5.19.2007

Grenzgeschichten

Am 28. Mai 1956 treffen sich nahe Oybin an der CSSR/DDR-Grenze zwei Grenzstreifen. Die deutschen und tschechischen Grenzer plauschen miteinander, tauschen Zigaretten. Dann gehen sie auseinander. Einer der tschechischen Grenzer wirft sich im Weggehen seine MPi über die Schulter. Dabei lösen sich drei Schüsse aus der Waffe, treffen einen der Deutschen in den Oberschenkel. (Der Tscheche wird später verurteilt wegen fahrlässigen Umgang mit einer Waffe). Der deutsche Grenzer kommt ins Krankenhaus. Nach dem Krankenhausaufenthalt bekommt er Genesungsurlaub im sächsischen Königsstein. Dort unternimmt er, um wieder fit zu werden, oft längere Fahrradtouren. Bei einer dieser Touren gerät er in ein Gewitter. An einer Elbbrücke stürzt der Sturm einen Starkstrommast auf das Brückengeländer. Der beurlaubte Grenze kommt in den Windböen mit dem Fahrrad ins Straucheln, greift haltsuchend nach dem Geländer und bekommt einen tödlichen Stromschlag.

5.16.2007

Die ARD, da schau her . . .


Da schau her, die ARD! Da macht sie Online-Umfragen zu allen möglichen Themen und bittet die User, "zu melden", wenn denen bekannt sei oder werde, dass bestimmte Interessengruppen durch gezieltes Voting die Umfrageergebnisse beeinflussen oder präziser gesagt zu verfälschen versuchen. Vermutlich meint die ARD damit Ergebnisse wie die auf die Frage "befürworten Sie die Einführung flächendeckender Mindestlöhne?" Wenn dann 90 Prozent der Umfrageteilnehmer diese Frage mit Ja beantworten, ist das womöglich unangenehm, weil eigentlich diametral entgegengesetzt den eigenen Argumentationen in den Nachrichten oder den allseits beliebten Talks. Man muss im Net immer damit rechnen, dass "bestimmte interessierte Gruppen" sich bevorzugt auf sie am stärksten tangierende Umfragen stürzen, in ihrem Sinne beantworten und womöglich auch beeinflussen möchten. So isser halt, der interessengeleitete Mensch! Nehmen wir mal an, die ARD fragte online "Sind sie dafür, die Mehrwertsteuer für Tiernahrung von sieben auf 19 Prozent zu erhöhen? Das Ergebnis wäre vorhersehbar. Die Masse der nichthaustierbesitzenden User würden die Umfrage a priori ingnorieren, die haustierbesitzenden User würden sich empört gegen dieses Ansinnen wenden und möglicherweise versuchen ihren Gleichgesinntenkreis dafür zu mobilisieren, gegen das hinter der Frage steckende Ansinnen zu stimmen (sehr zur Freude der Tierfuttermafia).
Zu dieser Einsicht hätte die ARD aber auch selbst kommen können. Sie weiss es ja sogar. Wenn die Anstalt dennoch die User zur Denunziation aufruft, stellt sie sich selbst ein nicht unerwartetes Armutszeugnis aus. Denn sie müsste auch wissen, dass solche Umfragen einen Wert gleich Null haben.

5.14.2007

Russland ist stur, der Westen ist was?


Es kriselt zwischen Russland und den USA meldet ein Hermann Krause (ARD) aus Moskau am Tag als US-Außenministerin Rice nach Moskau kam. Er untertreibt, denn es kriselt auch zwischen Russland und der EU oder präziser: Es kriselt zwischen Russland und dem Westen generell. Es kriselt so sehr, dass der deutsche Außenminister Steinmeier sich nach Moskau aufmachen musste, die Wogen zu glätten, die sogar den EU - Russland-Gipfel gefährden könnten. Die Probleme bestehen, argumentiert man, in einer gewissen russischen Halsstarrigkeit und in einem überaus starken Misstrauen gegenüber dem Westen. Das mag stimmen und ist ein altbekanntes Phänomen.
Schon Sir Alexander Cadogan, ehemals hochrangiger Mitarbeiter des britischen Außenministeriums, ereiferte sich gegen Ende des Weltkriegs II: Die Russen "sind von einem fast krankhaften Misstrauen beherrscht", weshalb man im Umgang mit ihnen "unendliche Geduld" aufbringen müsse, "als würden wir glauben, dass sie vernünftige menschliche Wesen seien". Fast im gleichen Moment (1944), als die Sowjet-Russen die Hauptlast des Krieges gegen das faschistische Deutschland trugen, planten die Briten - nachdem die USA die Sowjetunion als nächsten Gegner ausgemacht hatten - unter dem Codenamen "Unthinkable", den Überfall auf die Sowjetunion nach Ende des Krieges. Aufbieten wollte sie nach diesen Plänen hunderttausende britische und amerikanische Soldaten sowie 100.000 wiederbewaffnete Deutsche. Von nordwestlichen Stützpunkten aus, war die Fortsetzung des erprobten Luft-Terrorkrieges nunmehr gegen sowjetische Städte geplant.
Und heute? Condoleeca Rice werde Themen ansprechen, die in Moskau nicht gerne gehört werden, schwanzwedelt Krause. Welche Themen könnten denn das sein? Aktuell sind es a) der geplante Aufbau des US-Raketenschirms in Polen und Tschechien. Natürlich misstraut Russland dem Wort Amerikas, dass es nicht um eine Bedrohung Russlands gehe, sondern um die potenzielle Abwehr möglicher Atomraketenangriffe aus dem Iran und Nordkorea. (über die Begründung hat schon die halbe Welt gelacht). Nicht Russlands Misstrauen ist lächerlich, wie Rice immer wieder süffisant betont, lächerlich sind die USA und Rice mit ihren Begründungen. Russland hat gute Gründe misstrauisch zu sein. Wegen der wortbrüchigen Ausdehnung der Nato nach Osteuropa beispielsweise. In den Verhandlungen über den Rückzug der Sowjetarmee/Russischen Armee aus Ostdeutschland hatte Clinton Russland eben dies zugesichert als Gegenleistung. Wo steht die Nato heute?
Die Amerikaner dürften selbst wissen (ich meine hier nicht jeden Amerikaner, sondern lediglich die politischen Eliten), dass sie versuchen Russland und der Weltöffentlichkeit einen rethorischen Bären aufzubinden, der geeignet ist, die tatsächlichen Absichten zu verhüllen.

5.12.2007

Vom Dach gefallen, aber nicht auf den Kopf

Ups, ich bin heute am frühen Vormittag vom Dach gefallen. Es ging relativ glimpflich aus. Bin auf dem linken Fuß gelandet und habe mir dabei eine überaus schmerzhafte Prellung des Fußgelenkes zugezogen. Fünf Stunden habe ich gelegen, gekühlt und Anti-Schmerzmittel "eingeworfen". Also, ich werde wohl mehrere Tage nicht laufen können. Mich tröstet bei der ganzen Sache nur eins, dass ich nicht mit dem Kopf aufgeschlagen bin. Sonst würde ich möglicherweise glatt alles das schlucken, was mir die Medien tagtäglich anbieten. Heute unter den Nachrichten, die über das "Wunder von Berlin". Es geht wieder mal um das beliebte Thema Stasi. Eine Barbara Möller schreibt für das Hamburger Abendblatt: "Schlecht sitzender Anzug, scheußliche Krawatte, Hornbrille, Seitenscheitel - wer Heino Ferch erkennen will, muss in Roland Suso Richters neuem Film bestimmt zweimal hingucken. Auch Veronica Ferres ist als graue DDR-Maus kaum wiederzuerkennen". "Das Wunder von Berlin" soll das Kunstwerk über das Innenleben der DDR heißen. Das ZDF bereitet sich mit diesem Film auf den 20. Jahrestag der Mauerfalls vor. "Wir wollten", sagt Produzent Nico Hofmann, "das Thema als Erste bearbeiten." ZDF-Redakteurin Heike Hempel widerspricht: "Mit Jahrestagsplanung hat das nichts zu tun." Natüüürlich nicht!
Aber zurück zum Meldungseinstieg: "Schlecht sitzender Anzug, scheußliche Krawatte, Hornbrille, Seitenscheitel". Ich hoffe, es glaubt wirklich noch einer mehr als Produzent, Regisseur und Barbara Möller natürlich, dass so der durchschnittliche Stasi-Offizier ausgesehen hat und dass es nicht schief gehen kann mit der Aufklärung über das "Innenleben" der DDR, wenn man sich dabei immer wieder der selben dämlichen Klischees bedient. Gut also, dass ich nicht auf dem Kopf gelandet bin.

Immer den weiss markierten Weg entlang . . .

Hier, bei uns, in der Oberlausitz, im Zittauer Gebirge, dem kleinsten Mittelgebirge Deutschlands übrigens, kann man vorzüglich wandern, klettern, den inneren Akku aufladen. Wir haben hier eine bezaubernde Landschaft. Und darauf sind wir wahnsinnig stolz. Nur über einen Fakt nicht: Mit zunehmenden Verlauf der Saison sind unsere Wander- und Waldwege immer deutlicher weiss markiert. Und das kommt so. Irgendwelche Deppen erzählen den Menschen, dass man Papiertaschentüchher ruhigen Gewissens in die Landschaft schmeissen kann, weil die Tücher binnen kürzester Zeit von selbst verrotten würden. Tun sie aber nicht, jedenfalls nicht so schnell. Nun überlegen wir, ob wir die am ärgsten betroffenen Wege umbennen sollten, etwa von Talringweg in Tempo-Ringweg oder so ähnlich.

5.10.2007

Das Imperium schlägt "vorsorglich" zurück


Die deutschen Sicherheits-Phobisten haben "vorsorglich" und antizipierend (in der Rechtswissenschaft die Tatbestandsvoraussetzungen einer Rechtsfolge für den Fall einzutretender ungewisser Ereignisse) also vorwegnehmend zurückgeschlagen oder präventiv zugeschlagen für den "Fall einzutretender (möglicherweise) ungewisser Ereignisse. Und zwar gegen die, die im Sommer beim G8-Gipfel in Heiligendamm ihren Protest gegen Globalisierung und weltweite Ausbeutung (von mir aus lautstark und aktionsreich) vortragen wollten. Bemerkenswert an den Razzien in Attac-Büros und dem der "Flora" Hamburg - eine andere (manchmal militante) Protestorganisationen - ist, das die Phobiker offensichtlich keine Anhaltspunkte für potenziell mögliche "Straftaten" gehabt haben können, denn nur so ist das Manöver-Konzept der Bundesanwaltschaft zu verstehen, dass es bei den Razzien sowohl um die "Aufklärung früherer Brandanschläge" und als auch um die Abwendung möglicher Anschläge (siehe antizipierend) in Heiligendamm ginge.
Wir können auch auf diese Weise schön erahnen, was auf aufmuckwillige Deutschen zukommen wird, wenn die Bundesanwaltschaft - nach der Ausmerzung der Unschuldsvermutung aus dem deutschen Recht durch Innenminister Schäuble - agieren wird, im "Fall einzutretender ungewisser Ereignissse". Nur eines wird es dann nicht mehr geben. Die Begründung von Razzien, das Kopieren von Festplatten und die Beschlagnahme von Computern wegen der notwendigen Aufklärung sieben Jahre vorangegangener und angeblich nie aufgeklärter Brandanschläge.
Und es geht der Bundesanwaltschaft um ein Drittes, eigentlich nicht zu ihrem Geschäftsfeld gehörendes politisches Ziel: Die Protestbewegungen a.), in den Augen der Öffentlichkeit zu kriminalisieren, b.) die Protestbewegungen so unter Druck zu setzen, dass ihr ein für alle mal die Lust darauf vergehe, gegen so etwas wie den G8-Gipfel jemals wieder so was wie aufzustehen. Damit sich das deutsche Recht nicht nur unglaubwürdig, sondern auch einen Salto rückwärts hin zum längst überwunden geglaubten repressiven Werkzeug eines zunehmend totalitären Staates.

Todesursache Geringschätzung


Warum sterben sowohl im Irak als auch in Afghanistan bloß so viele Zivilisten? Gemeint sind damit nicht die, die man als "Kollateralschäden" abtut, also bei Luftangriffen oder bei Beschießungen durch Artillerie umkommen. Gemeint sind vielmehr solche Zivilisten, die sich in diesen beiden Ländern irgendwie zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielten und der ist regelmäßig in der Nähe amerikanischer Soldaten. Darüber gibt es neuerdings Statistiken.
Im Irak gab es die meisten Todesopfer an Straßenkontrollen, in der Nähe von US-Konvois oder wenn nicht auf Handsignale von US-Soldaten korrekt reagiert wurde.
So schossen "zufällig" US-Soldaten auf ein Haus in Hib Hib, wobei sie drei Kinder einer Familie töteten und das Haus zerstörten. Auch 32 Schafe kamen bei der wilden Schießerei ums Leben. Die Hinterbliebenen erhielten 35.000 US-Dollar Schadensersatz. 2006 wurde ein Fischer erschossen, als er sich bückte, um den Motor seines Bootes auszustellen. In einem anderen Fall schossen US-Soldaten auf eine schlafende Familie und töteten dabei die Mutter, den Vater und den Bruder des Klägers. Laut Pentagon hatten die Soldaten auf einen Angriff aus Richtung des Dorfes reagiert. In Bagdad wurde ein Vierjähriger beim Spielen auf der Straße von einer Kugel getötet. Im Mai 2005 befand sich ein Kläger mit seinem Bruder auf einem belebten Markt. Angeblich seien vier Humvees (große amerikanische Jeeps, die als Mannschaftstransporter und Gefechtsfahrzeuge dienen) gekommen, die Soldaten hätten wild um sich geschossen und dabei seinen Bruder getötet.
Bei den Schießereien an Straßenkontrollen handelte es sich in aller Regel um Missverständnisse. So wurde die Mutter eines Klägers getötet und seine Schwester und ein vier Jahre alter Bruder verletzt, als Soldaten auf ein Taxi schossen, das durch eine Straßensperre in Bakuba fuhr. Wie es in dem Bericht heißt, bestehe die Möglichkeit, dass vor der Straßensperre keine Warnhinweise aufgestellt worden seien. Bei vielen Fällen heißt es, dass Iraker getötet wurden, weil die US-Soldaten glaubten, im Auto befänden sich Sprengsätze. In einem Fall wurde ein Fahrer erschossen, weil er vor einem Konvoi gefahren war und auf Haltesignale nicht reagiert hätte.
Der Tod kann aber auch schnell in der Nähe von US-Soldaten hereinbrechen, wenn man nicht auf jeden Schritt achtet. So wurde ein Kind 2005 von einem Scharfschützen erschossen, als es auf der Straße an einem US-Stützpunkt vorüberging und angeblich seine Schultasche emporgehoben hat. Der Scharfschütze dachte, so heißt es, die Schultasche sei "etwas Gefährliches": "Daher schoss er auf das Kind und verursachte dessen Tod", heisst es bei "telepolis".
Es könnte sein, dass viele solcher tödlichen Reaktionen von US-Soldaten auf die einfache Tatsache zurückzuführen sein können, dass die durchschnittlich 19jährigen amerikanischen Soldaten aus nackter Angst beständig "überreagieren". Die Ursache der vielen sterbenden Zivilisten im Irak (und auch in Afghanistan) könnte aber auch eine völlig andere Ursache haben und die heisst Geringsschätzung irakischen Lebens. Den Verdacht nährt zumindest eine Studie des amerikanischen Militärs 2006 unter dem Titel "Bericht über die psychischen Gesundheit der US-Soldaten im Irak" (Mental Health Advisory Team (MHAT). Aus dieser Studie zitiert Florian Rötzer in besagtem "telepolis"-Beitrag: , 2006 wurden erstmals die Soldaten, die Kampfeinsätze hinter sich hatten, auch nach moralischen Einstellungen befragt. Dazu erhielten die Soldaten Fragebögen, die sie anonym ausfüllten, und es wurden Interviews durchgeführt. Die Einbeziehung der moralischen Einstellungen hatte letztes Jahr General George Casey, der damalige Oberkommandierende der Koalitionstruppen im Irak, angeordnet. Neben 1.320 Soldaten (86% Männer, 49% 20-24 Jahre) wurden erstmals auch 447 Marines (93% Männer, 66% 20-24 Jahre) einbezogen. Nur 47 Prozent der Soldaten, bei der "Elite-Einheit" der Marines gar nur 38 Prozent, waren der Ansicht, dass irakische Zivilisten mit "Würde und Respekt" behandelt werden müssen. Die Rücksichtslosigkeit, mit der "Kollateralschäden" in Kauf genommen werden, oder das schnelle Feuern, wenn nur geringer Verdacht besteht, hat sowohl in Afghanistan als auch im Irak immer wieder zu Kritik geführt und zur Ablehnung vornehmlich der US-Truppen beigetragen. Weiter heisst es in diesem Bericht: "Allerdings befand sich die überwiegende Zahl der Soldaten und der Marines auf ihrem ersten Einsatz im Irak. Daher ist schon beachtlich, wenn 10 Prozent einräumen, sie hätten ohne Anlass einen Zivilisten geschlagen (7% Prozent der Marines, 4% der Soldaten) oder dessen Eigentum zerstört (13% Prozent der Marines, 9% der Soldaten). Immer wieder zeigt sich, dass die Marines aggressiver sind, weil sie das so gelernt haben. Zivilisten dienen als Blitzableiter für die nicht nur auf den Straßen, sondern auch durch das Leben im Camp mit der Enge, der Langeweile, ungerechter Behandlung durch Vorgesetzte, Trennung von der Familie etc. erlittene Angst, Wut und Frustration. 17 Prozent sind schließlich gleich der Meinung, dass alle Zivilisten als Aufständische behandelt werden müssten. Über 40 Prozent sind für Folter, wenn damit das Leben eines Soldaten gerettet werden könnte, aber 39 Prozent der Marines und 36 Prozent der Soldaten auch zu dem Zweck, um damit Informationen über Aufständische zu erhalten".
Es steht nicht besonders gut um "Iraqi Freedom" und in Afghanistann sieht es auch nicht besser aus. Erst vor drei Tagen machten die Amerikaner ein Dorf dem Erdboden gleich, weil, wie sie angaben, aus dem Dorf auf sie geschossen worden sei.
Ergebnis in beiden Ländern: Der Widerstand bei den Bevölkerungen beider Länder wächst und drückt sich aus in Massenkundgebungen dort gegen das amerikanische Militär und die Militärpolitik der US-Regierung. Die aber steht vor allem innenpolitisch unter Druck und tut deshalb das ihre, um die Geschichte der beiden Kriege und den Zustand ihrer Soldaten in noch schlechterem Licht erscheinen zu lassen. Sie lügt der amerikanischen Bevölkerung Kriegshelden herbei. Darüber berichtete kürzlich "businessnews": "Das US-Militär hat die Familie eines getöteten prominenten Afghanistan-Soldaten und die Öffentlichkeit wochenlang über die wahren Todesursache getäuscht. Es erfand eine weltweit verbreitete Geschichte, derzufolge der einstige Footballstar Pat Tillman als Held inmitten eines Feuergefechts mit der Terrororganisation Al Kaida starb. Tatsächlich aber wurde der 27jährige irrtümlich von eigenen Kameraden erschossen. In einer Anhörung vor dem Kongress sagte ein Kamerad Tillmans, ihm sei von höherer Stelle befohlen worden, über den wahren Ablauf zu lügen".

(Foto: www..stripes.com)

5.05.2007

Deutsch für Gastronomen (2)

Holz, - Kunststoff- oder was für Rahmen. Ach ja. Wohl bekomms!

Trau schau wem


Das fand ich auf der Internet-Site von "europolitan". Die veranstalten in diesen Tagen eine Umfrage zum Thema "Wie bewerten Sie das erste Amtsjahr von Angela Merkel?
In einer fünfstufigen Skala wollen die Macher sich und der deutschsprachigen Internet-Welt einen Überblick über den Zuspruch verschaffen, den Angela Merkels Politik bei den Deutschen findet.
Na ja, dachte ich. Auf den ersten Blick sieht das so gut gar nicht aus. Vor allem irritierten mich die 40 Prozent "mangelhaft". Das entspricht so gar nicht den Werten, die Infratest in den letzten Wochen ermittelte und gleich gar nicht den Werten, die uns im Zusammenhang mit der sogenannten "Sonntagsfrage" wöchentlich von den "Öffentlichrechtlichen" serviert wird. Bei denen strahlt die Angela ja förmlich wie eine zweite Sonne, die auf uns Deutsche runterschaut.
Aber dann kam mir die Erleuchtung. Die Werte hängen nicht nur mit der Konkretheit der Fragestellungen zusammen, sondern auch, wen man die Fragen stellt. Denn je nach sozialer, wirtschaftlicher und politischer Disposition wird meine Antwort und damit das Ergebnis ausfallen. Ein "abhängig Beschäftigter" beispielsweise bei der Telekom, wo 50.000 Mitarbeiter künftig zu deutlich schlechteren Konditionen in ausgelagerten Gesellschaften weiterarbeiten können/müssen, wird Angela Merkel als Hauptweichenstellerin für diese Art neoliberaler Politik kaum einen Pluspunkt zugestehen wollen. Insofern wären die genannten 40 Prozent "magelhaft" äußerst verständlich. Sie hat "für mich" zu wenig getan!
Andererseits, wäre ich Mitglied der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM), dem Thinktank neoliberaler Politik, so wäre ich mit Angela Merkel eben so wenig zufrieden. Denn noch sind längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, mit der man der sozialen Marktwirtschaft (Übrigens ein Verfassungsgebot) den längst überfälligen Todesstoß versetzen kann. Wäre ich also bei der INSM, ich gäbe der Kanzlerin auch nur ein mangelhaft. Da sind noch deutliche Wünsche offen!
Und was hat das Ganze nun mit der Umfrage von "europolitan" zu tun? Das weiss ich auch nicht. Aber ich kenne einen Soziologen-Grundsatz: Trau keiner Umfrage, die du nicht selber gefälscht hast!"

5.01.2007

Gott, wirf Hirn ab!


"Gott, wirf Hirn ab auf deutsche Journalisten, denn sie können nur noch abschreiben!", lautete leicht verkürzt kürzlich ein Hilferuf Burkhard Schroeders. Und ich bitte Gott, auf keinen Fall die Redaktion der "Neue Osnabrücker Zeitung" zu verfehlen. Die brachte am 29. April auf ihrer "Boulevard"-Seite einen Beitrag zum so genannten Irak-Einsatz von Englands Thronfolger-Ersatz Prinz Harry. Runtergerubelt auf den eigentlichen Gehalt der - wie nenn ich es bloß? - "geschriebenen Schmierenkomödie", soll Prinz Harry (22) irgendwann in den nächsten Tagen in den Irak abkommandiert werden. Harry sei Leutnant bei den "Blues & Royals" und damit Kommandeur einer zwölf Mann starken Aufklärungsgruppe.
Was Harry im Irak soll, das wissen weder die Götter noch die NOZ. Es könnte mit hoher Wahscheinlichkeit ein Schreibtischjob werden, mutmaßt der anonym gebliebene Abschreiber. Und damit das nicht zu gefährlich werde, sei bereits eine Spezialeinheit der britischen Armee unterwegs, um Harry im Irak zu beschützen. (Noch mehr Hirn, Gott).
Das schreit nach ein wenig höhere Mathematik.
Wie groß muss eine Spezialeinheit sein, die den Prinzen vor allen Eventualitäten abschirmen soll? Die Antwort lautet: Eine taktisch perfekte Grösse für eine solche Aufgabe sind rund 30 "Spezis". Mit anderen Worten: Man riskiert das Leben von mindestens 30 anderen Soldaten, damit Harry zu seinem ersten "Fronteinsatz hinterm Schreibtisch" kommt. Betriebe man den gleichen Aufwand für jeden der 7200 im Irak umgängigen britischen Soldaten, müsste das Möchtegern-Imperium seine Truppen auf 216 000 Mann aufstocken. Aber um die Soldaten geht es ja nicht, sondern um das Ego eines verweichlichten und verwöhnten Sprosses der britischen Dynastie und natürlich um ein wenig Kriegspropaganda. Und, na ja, so richtig heiß wirds für Harry ja nicht werden. Für den Jungen gibt es, kaum bei den bösen Irakern angekommen, gleich wieder Sonderurlaub. Er muss dringend an den Vorbereitung der Gedenkparty für seine vor zehn Jahren verunglückten Mutter Diana dabei sein.
Der Prinz hat, so lässt uns die NOZ weiter wissen, schon mal eine Abschiedsparty geschmissen und dort reichlich weinerliche Töne angeschlagen (vermutlich war er wieder mal besoffen). Wörtlich: "Ich werde meine Familie vermissen», sagte der laut Augenzeugen sichtlich bewegte Enkel der Königin Elizabeth II. in der Nacht zum Samstag in seinem Lieblingsclub «Mahiki». Seine blonde Freundin Chelsy Davy (21) stand ihm vor rund 20 geladenen Gästen zur Seite". Sofort drängte sich mir die Frage auf, wie das aussieht, wenn Chelsy Harry beisteht? Und, ob Chelsy auch mit in den Irak geht? Die Frage lässt der Boulevard-Redakteur offen. Vermutlich gab es dazu nichts abzuschreiben.
Weiter heisst es im gleichen Absatz: "Harrys Bruder Prinz William (24) kam zu spät und verpasste die Rede." Klügerer Junge, klügerer Bruder? Prinz Harry ließ - so die NOZ - die Party-Gäste außerdem noch wissen, dass er sich unglaublich freue, seinem Land im Irak dienen zu dürfen (Rammtatamm, rammtatamm, rammtatamm). Und aus der Bildunterschrift der Möchtegern-Zeitung erfahren wir zuguterletzt: "Prinz Harry hat keine Angst davor zu sterben!". Kennen wir das nicht, diese "Blumen am Gewehr", den Heldentod schon fest gebont?
Gäbe es meine resolute Großmutter noch, sie nähme sich den Osnabrücker Abschreiber und den Adelssproß zur Brust oder besser auf die Knie. Für eine gehörige Tracht Popoklatsche.
Weil uns das Vergnügen - wegen ihres Ablebens bereits vor einigen Jahren - nicht vergönnt ist, bleibt eben doch nur der Hilferuf: Wirf viel Hirn ab, Gott!