12.01.2011

Die bemerkenswerte Rede einer Griechin


Rede von Nadia Valavani auf der Kundgebung
“Gegen die Diktatur der Finanzmärkte” der Linken
am 18. November 2011 in Frankfurt

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Genossinnen und Genossen!
Eure Einladung, bei Euch auf der Kundgebung der Partei DIE LINKE hier in Frankfurt zu sprechen, ist eine große Ehre für mich.
Wir danken Euch für Eure Solidarität, weil Ihr dem deutschen Volk mutig die ganze Wahrheit sagt: dass das griechische Volk nicht kollektiv für die Krise verantwortlich ist. Die Krise hat Griechenland nicht erfasst, weil die Griechen – ebenso wenig wie die Arbeitnehmer von Island, Portugal, Irland und der anderen europäischen Staaten – faul und korrupt sind. Korrupt sind die Griechen, die von Siemens und internationalen Rüstungskonzernen Schmiergelder angenommen haben, um überteuerte digitale Tele-Verbindungen und nutzlose Waffensysteme zu kaufen. Korrupt sind auch diejenigen in Deutschland, die
Schmiergelder vergeben haben. Wir danken der LINKEN dafür, dass sie die Deutschen darüber aufgeklärt hat, was die Troika und die griechische Regierung dem griechischen Volk verheimlichen wollen: Kein einziger Euro von den 65 Milliarden, die Griechenland bis heute von der Troika als teures Darlehen bekommen hat, ist für Löhne oder die Subvention von Renten ausgezahlt worden. Alles ist den Banken zugeflossen, als Zinsen für
Darlehen, deren Kapital schon bis zu 10 Mal bezahlt worden ist. Die Krise in Griechenland und in den anderen sogenannten “infizierten” Ländern ist eine systemische Krise.

Liebe Freunde und Genossen!
Meine Heimat ist heute in der schwierigsten Lage seit der Zeit der Nazi-Besetzung und des
Bürgerkrieges. Ein unfähiges und korruptes politisches System hat die Spekulation und das
Schmarotzertum in jeder Weise verstärkt, indem es die neoliberalen Anweisungen des europäischen und internationalen Finanzkapitals wortwörtlich befolgt hat. Die früher exportfähige griechische Landwirtschaft wurde verwüstet, die kleine industrielle Basis des Landes zersetzt. Stattdessen wurden die griechischen Reeder von jeder Steuerlast befreit; es wurde ein prinzipienloses touristisches Entwicklungsmodell begünstigt, das total von den großen deutschen und europäischen Reiseveranstaltern abhängig ist. Dieses politische System hat die Arbeitnehmer schutzlos in den Mahlstrom der großen strukturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen kapitalistischen Krise geführt. Unter der verheerenden Leitung von Papandreou hat dieses politische System den Angriff der
Märkte gegen Griechenland, dem schwächsten Glied in der Euroz!ne, erleichtert und dabei geholfen, einen Spekulantensturm ausbrechen zu lassen. Deshalb wurde der Internationale Währungsfond nach Griechenland und Europa gerufen: um zu garantieren, dass die Banken ihre Zinsen weiterhin einnehmen können – unbeschadet der Trümmer, die sie hinterlassen.
Im Frühling letzten Jahres wurde klar, dass Griechenland zwar die Grundbedürfnisse seiner Bevölkerung weiterhin befriedigen, aber nicht !gleichzeitig seine Zinsen zahlen kann. Was hat die griechische Regierung draufhin getan? Sie hat bei der Troika "uflucht gesucht und das extrem neoliberale Memorandum mit der Europäischen Kommission, der Europäischen "entralbank und dem Internationalen Währungsfond akzeptiert, statt die Auszahlung der Darlehen auszusetzen, um in einer Wiederverhandlung eine drastische Streichung der mehrfach bezahlten griechischen Staatsschulden zu erreichen und wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen zugunsten der Arbeitnehmer einzuleiten. Trotz
des vollen Misserfolgs des Memorandums, besser gesagt des Abkommens, wurde Griechenland im letzten Juli von der Troika das „Mittelfristige Programm“ – bis 2015 – auferlegt. Dieses Programm führt zur totalen Plünderung des staatlichen Reichtums durch ein riesiges Privatisierungsprogramm, mit dem eigentlich alles bis auf die nationalen Wälder und die Akropolis in den Ausverkauf kommt – und das als Voraussetzung für einen “Haircut” der griechischen Schuldscheine, der ganz fiktiv als ein Schuldenschnitt von 50% dargestellt wird.
Mit dem Memorandum und dem mittelfristigen Programm hat das Land seine nationale Unabhängigkeit verloren. Die Demokratie wurde zunichte gemacht, die Verfassung des Landes wird jeden Tag verletzt.
Die Wirtschaft wird planvoll zerstört. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich im letzten Jahr um 14% verringert. Das griechische Volk wird systematisch in die Verelendung getrieben. In den letzten zwei Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit mehr als verdoppelt. Bis Ende des Jahres werden wir mehr als eine Million offiziell gemeldete Arbeitslose haben – das ist eine Arbeitslosenquote von 21 %. Das größte Verbrechen aber wird gegen die Jugend begangen: 43 % der griechischen Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos. Es geht nicht mehr nur um eine “verlorene” Generation – es geht um einen echten gesellschaftlichen Völkermord. Hier und heute findet in Griechenland ein gigantisches gesellschaftliches Experiment statt. Wir sind zu Versuchstieren gemacht worden, um beispiellose Maßnahmen auszuprobieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, bevor die gleichen Maßnahmen den anderen europäischen Ländern auferlegt werden. In nur
18 Monaten ist das 20. Jahrhundert im Bereich der Arbeitsrechte ganz abgeschafft worden. Am 27.November werden, gegen die Verfassung, die ersten 30000 Entlassungen im öffentlichen Dienst stattfinden. Die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden um 40% und im privaten Bereich um mehr als 10% verringert. Das neue, noch nie dagewesene Verbot, gewerkschaftliche Tarifverträge abzuschließen, das bis 2015 gelten soll, führt unter Verletzung der Verfassung und der internationalen Arbeitsverträge zur Einschränkung der Gewerkschaftsbewegung und zur Aufkündigung der bestehenden Gewerkschaftsverträge. Die Troika kommt ihrem Ziel, den griechischen Mindestlohn zu ‘‘balkanisieren“, immer näher. Die Löhne würden dann für eine Vollzeitarbeit auf 350 bis 450 Euro pro Monat fallen,
während die Preise in Griechenland so hoch wie in Deutschland sind. Die 400.000 Geschäfte, die schließen mussten, zeigen, wie rasch die mittleren Schichten schwinden. Immer denselben Menschen, den Arbeitnehmern und Rentnern, werden immer neue Steuern aufgebürdet. Die Selbstmorde haben sich in letztem Jahr mehr als verdoppelt. Das öffentliche Schulsystem und das nationale Gesundheitssystem lösen sich auf. Hunger ist inzwischen ein ernstzunehmendes Problem in Griechenland.

Liebe Genossen und Freunde!
Seit dem Frühjahr 2010 demonstrieren fast jeden Tag Tausende von Menschen in ganz Griechenland, um ihren politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Vom 25. Mai bis Anfang Juli wurde der Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament in Athen von Bürgern besetzt. Dort endete auch der zweitägige Generalstreik vom 19. und 20. Oktober dieses Jahres, der vierte zweitägige Generalstreik in der Geschichte Griechenlands seit 1918. Gleichzeitig demonstrierten eine halbe Million Menschen auf den Straßen der griechischen Städte. Der 28. Oktober ist der griechische Nationalfeiertag. An diesem Tag feiert das griechische Volk seinen Widerstand gegen die faschistische Regierung Mussolinis, der es am 28. Oktober 1940 den verlangten freien Durchmarsch der italienischen Armee durch das Land verweigerte. Aus Wut und Verzweiflung
machten die Griechen dieses historische Nein in diesem Jahr zu einem Nein gegen die Politik der Troika: Überall im ganzen Land wurden die Ehrengäste von den Tribünen in den Städten, auch den kleinsten, vertrieben, und statt der Armee demonstrierten Schüler vor den Veteranen des antifaschistischen Widerstands. In Thessaloniki fand deshalb die Armeeparade nicht statt, und der Präsident der Republik  zog sich von den Feierlichkeiten zurück. Es war unter dem Eindruck dieser Ereignisse, dass Papandreou die Volksabstimmung vorschlug, um so einen letzten Versuch zu machen, das griechische Volk zu erpressen. Die Reaktionen von Merkel, Sarkosy und Olli Rehn auf diesen Vorschlag machten restlos klar, dass die europäische Elite nichts mehr fürchtet als die Artikulation des Volkswillens – egal, in welcher Form. SYRIZA, die KPG und die anderen Kräfte der griechischen Linken verlangen, dass das griechische Volk durch die Wahlen seinen Willen zum Ausdruck bringen kann. Trotz verschiedener Standpunkte über die Eurozone ist das gemeinsame Motto der Linken “Die Krise soll von denen bezahlt werden, die sie hervorgerufen haben, die Banken und das Kapital!” und “Keine Opfer für den Euro!”
Der Chef der neuen griechischen Regierung !– mit Ministern aus allen Parteien, die das Memorandum unterstützen: PASOK, Nea Dimokratia und die rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Partei LAOS – ist ein internationaler Bankier aus den ersten Reihen der Finanzkapitalistischen Internationale, bis vor kurzem Einwohner des Bankenviertels hier in Frankfurt. Die Mission dieser Regierung ist es, die Beschlüsse der Gipfelkonferenz der Europäischen Union vom 26. Oktober umzusetzen. Mit der Durchführung dieser Beschlüsse wird das griechische Volk spätestens bis 2021 in
die absolute Verelendung geführt; das öffentliche Vermögen des Landes wird von den Banken und den internationalen Konzernen geplündert. Unser Volk verliert alles wegen nichts – denn auf dem geplanten Weg werden die griechischen Schulden im Jahre 2020 auf dem Stand von 2009 sein – also so hoch wie zu Beginn dieses Abenteuers.
Das wirkliche Ziel ist aber ein anderes: Der Ausnahmefall Griechenland soll die Regel für alle europäischen Länder werden. Das Finanzkapital ist dabei, einen neuen Typus der Kapitalakkumulation zu entwickeln, der sogar am Boden des Fasses kratzt. Die vielschichtige systemische Krise zeigt auf die eindrucksvollste Weise, dass die Ökonomien der entwickelten kapitalistischen Länder nicht mehr überleben können, ohne dafür das Einkommen, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard ihrer Völker stark einzuschränken. Als die Bankiers das Schuldennetz über die Länder und die Völker warfen, wussten sie sehr genau, wer ihr nächstes Opfer sein würde: die Demokratie. Wie Thukydides in der Grabrede von Perikles schrieb: “…und diese Regierungsform heißt, weil sie nicht auf die Vorteile der wenigen, sondern der vielen zielt, Demokratie…” Heute wird die Demokratie zunichte gemacht, weil die Mehrheit von einer Minderheit zu deren Vorteil beherrscht wird – es herrscht die Diktatur der Finanzmärkte. Es ist kein Zufall, dass
Brüssel, Berlin, Paris und Athen allein bei dem Gedanken, dass es in Griechenland zur Bekundung des demokratischen Willens des Volkes kommen könnte, förmlich krank werden. Bertolt Brechts Vorschlag, “Es wäre doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes”, scheint wie für die Troika gemacht.

Liebe Genossen und Freunde!
In Griechenland kämpfen wir für das Überleben und die Menschenwürde unseres Volkes. Wir kämpfen für die Entmachtung der neuen Regierung, um die Ketten der alten und neuen Memoranden zu brechen.
Wir kämpfen für die Wiederherstellung einer umfassenden, größtmöglichen demokratischen
Rechtmäßigkeit. Wir wollen keine Raten und keine Darlehen, wir brauchen keine Retter, wir wollen nicht von anderen mit Gewalt gerettet werden. Wir wollen nicht, dass die Vertreter der Banken uns vor den Bankern retten. Wir wollen uns selbst retten, gestützt nur auf unsere Kämpfe und ebenso auf die Kämpfe und die Solidarität der Arbeitnehmer und der europäischen Völker. Gestützt auf eure Kämpfe, auf eure Solidarität.
Unter den Bürgern und den linken Kräften in unserem Land gewinnt die Idee von einer großen, breiten Front von politischen und gesellschaftlichen Kräften, die die jetzige Situation grundlegend verändern könnte, mehr und mehr und mehr an Boden. Wir lehnen das Abkommen vom 26. Oktober ab. Wir kämpfen für eine Pause in der Darlehenrückzahlung und das drastische Abschreiben der griechischen Staatschulden. Wir müssen die Banken und die Unternehmen mit strategischer Bedeutung vergesellschaften bzw. verstaatlichen, um die Voraussetzungen für eine völlig neue Entwicklung der griechischen Wirtschaft zu schaffen: eine umwelt- und menschenfreundliche, den Charakteristika und Möglichkeiten Griechenlands angemessene Entwicklung. Für diese Entwicklung braucht Griechenland
dringend die internationale Unterstützung Europas und der ganzen Welt!. 


Liebe Freundinnen und Freunde!
Schaut uns heute genau an: Das ist die Zukunft, die sie für alle bereit halten. Die Glocken läuten nicht nur für die Griechen. Sie läuten für alle.
Lasst uns zusammen für eine grundsätzlich andere, friedliche und befreiende Zukunft für die
arbeitenden Menschen, für alle Völker Europas und der ganzen Welt kämpfen.


Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=11440

11.28.2011

Griechenland: Was wir wissen müssen!


Natürlich sind die Griechen faul. Wissen wir ja aus den Nachrichten, die abends im Fernsehen kommen und am nächsten Tag in den Zeitungen stehen. Wissen wir wirklich, was Dank Angela Merkel, der Stellevertreterin des deutschen Kapitals, diesem geplagten Land und vor allem den Mennschen angetan wird? Ich habe heute eine kleine Zeitungschau gemacht:

1. Um bis zu 35 % sollen nun die Gehälter und Zulagen von Angestellten in Betrieben der öffentlichen Hand (DEKO) gekürzt werden. Betroffen sind etwa 51.000 Festangestellte und Beschäftigte mit Zeitverträgen in insgesamt 14 DEKO-Betrieben, darunter die Griechische Post (ELTA), die Wasserwerke (EYDAP), die Häfen in Piräus und Thessaloniki, Hellenic Petroleum (ELPE), die Elektrizitätsgesellschaft DEI, des Wettspielunternehmens OPAP und die Bank von Attika (Trapeza Attikis).
Diese Kürzungen gelten rückwirkend ab dem 1. November. In einer ersten Phase werden dem Rotstift 25 % der Bezüge zum Opfer fallen. Weitere 5 % sollen im November 2012 gekürzt werden und die restlichen 5 % im November 2013. Ziel ist es, dass der Brutto-Durchschnittslohn in jedem dieser Betriebe bei 1.900 Euro liegt. Bei jenen Angestellten, deren Löhne bereits auf dem jetzigen Niveau liegen oder darunter, kommt es zu keinen oder nur zu kleineren Gehaltskürzungen. Bei den Lohnkürzungen sind auch alle weiteren Zuschläge mit einbezogen. Diese Regelungen gelten bis zum Jahre 2015; beinhaltet sind sie in dem mit der Troika unterzeichneten „Mittelfristigen Programm“. Von den vereinbarten Mindestlöhnen sind lediglich die Vorstände der Betriebe ausgeschlossen. Hier sind Gehälter von bis zu 5.856 Euro möglich. In Ausnahmefällen kann sich dieses Salär aber auch verdoppeln, vorausgesetzt, dass dies zuvor vom Finanzministerium genehmigt wurde. (Griechenland Zeitung / eh.)  

2. Für etwa 16.000 Staatsdiener tritt ab dem heutigen Montag die so genannte „Arbeitsreserve“ in Kraft. 4.000 von ihnen werden ab sofort pensioniert. Die restlichen 12.000 werden in eine Art „Vorpensionierungsstatus“ bis Ende 2013 versetzt. Sie erhalten in dieser Zeit weiterhin 60 % ihres bisherigen Gehaltes. Betroffen sind überwiegend Arbeitnehmer, die über 55 Jahre alt sind und die bereits 35 Jahre Arbeitserfahrung gesammelt haben, wodurch sie kurz vor der Rente stehen. Sie werden aus der Arbeitsreserve heraus in Pension gehen. Weitere 12.000 Staatdiener sollen ab dem 1. Januar 2012 in die Arbeitsreserve geschickt werden. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Zahl der öffentlich Angestellten zu reduzieren. Zudem soll überzähliges Personal auf andere Posten der öffentlichen Hand versetzt werden, wo Personalmangel herrscht. Die Durchführung dieser Maßnahmen sind eine Voraussetzung dafür, dass Athen einen zweiten Kredit in Höhe von 109 Mrd. Euro erhalten kann.
Als Zeichen des Protestes gegen die damit verbundenen Sparmaßnahmen findet am Donnerstag dieser Woche ein 24-stündiger Generalstreik statt. Daran beteiligen sich die beiden größten Gewerkschaften des Landes ADEDY (Öffentlicher Dienst) und GSEE (Privatwirtschaft). (Text: Griechenland Zeitung / eh, Foto: Eurokinissi)


3. Die Verzweiflung muss bei einigen Griechen groß sein. Viele Menschen infizieren sich offenbar absichtlich mit dem tödlichen HI-Virus, um vom Staat höhere Sozialhilfe zu kassieren. Das berichtet Focus online. Das Medienportal beruft sich dabei auf Ärzte und Seuchenexperten in Athen. Demnach sei die Zahl der HIVInfektionen Bewusst mit HIV infizieren in Griechenland sprunghaft angestiegen. 
Wie der Klinikdirektor des Athener Rot-Kreuz-Krankenhauses gegenüber Focus
online sagt, hätten sich ihm mehrere Patienten offenbart und ihre finanzielle Not als
Grund gehabt, sich bewusst mit Aids anzustecken. HIV- Positive erhalten in
Griechenland offenbar zusätzlich zu ihren Medikamenten lebenslang 700 Euro im
Monat´.
Griechenland: Dramatischer Anstieg der Patientenzahlen
Unterdessen vermeldete die Hilfsorganisation «Ärzte der Welt», die in Griechenland
vier Anlaufstellen für Menschen ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung unterhält,
einen dramatischen Anstieg der Patientenzahlen. Die kostenlosen medizinischen
und psychosozialen Hilfsangebote würden nun auch vermehrt von griechischen
Staatsbürgern aufgesucht. Ursprünglich waren die Anlaufstellen für Flüchtlinge und
Asylsuchende gedacht.  «Die Anzahl griechischer Staatsbürger unter unseren Patienten ist auf 30 Prozent gestiegen», erklärte Nikitas Kanakis, Präsident der griechischen Abteilung von «Ärzte der Welt». 
Darunter seien schwangere Frauen, die Vorsorgeuntersuchungen erhielten, Kinder, die Impfungen benötigten, Menschen, die kein Einkommen mehr hätten oder auch Beamte, deren Gehälter drastisch gekürzt worden seien. Immer mehr Menschen würden auch um Lebensmittel bitten, berichteten Mitarbeiter der Hilfsorganisation der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Der griechische Nachrichtensender Vima 99.5 startete Anfang der Woche eine Lebensmittel-Kampagne für Bedürftige. An seine Hörer appellierte der Sender, beim
Einkauf im Supermarkt «auch an die mittellosen Mitbürger zu denken und auch für sie etwas einzukaufen». «Auch ein Paket Nudeln genügt», hieß es in dem Aufruf. dpa/AZ

Noch geben die griechischen Bürger nicht auf:
4. Die zwei größten Gewerkschaften des Landes ADEDY (Öffentlicher Dienst) und GSEE (Privatwirtschaft) haben für den kommenden Donnerstag, den 1. Dezember, zu einem 24-stündigen Generalstreik aufgerufen. Um 11.00 Uhr findet ein Protestmarsch Richtung Parlament statt. Treffpunkt ist der Pedion tou Areos-Platz, an der Ecke Patission und Alexandras Avenue. 
Um 11.00 Uhr findet zudem eine separate Kundgebung am Athener Omonia-Platz statt. Dort treffen sich Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME. 
Als Grund für die Proteste werden u. a. harte Sparmaßnahmen genannt, die die Regierung durchsetzen will, um Athen aus der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise zu bugsieren. Dazu gehören Gehalts- und Rentenkürzungen, sowie Entlassungen im weiteren öffentlichen Sektor. Dies soll über die Maßnahme einer so genannten Arbeitsreserve durchgesetzt werden. Bisher konnten öffentlich Angestellte praktisch nicht entlassen werden. (Griechenland Zeitung / eh) 



11.21.2011

Kritzelbüchlein

Demokratie ist das Geländer, dass sie vom Rande ihrer Erdscheibe fernhalten könnte. . . Aber sie haben den Abgrund fest im Blick -/- Η Δημοκρατία είναι το κιγκλιδωμάτων, αυτή μπορούσε να διατηρήσει το μακριά από την άκρη του κόσμου τους... Αλλά σταθερά έχουν κατά νου την άβυσσο

11.20.2011

Trügerische Ruhe im Mediendschungel

Es herrscht eine verdächtige Ruhe im Mediendschungel. Höchstens vereinzelt steigen noch Enten aus dem Blätter- und Bildschirmewald. Nichts Neues aus Italien, Griechenland und fast nichts über Spanien? Auch nichts über die USA, die gerademal noch bis Mittwoch Geld haben und jetzt händeringend auf das Obama-Kommando zum Anwerfen der Gelddruckmaschinen warten. Aber abgesehen davon, kann die trügerische Ruhe im Mediendschungel natürlich auch andere Ursachen haben. Beispielsweise, dass das "Enten"-Scheuchen natürlich auch ermüdet.  Oder, dass jetzt erst mal andere ran müssen, die Finanzmärkte gegen die Demokratie zu verteidigen. Drittens ist Gott sei Dank die wahnwitzige griechischen Idee -  das Volk müsse über sein eigenes Schicksal und möglicherweise gegen die Finanzmärkte entscheiden -  endgültig zu den Akten gelegt. (Frank Schirmacher, Herausgeber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bereits am 1.11.2011:  "Demokratie ist Ramsch. Wer das Volk fragt, wird zur Bedrohung Europas. Das ist die Botschaft der Märkte und seit vierundzwanzig Stunden auch der Politik. Wir erleben den Kurssturz des Republikanischen". Statt dessen hat die Weltmacht Bilderberg-Konferenz -  also das Politbüro dieser privaten Versammlung aus allerhöchsten Finanzmagnaten (Rockefeller), Industriellen (Bill Gates), Ideologen (siehe unten) und Militärs Anders Fog Rasmussen) - ihre Governance-Tochterorganisation (Triade) in Griechenland und Italien eingreifen lassen und Männer ihrer Wahl in die absolute Machtpositionen beider Länder implementiert. Papademos (GR) und Monti (Italien) sind beide Mitglieder der Triade, also der Trilateralen Konferenz. Sie handeln in deren Auftrag, also im Auftrag der "Bilderberger", an deren Konferenzen auch schon mal Frau Merkel und Herr Westerwelle als aktuelle Vertreter der deutschen Finanzoligarchie teilnehmen. Die nicht demokratisch zu Ministerpräsidenten erhobenen Männer exekutieren jetzt den Willen der Finanzmärkte in Griechenland und Italien. In beiden Ländern werden die sozialen Verhältnisse geshreddert, wird der Ausverkauf der staatlichen Souveränität, aller noch staatlichen Unternehmen und vielleicht auch (wie von deutschen Bundeshinterbänklern immer wieder gefordert) der Verkauf der lukrativsten griechischen Inseln vorbereitet. Nochmals Frank Schirrmacher:"Man muss nicht alle Beziehungen des Witzes (über einen möglichen Militärputsch in GR, der unter anderem in englischen Zeitungen kursierte) zum Unterbewussten kennen, um zu verstehen, wie massiv gerade moralische Übereinkünfte der Nachkriegszeit im Namen einer höheren, einer finanzökonomischen Vernunft zerstört werden. Solche Prozesse laufen schleichend ab, sie tun ihr Werk im Halbbewussten, manchmal über Jahrzehnte bis aus ihnen eine neue Ideologie entstanden ist. So war es immer in den Inkubationsphasen der großen autoritären Krisen des zwanzigsten Jahrhunderts". Eine dieser Krisen führte direkt in den Faschismus.

 Und damit das nicht schief gehen kann, muss den Griechen nochmals erklärt werden, um was es geht. Das erklärt nicht nur den Griechen beispielsweise Melvin Krauss, emeritierter Professor der Universität New York. Der hatte jetzt ein Ehrenplätzchen in der Finacial Times Deutschland bekommen und schrieb daselbst: "Es ist schließlich die Demokratie, die schmerzhafte, aber nötige Reformen im Süden der Euro-Zone verhindert. Es liegt auch an der Demokratie, dass es zu einer erheblichen Unterfinanzierung des europäischen Rettungsschirms kommen konnte und dass dringend notwendige Transferzahlungen des Nordens an den Süden auf einem Minimum gehalten werden. So groß die Ironie erscheinen mag, die "Wiege der Demokratie" braucht jetzt weniger Demokratie und mehr Reformen".
Hoffen wir für die Demokratie, dass das griechische Volk und auch das italienische sich von ideologischen Drecksäcken wie Krauss sich nicht einschüchtern lässt.

11.17.2011

Verbotsverfahren gegen Thüringer Verfassungsschutz könnte an V-Leuten scheitern

MITTWOCH, 16. NOVEMBER 2011
Erfurt (dpo) - Es ist eine Organisation, die außerhalb von Recht und Ordnung agiert, zahlreiche NPD-Funktionäre finanziert und in nicht unerheblichem Maße in die Mordserie der sogenannten Zwickauer Zelle verstrickt ist. Und doch sieht derzeit alles danach aus, als könnte ein Verbotsverfahren gegen den Thüringer Verfassungsschutz, daran scheitern, dass die Behörde mit zu vielen vom Verfassungsschutz bezahlten V-Leuten durchsetzt ist.
Von V-Leuten durchsetzt: TLfV in Erfurt
"Bevor wir ein Verbotsverfahren gegen den Thüringer Verfassungsschutz initiieren können, müssten alle V-Leute, die auf der Gehaltsliste des Verfassungsschutzes stehen, aus dieser Behörde abgezogen werden", erklärte Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). "Da dies ausnahmslos alle 97 hauptamtlichen Mitarbeiter des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz betrifft, hätten wir anschließend jedoch keinerlei Informationen mehr über die gefährlichen Umtriebe des Dienstes." Dieses Risiko einzugehen, sei Friedrich jedoch nicht bereit.
Unionskollege Volker Kauder hingegen äußerte gegenüber dem Postillon Zweifel, ob die vielen vom Verfassungsschutz bezahlten V-Leute im Verfassungsschutz überhaupt einen Nutzen hätten: "Abgesehen davon, dass wir jetzt ganz sicher wissen, dass der Fraktionsvorsitzende der Thüringer Linken Bodo Ramelow die Morde nicht verübt hat, hat uns die Überwachung durch den Verfassungsschutz keinen Schritt weitergebracht. Meinetwegen könnte man die V-Leute abziehen und den Laden verbieten."
Von rechts kann Kauder dafür allerdings keine Unterstützung erwarten. Denn selbst die unter Beobachtung stehende NPD spricht sich gegen ein Verbotsverfahren gegen den Verfassungsschutz aus. Bei einer internen Abstimmung votierten 80 Prozent aller NPD-Funktionäre für eine Beibehaltung des Dienstes – eigenen Aussagen zufolge "aus finanziellen Gründen".

(Gefunden im Blog "Postillion"

11.12.2011

"Terrortrio" - alles sehr mysteriös

In Deutschland erscheinen wöchentlich 405 Zeitungen mit einer verkauften Auflage von fast 28 Millionen Exemplaren. Wöchentlich deshalb, weil von diesen 405 Titeln knapp 50 als Wochenzeitungen herauskommen. Im Verlaufe dieser Woche machten alle Zeitungen nach dem Copy & Paste-Verfahren mit dem "Thüringer Terrortrio" auf. Eine Zeitungsschau verlief also nahezu tragisch langweilig - vor allem, weil in den Titelstorys kaum neue Erkenntnisse vermittelt wurden. Und weil brennende Fragen nicht nur nicht beantwortet, sondern gar nicht erst gestellt wurden. Die aber gibt es en masse. 1998 gab es bei dem Terrortrio eine Hausdurchsuchung. Entdeckt wurden dabei mehrere fertige Rohrbomben ohne Zünder. Wer ist verantwortlich dafür,  dass das Trio zwei Tage nach der Hausdurchsuchung abtauchen und sich fast zehn Jahre unsichtbar machen konnte. Uwe B. und Uwe M waren Mitglieder des rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz"es. Der Chef dieses Vereins war Spitzel des Verfassungssschutzes.  Oder war er der "Führungsoffizier" für die beiden damals Verdächtigen?
Das Duo Uwe B und Uwe M. hatte es verstanden sich zehn Jahre zu verbergen. Dazu müssen sie "hellwach" oder gut infomiert gewesen sein. Wieso begehen sie dann urplötzlich Selbstmord? Und wieso findet man in den Unterkünften des Trios die Schußwaffen mehrerer Mordanschläge? Damit man sie als Urheber einer ungeklärten Serie bezeichnen kann?
Auch Peter Mühlbauer stellt in seinem telepolis-Beitrag http://www.heise.de/tp/blogs/8/150823 ähnliche Fragen: "Konnten Uwe B. und Uwe M. überhaupt wissen, dass ihnen die Polizei auf der Spur war? Wie viele Schüsse "in Kopf und Herz" weisen ihre Körper auf? Wie konnte es sein, dass der Wohnwagen "explodierte", als sich die Polizisten näherten? Konnte Beate Z. so dumm sein, ihre Wohnung zum Zwecke der Beweisvernichtung in Brand zu stecken, obwohl sie wusste, dass Pistolen aus Metall sind? Und stellte sie sich der Polizei, weil sie Angst vor einem der Öffentlichkeit noch unbekannten Akteur hat, der ihr in der Freiheit gefährlicher werden kann als im Gefängnis?


Oder anders gefragt: Wer hat seine schützende Hand zurückgezogen?

11.11.2011

Zeitungsdeutsch

Das fand ich heute in einer regionalen Zeitung. Also, der Walter Ulbricht (der mit "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen"), der wird wohl jetzt - sofern er nicht in Flammen aufgegangen ist - in seinem Grabe kichern.

11.10.2011

Ach Gottchen, der Broder schon wieder

"Skandal" beim "Fritz"-Radio. Ken Jebsen soll in einer Mail an einen Zuhörer den "Holocaust als PR-Aktion" beschrieben haben. Na ja, fein ist das nicht gerade. Aber für mich gibt es größere Zumutungen, beispielsweise wenn in einer Kochshow angesichts das Wirrwars auf der Küchenarbeitsplatte einer der Mitesserköche sagt: "Mann, das sieht ja aus, als wie wenn einer hier draufgeschissen hätte". Ja, und ich kann auch nicht einschätzen, womit der "Zuhörer" den Moderator herausgefordert hat, dass der sich derart heftig auslassen musste. Für mich hat immer alles einen Grund. Auch die "Gewaltakte in der S-Bahn". "Mann grundlos zusammengeschlagen", heißt es immer wieder bei den Mainstreamern. Der Satz liegt wahrscheinlich im Fach 634 der journalistischen Formulierungsregale. Ich möchte aber dennoch wissen, was der "Prügelei" vorausgegangen ist. Ist es möglich, dass der Zusammengeschlagene provoziert hat? Wie auch immer. Gelandet jedenfalls ist diese Jebsen-Mail auf welchem Weg auch immer bei - ach Gottchen, bei Henryk M. - Dingsda - Broder. Wenn Sie ihn nicht kennen, einst war er ein begnadeter Journalist, jetzt ist er bloß noch ein begnadeter Wadenbeißer. Und der hat für richtigen Wirbel gesorgt, indem er sich auf seiner Website über Jebsens Formulierung ausgelassen hat. Ergebniss: Jebsens laufende Sendung wurde erst mal auf Eis gelegt und bei "Fritz" (respektive rbb) eine Panikversammlung einberufen. Ergebnis: "Tu tu, so was schreibt man nicht. Jedenfalls nicht, wenn die Gefahr besteht, dass der Schmarrn in Broders Griffeln landet. Also - hier iss ne Geissel. Schlaach dich bevor wir et tun müssen und denn mach weiter, damit die Quote stimmt".

 Nachtrag: Woher ich denn die Meinung habe, Broder sei ein "begnadeter Journalist" lautet die email-Anfrage eines Lesers. Na ja, weiß ich auch nicht. Also streichen bitte!

11.03.2011

Griechenland ist raus?

Die "Sächsische Zeitung" Dresden veröffentlichte Titelseite am heutigen 3. November diese Börsenübersicht. Da bleibt mir nur eine Frage: Was´n, iss Griechenland heute Nacht raus aus dem Euro?

10.28.2011

Dürfen Polizisten noch mit Messer und Gabel essen?

Die meisten Berliner Polizisten tragen schon seit längerem freiwillig Namensschilder an der Uniform. Den Bundes- und den Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt und Bodo Pfalzgraf, geht diese bereits am 1. August eingeführte individuelle Kennzeichnungspficht zu weit. Also haben sie nicht nur eine Musterklage beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht, sondern lassen keine Gelegenheit verstreichen, sich lächerlich zu machen. Letzter Akt in diesem Sinne: Die für rund 213 000 Euro teuren Schilder für alle Berliner Polizisten seien "gefährlich scharfkantig". Zum Beweis schnitt bei einer Pressekonferenz Pfalzgraf mit einem Namenschild in ein extra mitgebrachtes Eisbein. Verletzungen zufügen könnten sich die Beamten beispielsweise auch (bei angelegtem Namensschild) beispielsweise beim Anlegen des Sicherheitsgurtes im Dienstwagen. Ob wahr ist, dass die beiden "Großen Gewerkschaftsführer" von Innenminister Körting erwarten, Beamten auch das Essen mit Messer und Gabel in der Kantine und jegliche Nassrasur zu verbieten, entzieht sich meiner Kenntnis.