8.19.2008

Vom System auserwählt

Google ist dämlich. Nein, nicht die Menschen, die da arbeiten, sondern das System Google. Weil die Beiträge über Tibet die bislang höchsten Zugriffswerte der letzten Wochen erzielte, meinte das System, das dem Blog Werbung zuordnet, das zum meistabgefragten Begriff "Tibet" am besten "Tibet" zugeordnet werden kann. Das Ergebnis sehen Sie/seht ihr halbrechts unten unter dem Stichwort "Tibetfahnen".

Hörbücher, Hörbriefe?

Es war eine der sogenannten netten Zufälle. Beim Googeln habe ich eine alte Freundin wiedergefunden. Vor mehr als zwei Dutzend Jahren haben wir uns - warum auch immer - aus den Augen verloren. Ich habe mich über den Zufalls(Fund) gefreut und ihr eine Mail geschrieben. Sie hat mir prompt geantwortet, dass auch sie sich freue. Und weiter schrieb sie, dass wir unbedingt mal miteinander telefonieren sollten. Da fiel es mir wieder ein: Sie hat damals herrliche Briefe geschrieben. Die Briefe dufteten, die Schriftbild war einnehmend, der Stil leichthändig - und man konnte den Brief auch schon mal unters Kopfkissen legen. Klar dauerte die postalische Kommunikation länger als das billige und immer verfügbare Telefon heute. Ich will sagen, es tut mir einfach leid, das wir nicht mehr schreiben. So wie es mir leid tut, dass wir heute zudem auch immer weniger lesen. Bücher beispielsweise. Bücher werden heute "gehört". Nun gut, viele Stücke sogenannter Gegenwartsliteratur wäre ohnehin nicht das Papier wert, auf das es gedruckt werden könnte.
Aber weiter im Text: Man sagt uns, das sei eben der Zug der Zeit, eine Folge der Modernisierung der Gesellschaften. Ich glaube nicht an derlei Begründungen. Vielleicht ist es vielmehr so, dass uns die Bücherwirtschaft, die zunehmend auf dem gedruckten literarischen Mittelmaß sitzenbleibt, nur ein Stöckchen hinhält, damit wir drübersprigen und genau vor der zum Hörbuch mutierten Mittelmäßigkeit aufschlagen und sagen "na ja gut, da nehm ich halt eins".
Ich werde sie bitten, mir zu schreiben. So viel Zeit muß sein.

8.08.2008

Muss man Deutschland von Olympia ausschließen?

Burkhard Schröder befasst sich heute auf "telepolis" mit dem Thema "Die Kunst des Zensurvergleichs". Ausgangspunkt für seinen Beitrag war die Äußerung Michael Vespers, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, zum Thema Internetzensur in China in einem ARD-Morgenmagazin-Beitrag. Vespers Bemerkung lautete: "In jedem Land der Welt, auch in der Bundesrepublik Deutschland, werden Internet-Seiten gesperrt. Bei uns sind es rechtradikale Seiten, die gesperrt werden. Und es ist natürlich, das ist auch in China so, dass einzelne Seiten gesperrt werden. Es muss aber der freie Zugang zu allen wichtigen Informationen, die Journalisten brauchen, um ihre Arbeit zu tun, muss gewährleistet sein". Und nun schreien alle Rechtskonservativen und "Ordnungs"politiker mal wieder Zeter und Mordio.
War da aber nicht noch was? Haben insbesondere deutsche Medien sich in den vergangenen vier Wochen nicht mit Feuereifer mit der eher theoretischen Frage beschäftigt, ob man China nicht doch noch die Olympischen Spiele entziehen könnte oder ob es wegen der dort herrschenden Zensur nicht wenigstens ein Fehler war, sie nach dort zu vergeben. Aus dem gleichen Grunde könnte man natürlich auch darüber diskutieren, ob Deutschland noch immer - wegen der Behinderung der Meinungsfreiheit - reif ist für die Bewerbung künftiger sportlicher Großereignisse.
"Die 1948 verabschiedete UN-Menschenrechtscharta statuiert als Vorgabe des internationalen Völkerrechts: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung“, dies schließt die Freiheit ein, „über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Die UN-Charta schränkt diese Freiheit allerdings ein, soweit dadurch die Rechte anderer oder „der Schutz der nationalen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung, der Volksgesundheit oder der öffentlichen Sittlichkeit“ verletzt würden. Dass die Ausübung von Freiheitsrechten nicht unverhältnismäßig in die Grundrechte anderer eingreifen dürfe (zum Beispiel durch „freien“ Rufmord) und der Staat auch der Meinungsfreiheit durch „allgemeine Gesetze“ beispielsweise „zum Schutze der Jugend“ Schranken setzen darf, steht wiederum im Artikel 5 des Grundgesetzes und ergibt sich aus dem weiteren Verfassungsrecht". Tagesspiegel vom 8. August 2008

Da meldet beispielsweise die "Zeit" am 04.08.2008:
Peking−Korrespondent ausgewechselt
Der Journalist Dieter Hennig wird nicht mehr für den Sport−Informationsdienst berichten. Seine Meldungen waren zuletzt auffällig chinafreundlich.

Da wäre zunächst die Frage, was chinafreundlich ist? Und, ob "Chinafreundlichkeit" ein Verstoß gegen die UN-Charta darstellt. Oder ob die chinafreundlichen Äußerungen (sofern die Äußerungen Hennigs das überhaupt waren) nicht letztendlich gedeckt sind von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung - wie bei Michael Vesper auch. Natürlich sperrt man in Deutschland Vesper oder Hennig nicht ein wegen ihrer abweichenden Meinung. Man entzieht bloß mal en passant den Deliquenten (bei Vesper müssen wir das noch abwarten) die gewohnten Lebensgrundlagen. Besieht man sich in dieser Beziehung die Entwicklung in Deutschland rückwärts, entdeckt man auf dem blanken deutschen Schild der Meinungsfreiheit immer mehr "Fliegenschisse". Da wäre beispielsweise noch der Fall Ullrich Tilgner. Ulrich Tilgner hatte Anfang 2008 für Aufregung gesorgt, als er ankündigte, nicht mehr als Korrespondent für das ZDF arbeiten zu wollen. Dort sei er nur noch für "journalistische Folklore" zuständig gewesen und die Redaktion zu Hause habe (vorzensorischen?) Druck ausgeübt, wie Geschichten aussehen müssten. Wäre Tilgner nicht selbst gegangen, wäre ihm vermutlich das Schicksal Hennigs nicht erspart geblieben. Über kurz oder lang hätte man ihm möglichwerweise "Nahostfreundlichkeit" vorgeworfen.
Den Tilgnerschen Vorwürfen gegen seinen Arbeitgeber haben sich in der Folgezeit andere prominente Korrespondeten angeschlossen. Alexander von Sobeck beispielsweise, der das ZDF-Büro in Paris leitete, will erkannt haben, dass das ZDF "immer stärker mit der privaten Konkurrenz mitschwimme". Balkan-Korrespondent Prömpers wähnt sich inzwischen schon bei der "'Bild'-Zeitung des Fernsehens" und verweist auf darauf, schon Anweisungen wie diese erhalten zu haben: "Mach mal was über die Wahl in Bulgarien - aber ohne die Politiker. Die kennt ja sowieso kein Mensch." ARD-Sonderkorrespondent Thomas Marowski sagte, er müsse inzwischen häufig mit Redakteuren diskutieren, wie die Wirklichkeit sei". Die Redaktion würden ihm dann anderslautende Meldungen entgegenhalten. Das nehme inzwischen "erschreckende Ausmaße" an.
Geht man noch ein paar Jahre zurück, gibt es gleich mehrere andere deutliche Beispiele für die Unterbindung der Meinungfreiheit mit dem Mittel des "Liebesentzuges". Autoren wie Matthias Brökers, Gerhard Wisnewski und Andreas v. Bülow. Sie haben sich intensiv mit den Ereignissen um den 11. September 2001 beschäftigt und die offizielle Darstellung der Ereignisse durch die Bush-Administration in Zweifel gezogen. Das Ergebnis: Sie wurden aus ihren Anstellungsverhältnissen entfernt, danach als "Verschwörungstheoretiker" und Spinner herabgewürdigt und beruflich ins Abseits gedrängt.
Sollte sich Deutschland also wirklich für ein kommendes sportliches Großereignis bewerben?

5.21.2008

Das Dalai Lama

Es muss 2000 gewesen sein oder um 2000 herum, da bekam unser Heimattierpark ein Lama von irgendwoher. Zwar konnte niemand so recht sagen, wozu wir im Heimattierpark ein Lama brauchten, aber es war nun mal da. Und darum sollte die Suche nach einem passenden Namen gestartet werden, einigte man sich im für den Tierpark verantwortlichen städtischen Gremium. Da meldete sich unser etwas ketzerischer Tierparkdirektor zu Wort und schlug vor: "Nennen wir es doch einfach Dalai Lama!". Seit dem Tag hatte der Herr Direktor zwei neue Gegner im Gremium, einen Allgemein-Esoteriker und einen speziellen, dem Vajrayana-Buddhismus anhängenden und den Dalai Lama verehrenden Kleinbürger. Warum ich das erzähle?
"Zwischen drei- und fünfhunderttausend Anhänger soll der Buddhismus seit Anfang der 1990er Jahre allein im deutschsprachigen Raum gefunden haben. Vor allem in ihrer tibetischen Variante scheint die »Lehre des Buddha« dem aktuellen Zeitgeist sehr zu entsprechen: Die Zahl der Sympathisanten für den sogenannten Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, geht in die Millionen. Wesentlicher Grund hierfür ist die Dauerpräsenz »Seiner Heiligkeit« in den Boulevard- und Yellow-Press-Medien, über die das Interesse an »östlicher Spiritualität« bedient und ständig erweitert wird. Vor allem innerhalb der Esoterik- und Psychoszene gilt tibetischer Buddhismus bzw. das, was man davon weiß oder dafür hält, als übergeordnete »spirituelle Leitlinie«. Ernsthafte Auseinandersetzung gibt es in dieser Szene freilich nicht, die oberflächliche Kenntnis von ein paar Begriffen und ein »Gefühl« für die Sache reichen völlig aus, sich »zugehörig« vorzukommen. Vielfach versteht man sich dann schon als »engagierter Buddhist«, wenn man einen »Free-Tibet«-Aufkleber auf dem Kofferraumdeckel spazierenfährt", schreibt Colin Goldner (Autor des Standardwerkes »Dalai Lama: Fall eines Gottkönigs«, das Ende April in aktualisierter und erweiterter Neuauflage im Alibri-Verlag Aschaffenburg erschien) in der "Junge Welt". Ein historisch-politischer Blick auf Tibet ist unter diesen Voraussetzungen sowohl unserem Kleinbürger als auch den Esoterik-Schwärmern und - wie sie mein Kollege Burkhard "Burks" Schröder nennen würde - Verehrer höherer Wesen sozusagen a priori verstellt. Dann gibt es noch eine weitere recht einflussreiche Gruppe der "Freunde Tibets". Jedenfalls geben sie ich regelmäßig dafür aus, wenn es gegen China geht. Denn China war schon immer etwas grausiges, die "Gelbe Gefahr" früher, dann die "Rote Gefahr" über ein halbes Jahrhundert hinweg und jetzt vermutlich die "Gelb-Rote Gefahr" oder die "Orangene" möglicherweise. Beide Gruppen sind nicht willens, "die Welt so zu sehen, wie sie ist - ohne vorgefasste Schrullen" (Friedrich Engels).
Der Kampf der Hobby-Tibetologen
"Ach, wären wir doch bereit, zu allen uns angedienten „Informationen" die Gegenpositionen zu suchen, nachzufragen statt mit dem Kopf zu nicken! Wären wir doch bereit, Quellen zu prüfen, bevor wir uns ihrer bedienen, zu zweifeln und Zweifel zu wecken! Wären wir doch nur bereit, keinesfalls den eigenen Irrtum auszuschließen!"Volker Bräutigam

Doch zurück zu Colin Goldner: "Die moderne Geschichtsschreibung weiß indes längst, daß Tibet bis zur Invasion der Chinesen keineswegs die paradiesische Gesellschaft war, die der Dalai Lama ständig beschwört. Für die große Masse der Bevölkerung war das »alte Tibet« tatsächlich eben jene »Hölle auf Erden«, von der in der chinesischen Propaganda immer die Rede ist; das tibetische Volk aus diesem Elend zu befreien, wurde beim Einmarsch von 1950 als Legitimation und revolutionäre Verpflichtung angesehen. Die herrschende Mönchselite beutete Land und Menschen mit Hilfe eines weitverzweigten Netzes von Klostereinrichtungen und monastischen Zwingburgen gnadenlos aus. Der relativ kleinen Ausbeuterschicht – ein bis eineinhalb Prozent – stand die Mehrheit der Bevölkerung als »Leibeigene« beziehungsweise »unfreie Bauern« gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, drückten sie unter die Möglichkeit menschenwürdiger Existenz. Bitterste Armut und Hunger durchherrschten den Alltag in Tibet. Es gab außerhalb der Klöster keinerlei Bildungs-, Gesundheits- oder Hygieneeinrichtungen. Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände wurden erklärt und gerechtfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge das gegenwärtige Leben sich allemal als Ergebnis angesammelten Verdienstes respektive aufgehäufter Schuld früherer Leben darstelle. Das tibetische Strafrecht zeichnete sich durch extreme Grausamkeit aus. Zu den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen."
Wer interessiert ist, die Wirklichkeit zu erkennen jenseits der Verklärung, dem ist ein Beitrag des ARD-Magazins "Panorama" zu empfehlen. Er stammt aus dem Jahre 1997 und ist im Sendungsarchiv von Panorama zu finden.
Und was ist mit dem Dalai Lama? Ist der schon wieder weg oder immer noch in Hessen?.

5.15.2008

Der Dalai Lama, "Buratino" und andere Lügner

Schon aufgefallen? China ist raus aus den Negativschlagzeilen der deutschen Medien. Das Wunder bewirkt hat die Erdbebenkatastrophe in Südchina. Die kam den deutschen politischen Weichenstellern nun wirklich zupass. Wochenlang hat man sich angesichts der Ereignisse in Tibet verbal auf alles chinesische scharf eingeschossen. Selbst die dümmlichste Behauptung, etwa die des Dalai Lama vom "kulturellen Völkermord" Chinas an den Tibetern, wurde fleißig kolportiert und kommentiert. Und es war den Medien von der Foto-Fälschung bis zur Falschaussage jedes Mittel recht, wenn es China belasten könnte.
Dabei hätte jeder, der es denn hätte erkennen wollen auch hätte erkennen können, dass es sich bei den "friedlichen Protesten" in Tibet um eine lang und gründlich vorbereitete Provokation von Exil-Tibetern in Verbindung mit dem später "prügelnden Rotkutten-Mob" handelte. Das Störmanöver im Vorfeld der olympischen Spiele sollte China weltweit diskreditieren. Freilich soll der Dalai Lama gesagt haben, er sei ausschließlich für gewaltfreien Protest. hStimmt das aber auch? Oder ist das wieder nur eine seiner nicht ungeschickten formulierten Schutzbehauptungen?
Antikommunismus - wer ihn auch praktiziert - verhält sich eben so. Die vermeintliche kommunistische Fliege an der Wand muss breit geschlagen werden - wenigstens mit Worten wenn es schon anders (militärisch oder wirtschaftlich?) bedauerlicherweise nicht geht. Da saßen die deutschen Medien in der selbst aufgebauten antichinesischen Falle und die Wirtschaft grummelte über so viel wirtschaftliche Interessen gefährdende Dummheit. Und so war die Erdbebenkatastrophe herzlichst willkommen. Uff! Ohne "Gesichtsverlust dank eines gewaltigen Erdbebens grade mal noch die von der Wirtschaft angemahnte Kurve gekriegt. Seitdem gibt es kaum noch kritische Anmerkungen. Der Tenor: Chinas Führung geht mit der Katastrophe offen wie nie um. China hat die Katastrophe im Griff und sogar das Militär heißt neuerdings ganz oft "Chinas Volksbefreiungsarmee".
Bloß - wo einer gewinnt, verliert auch einer! Und wer ist das? Der Dalai Lama natürlich. Obwohl er konsequent gegen seiner eigene Weisheit: "Gehe immer dahin, wo du noch nicht warst" verstoßend, sich wieder mal selbst zum zigtsen Male nach Deutschland eingeladen hat, wird ihn diesmal kein führender Bundespolitiker eine Sprechblasenbühne bieten. Die Kanzlerin ist unterwegs, Steinmeier auch und die übrigen winken ab. Was übrigens die Spitze der heuchlerischen Politik gegenüber dem Dalai Lama und dem Tibetischen Volk ist. Andererseits ist klar: Di Dalai-Lama-Kartoffel ist momentan zu heiß. Und darum muss er sich halt mit zuverlässigsten Freuden in der dritten politischen Reihe zufrieden geben: Koch und Rüttgers. Das Zusammentreffen der drei sollte sollte stutzig machen. Treffen sich da nicht mindestens zwei ausgemachte Lügner? Roland "Buratino" Koch, der Geldverstecker und brutalstmögliche Aufklärer und der Dalai Lama, der den Chinesen einen kulturellen Genozid unterjubeln möchte!
Ach ja und die deutschen Medien. Sie waren in China nicht Berichterstatter über den tibetischen Aufruhr sondern Teil der großangelegten Provokation. Vorsätzlich oder mißbraucht.

5.08.2008

Viel Spaß, Mutti!

"Zweimal werden wir noch wach, heissa dann ist Muttertag", freuen sich - sicherlich schon etwas vorfreudefeucht im Schritt - Deutschlands Blumenverkäufer. Das geht nun schon (Achtung Jubiläum!) 85 Jahre so. "In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 (schließlich) durch den Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde dem ersten deutschen Muttertag am 13. Mai 1923 durch den Vorsitzenden des Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet. Ab 1926 wurde die Propagierung des Muttertages an die Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung übertragen, um „Kirche und Schule zu gewinnen und die Regierung dahin zu bringen, den Muttertag am zweiten Sonntag im Mai als offiziellen Feiertag festzulegen“, weiß Wikipedia.
"Ehret die Mutter" also. In Lateinamerika und Afrika vor allem sind rund 200 000 Menschen damit beschäftigt, die Blumen für diesen Tag in Europa anzubauen und zu ernten, rund zwei Drittel davon sind Frauen. Für viele dieser Frauen "bedeutet eine Beschäftigung in der Blumenindustrie oft die einzige Chance auf ein geregeltes Einkommen.
Aus Afrika landeten im Jahr 2006 insgesamt über 3,5 Milliarden Rosen in den Blumengeschäften der EU-Staaten. Weitere knapp 260 Millionen Rosen kamen aus Lateinamerika in die EU.

Allzu häufig sind damit aber miserable Arbeits- und Lebensbedingungen verbunden. Manche der eingesetzten Insektizide, Fungizide, Herbizide oder Bodenschutzmittel sind in der EU oder den USA auf Grund ihrer hohen Giftigkeit verboten. Schutzmaßnahmen bei der Anwendung der Pestizide werden häufig nur unzureichend oder gar nicht eingehalten. Die Folgen sind gesundheitliche Schäden - von Kopfschmerzen und Atembeschwerden bis hin zu Nervenleiden, Fehlgeburten, embryonalen Missbildungen, Organschädigungen und Krebs", informiert "Die Standard" seine Leser.
"Ehret die Mutter" also?

5.04.2008

»Wir feiern Israels Geburtstag nicht«

In der Zeitung The Guardian (30. April 2008, Seite 33) erklärten über 100 prominente britische Juden »Wir feiern Israels Geburtstag nicht«: Im Mai werden jüdische Organisationen den 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel feiern. Im Zusammenhang mit Jahrhunderten der Verfolgung, die im Holocaust gipfelte, ist dies gut zu verstehen. Aber wir sind Juden, die nicht feiern werden. Denn nun ist es an der Zeit, die Erzählung der anderen anzuerkennen, den Preis, den ein anderes Volk für den europäischen Antisemitismus und Hitlers völkermörderische Politik gezahlt hat. Wie Edward Said sagte, was der Holocaust für die Juden, ist die Nakba für die Palästinenser. Im April 1948, dem Monat des schändlichen Massakers von Deir Yassin und des Granatwerfer-Angriffs auf palästinensische Zivilisten auf dem Marktplatz von Haifa, wurde der Plan Dalet umgesetzt. Er sorgte für die Zerstörung palästinensischer Dörfer und die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung außerhalb der Staatsgrenzen. Wir werden nicht feiern.
Im Juli 1948 wurden 70000 Palästinenser bei Sommerhitze ohne Nahrung und Wasser aus ihren Häusern in Lydda und Ramleh vertrieben. Hunderte starben. Dies wurde als Todesmarsch bekannt. Wir werden nicht feiern.
Insgesamt wurden 750000 Palästinenser zu Flüchtlingen. Etwa 400 Dörfer wurden von der Landkarte getilgt. Damit war die ethnische Säuberung noch nicht zu Ende. Tausende Palästinenser (israelische Staatsbürger) wurden 1956 aus Galiläa vertrieben. Und noch viele Tausende mehr, als Israel das Westjordanland und Gaza besetzte. Kriegsflüchtlinge haben nach internationalem Recht und kraft UN-Resolution 194 einen Anspruch auf Rückkehr oder Entschädigung. Israel hat dieses Recht nie anerkannt. Wir werden nicht feiern.
Wir können nicht den Geburtstag eines Staates feiern, der auf Terrorismus, Massakern und der Enteignung des Landes eines anderen Volkes gegründet ist. Wir können nicht den Geburtstag eines Staates feiern, der auch jetzt noch ethnische Säuberungen betreibt, der internationales Recht verletzt, der eine ungeheuerliche Kollektivstrafe über die Zivilbevölkerung von Gaza verhängt und der weiter die Menschenrechte und nationalen Bestrebungen der Palästinenser verneint.
Wir werden feiern, wenn Araber und Juden als Gleiche in einem friedlichen Mittleren Osten leben.
Vollständige Liste der Unterzeichner dieser Erklärung im Guardian
Quelle "Junge Welt", Übersetzung: Klaus von Raussendorff

4.15.2008

Neues aus der Führer-Liga


Oh Mama mia, die haben schon wieder den Benito Berlusconi - äh nee, den Silvio Mussolini gewählt. Die sind die noch dicht, die Italiener! Na ja, jedenfalls sind sie nicht allein nicht ganz dicht.
In Sachsen ist nun auch der Bruder des früheren Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf-Raffke, Georg Milbradt-Raffke zurückgetreten. Der frühere Innenminister-Darsteller Heinz Eggert hat den Rückzug Milbradt-Raffkes bedauert.
"Die Linke" in Niedersachsen hat sich auf ihrem Landesparteitag erst mal richtig selbst gefeiert - wegen des Wahlerfolgs. Und danach beschlossen, keine DKP-Mitglieder mehr auf ihrer offenen Liste kandidieren zu lassen. Wer anderer Meinung sei, mit dem wurde Klartext geredet. So "zielte eine Antrag darauf ab, den Verantwortlichen der Landesspitze für die Nominierung der DKP-Frau (Christel Wegner) »einen scharfen Tadel auszusprechen« – verbunden mit der Aufforderung, »persönliche Konsequenzen zu ziehen«. Dies wurde jedoch von der Mehrheit der 191 Delegierten zurückgewiesen. Lediglich fünf votierten dafür. Scharf kritisiert wurde der antikommunistische Abgrenzungswahn von zwei Sprechern des Jugendverbands Linksjugend [’solid]. Sie beschwerten sich zudem, der Delegierte Reinhard Riedel aus Soltau-Fallingbostel habe Mitglieder des Jugendverbandes fotografiert und wolle sich nach eigenem Bekunden ihre Fotos an die Dartscheibe klemmen. Der ehemalige Berufsschullehrer räumte die verbale Entgleisung ein, beklagte aber im selben Atemzug die Humorlosigkeit der heutigen Jugend", berichtet "Junge Welt". Wie es weiter geht in der niedersächsischen Linken? Zunächst mal mit den Sozialdemokraten kooperieren ( natürlich wollen die), dann koalieren und dann schließlich die Partei endlich wiedervereinigen.
Helmut Kohl hat sich von einem mittelschweren Sturz erholt (ob er sich dabei am Kopf verletzt hat, weiß man nicht genau) und hat nun bekannt gegeben, dass er demnächst wieder heiraten möchte.

4.12.2008

Eine Kuh wie aus dem Ei gepellt


Also, keiner kann sagen, wir wüssten nicht, was Standard ist in der Genforschung. Vor ein paar Tagen lief im ör- Fernsehen ein Film, der schilderte, wie man in den USA Hochleistungsbullen klont und Spitzen-Rennpferde, dass man durchaus Haustiere klonen kann, damit niemand auf den teuren verblichenen Liebling verzichten müsse in naher Zukunft. Und nun kommt die Krönung: "Britische Forscher haben zum ersten Mal Embryonen aus menschlicher DNA und Eizellen von Kühen geschaffen. Die Mischwesen sollen der Grundlagenforschung dienen", meldet die "Süddeutsche". Es hätte funktioniert, die Chimäre hätte man nach drei Tagen vernichtet.
Andererseits hat diese genetische Experiment auch seine guten Seiten. Wenn, sagen wir mal die Omma stirbt und ein klein wenig später der Hund, die Katze oder eben die Kuh, dann muss man nicht zwei Lebewesen klonen lassen, sondern kann (zwei zum Preis für einen Klon) Omma und Kuh in einen Körper basteln. Und das (rechts oben) ist doch wirklich nett oder?

Chuzpe sächsisch *

Als die "Sächsische Zeitung" Dresden vor ein paar Jahren ein neues Redaktionssystem einführte, kaufte sie unter anderem neue Arbeitsplatzrechner für alle Redakteure. Gemäß Murphies Law kam es, wie es kommen musste. Das selbstlernende Korrekturprogramm im CMS war noch recht jungfräulich, wenn es um regionale Begriffe oder Namen ging. Mit dem Namen Milbradt beispielsweise konnte es nichts anfangen. Der war damals Finanzminister in Sachsen, Leitwolf und Stichwortgeber, wenn es um die Sachsen LB ging. In einem Innenseiten-Aufmacher ging es eben um Milbradt. Der zuständige Redakteur musste wohl eine schwache Stunde erwischt oder unter dem üblich hohem Zeitdruck gearbeitet haben. Er jagte das Korrekturprogramm über seine Arbeit, das - wie gesagt - Milbradt nicht kannte, dafür aber den Begriff "Milzbrand". Und so stand eben dann der Beitrag in der Ausgabe des nächsten Tages: "Finanzminister Milzbrand ist der Auffassung, . dazu sagte Georg Milzbrand . ." Warum ich jetzt drauf komme? Hätte man in Sachsen seinerzeit diesen Milzbrand so behandelt, wie man eben einen Milzbrand behandelt, dann wäre den Sachsen viel erspart geblieben. Beispielsweise, dass nach dem Rabatt-Fechter-Ministerpräsidenten "König Kurt" Biedenkopf erneut einer an die Tröte der Macht kommt, der auch wieder nur eine Spur der moralischen Verwüstung hinterlässt - Milzbrand, äh Milbradt eben.
Wie nun durchsickert, hat Milbradt zu seiner Zeit als Finanzminister ein privates Fondsgeschäft (Bau der sächsischen Landesbank in Leipzig) zum Teil mit einem Kredit der Landesbank finanziert. Das Pikante: Milbradt selbst war Chef des Kreditausschusses und hat damit rein formal seinen eigenen Kredit genehmigt. Und: "Dem „Spiegel“ zufolge beteiligte sich Milbradt mit rund 50.000 Euro an dem geschlossenen Immobilienfonds, mit dem im Jahre 1996 der 88 Millionen Euro teure Neubau der Landesbank in Leipzig finanziert wurde. Eine Mietgarantie habe die im Fondsprospekt mit 9,3 Prozent angegebene Rendite gesichert", schreibt die "Welt" . Und es kommt noch besser: Angelika Meeth-Milbradt, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und Ehefrau, hat Dank ihrer guten, weil familiären Beziehungen zur Sachsen LB auch noch zugelangt. "Auch seine Frau bekam Darlehen der Landesbank", um es in (Airbus-)Aktien anzulegen. "Insgesamt erhielten die Milbradts in den neunziger Jahren mehr als 170 000 Euro von der SachsenLB.
Unisono heisst es zu all dem aus der Sachsen-CDU: Alles legal, alles normal! Stimmt, wenn man ein Bundesland als ganz persönliches, allzeit frei verfügbares Fürstentum betrachtet, als Selbstbedienungsladen mit hoher Renditekraft, dann werden aus privaten Insidergeschäften schnell normale Bankgeschäfte, dann ist alles höchst normal, ein gesellschaftspolitischer Milzbrand eben.

*
Chuzpe [xʊtspə] (aus dem jiddischen חוצפה [chùtzpe] von hebräisch חצפה [chuzpà] für „Frechheit, Dreistigkeit, Unverschämtheit“ entlehnt) ist eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.