddhist«, wenn man einen »Free-Tibet«-Aufkleber auf dem Kofferraumdeckel spazierenfährt", schreibt Colin Goldner (Autor des Standardwerkes »Dalai Lama: Fall eines Gottkönigs«, das Ende April in aktualisierter und erweiterter Neuauflage im Alibri-Verlag Aschaffenburg erschien) in der "Junge Welt". Ein historisch-politischer Blick auf Tibet ist unter diesen Voraussetzungen sowohl unserem Kleinbürger als auch den Esoterik-Schwärmern und - wie sie mein Kollege Burkhard "Burks" Schröder nennen würde - Verehrer höherer Wesen sozusagen a priori verstellt. Dann gibt es noch eine weitere recht einflussreiche Gruppe der "Freunde Tibets". Jedenfalls geben sie ich regelmäßig dafür aus, wenn es gegen China geht. Denn China war schon immer etwas grausiges, die "Gelbe Gefahr" früher, dann die "Rote Gefahr" über ein halbes Jahrhundert hinweg und jetzt vermutlich die "Gelb-Rote Gefahr" oder die "Orangene" möglicherweise. Beide Gruppen sind nicht willens, "die Welt so zu sehen, wie sie ist - ohne vorgefasste Schrullen" (Friedrich Engels).
Der Kampf der Hobby-Tibetologen
"Ach, wären wir doch bereit, zu allen uns angedienten „Informationen" die Gegenpositionen zu suchen, nachzufragen statt mit dem Kopf zu nicken! Wären wir doch bereit, Quellen zu prüfen, bevor wir uns ihrer bedienen, zu zweifeln und Zweifel zu wecken! Wären wir doch nur bereit, keinesfalls den eigenen Irrtum auszuschließen!"Volker Bräutigam

Doch zurück zu Colin Goldner: "Die moderne Geschichtsschreibung weiß indes längst, daß Tibet bis zur Invasion der Chinesen keineswegs die paradiesische Gesellschaft war, die der Dalai Lama ständig beschwört. Für die große Masse der Bevölkerung war das »alte Tibet« tatsächlich eben jene »Hölle auf Erden«, von der in der chinesischen Propaganda immer die Rede ist; das tibetische Volk aus diesem Elend zu befreien, wurde beim Einmarsch von 1950 als Legitimation und revolutionäre Verpflichtung angesehen. Die herrschende Mönchselite beutete Land und Menschen mit Hilfe eines weitverzweigten Netzes von Klostereinrichtungen und monastischen Zwingburgen gnadenlos aus. Der relativ kleinen Ausbeuterschicht – ein bis eineinhalb Prozent – stand die Mehrheit der Bevölkerung als »Leibeigene« beziehungsweise »unfreie Bauern« gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, drückten sie unter die Möglichkeit menschenwürdiger Existenz. Bitterste Armut und Hunger durchherrschten den Alltag in Tibet. Es gab außerhalb der Klöster keinerlei Bildungs-, Gesundheits- oder Hygieneeinrichtungen. Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände wurden erklärt und gerechtfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge das gegenwärtige Leben sich allemal als Ergebnis angesammelten Verdienstes respektive aufgehäufter Schuld früherer Leben darstelle. Das tibetische Strafrecht zeichnete sich durch extreme Grausamkeit aus. Zu den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen."
Wer interessiert ist, die Wirklichkeit zu erkennen jenseits der Verklärung, dem ist ein Beitrag des ARD-Magazins "Panorama" zu empfehlen. Er stammt aus dem Jahre 1997 und ist im Sendungsarchiv von Panorama zu finden.
Und was ist mit dem Dalai Lama? Ist der schon wieder weg oder immer noch in Hessen?.

5.15.2008

Der Dalai Lama, "Buratino" und andere Lügner

Schon aufgefallen? China ist raus aus den Negativschlagzeilen der deutschen Medien. Das Wunder bewirkt hat die Erdbebenkatastrophe in Südchina. Die kam den deutschen politischen Weichenstellern nun wirklich zupass. Wochenlang hat man sich angesichts der Ereignisse in Tibet verbal auf alles chinesische scharf eingeschossen. Selbst die dümmlichste Behauptung, etwa die des Dalai Lama vom "kulturellen Völkermord" Chinas an den Tibetern, wurde fleißig kolportiert und kommentiert. Und es war den Medien von der Foto-Fälschung bis zur Falschaussage jedes Mittel recht, wenn es China belasten könnte.
Dabei hätte jeder, der es denn hätte erkennen wollen auch hätte erkennen können, dass es sich bei den "friedlichen Protesten" in Tibet um eine lang und gründlich vorbereitete Provokation von Exil-Tibetern in Verbindung mit dem später "prügelnden Rotkutten-Mob" handelte. Das Störmanöver im Vorfeld der olympischen Spiele sollte China weltweit diskreditieren. Freilich soll der Dalai Lama gesagt haben, er sei ausschließlich für gewaltfreien Protest. hStimmt das aber auch? Oder ist das wieder nur eine seiner nicht ungeschickten formulierten Schutzbehauptungen?
Antikommunismus - wer ihn auch praktiziert - verhält sich eben so. Die vermeintliche kommunistische Fliege an der Wand muss breit geschlagen werden - wenigstens mit Worten wenn es schon anders (militärisch oder wirtschaftlich?) bedauerlicherweise nicht geht. Da saßen die deutschen Medien in der selbst aufgebauten antichinesischen Falle und die Wirtschaft grummelte über so viel wirtschaftliche Interessen gefährdende Dummheit. Und so war die Erdbebenkatastrophe herzlichst willkommen. Uff! Ohne "Gesichtsverlust dank eines gewaltigen Erdbebens grade mal noch die von der Wirtschaft angemahnte Kurve gekriegt. Seitdem gibt es kaum noch kritische Anmerkungen. Der Tenor: Chinas Führung geht mit der Katastrophe offen wie nie um. China hat die Katastrophe im Griff und sogar das Militär heißt neuerdings ganz oft "Chinas Volksbefreiungsarmee".
Bloß - wo einer gewinnt, verliert auch einer! Und wer ist das? Der Dalai Lama natürlich. Obwohl er konsequent gegen seiner eigene Weisheit: "Gehe immer dahin, wo du noch nicht warst" verstoßend, sich wieder mal selbst zum zigtsen Male nach Deutschland eingeladen hat, wird ihn diesmal kein führender Bundespolitiker eine Sprechblasenbühne bieten. Die Kanzlerin ist unterwegs, Steinmeier auch und die übrigen winken ab. Was übrigens die Spitze der heuchlerischen Politik gegenüber dem Dalai Lama und dem Tibetischen Volk ist. Andererseits ist klar: Di Dalai-Lama-Kartoffel ist momentan zu heiß. Und darum muss er sich halt mit zuverlässigsten Freuden in der dritten politischen Reihe zufrieden geben: Koch und Rüttgers. Das Zusammentreffen der drei sollte sollte stutzig machen. Treffen sich da nicht mindestens zwei ausgemachte Lügner? Roland "Buratino" Koch, der Geldverstecker und brutalstmögliche Aufklärer und der Dalai Lama, der den Chinesen einen kulturellen Genozid unterjubeln möchte!
Ach ja und die deutschen Medien. Sie waren in China nicht Berichterstatter über den tibetischen Aufruhr sondern Teil der großangelegten Provokation. Vorsätzlich oder mißbraucht.