4.14.2007

Terror: Da hilft nur, sich einzuschliessen

Es ist nicht mehr lange hin, bis in Heiligendamm die "G 8" zu ihrem diesjährigen Gipfel anreisen werden. Zum Schutz der Bosse der mächtigsten Staaten der Welt ist alles getan. Zwölf Kilometer Schutzzaun mit aller dazugehörigen Überwachungstechnik sind installiert, 17.000 Polizisten werden zusammengezogen, um die "Großen-8-Staatschefs" zudem zu beschützen.
Eigentlich macht mich diese bei weitem nicht vollständige Aufzählung der getroffenen Sicherheitsvorkehrungen Schmunzeln. Sie können nur noch zusammenkommen, indem sie sich selbst aus der Welt aus- und in Heiligendamm einschliessen. Sie haben Angst wovor auch immer. Vor den Terroristen, sagen sie zu jedem, der es gerne glauben möchte.
Und je näher Heiligendamm rückt, um so mehr beschwören sie die Terrorgefahr. "Die Anschlagsgefahr in Deutschland ist laut Bundeskriminalamt (BKA) nach der islamistischen Drohbotschaft vom Wochenende gestiegen. BKA-Chef Jörg Ziercke warnt zwar vor Panikmache, aber der "Gefährdungsabstand" zu den USA sei geschrumpft. Mit islamischer Drohbotschaft meint Ziercke ein Video, dass im Internet aufgetaucht ist. Das Video habe eine neue Qualität, weil es sich intensiv mit Deutschland befasse, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes am Freitag in Wiesbaden. Der Abstand in der Gefährdung zu stark bedrohten Staaten wie den USA, Großbritannien und Israel sei geringer geworden, die abstrakte Gefährdung Deutschlands gestiegen. Es gebe aber weiter keine konkreten Hinweise auf Anschlagsvorbereitungen.
Das Bedrohungsszenario braucht in Deutschland vor allem ein Mann: Innenminister Wolfgang Schäuble. Der will vor allem eines, die Bundeswehr künftig auch im Inneren einsetzen wollen. Dafür
arbeitet Schäuble derzeit an "Leitlinien für die innere Sicherheit". Das Regelwerk soll den umstrittenen Einsatz der Bundeswehr im Innern festschreiben. Am Mittwoch sprach der Berliner Innensenator und Vorsitzende der Innenministerkonferenz Ehrhart Körting davon, dass die Bedrohung beim G8-Gipfel größer als bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 sei. Und in einem Fall vorauseilendem Gehorsams salutiert der Inspekteur der Streitkräftebasis, Vize-Admiral Wolfram Kühn, am Dienstag: "Wenn ein Schadensfall eintritt und wir angefordert werden, wird die Bundeswehr mit jedem Soldaten, der zur Verfügung steht, helfen", heisst es bei telepolis. Bis zum Sommer will Schäuble die Leitlinien fertig haben und womöglich wird sie die dann tatsächlich zur Grundlage für den weiteren Abbau demokratischer Grundrechte.

Als ich meinen ersten Flirt im Net hatte


„There are two tragedies in life.
one is not to get your heart´s desire.
The other is to get it.”G.B. Shaw

Was ist ein Computer? Was ist ein Computer für mich? Das gleiche wie ein Auto. Irgendein ein Lebens-Zubehör, dem ich erst dann etwas mehr Aufmerksamkeit schenke, wenn er oder es nicht mehr recht funktionieren will, was aber eher selten vorkommt. Süchtig nach einem von beidem aber könnte ich nicht werden, bin ich überzeugt. Daran kann auch mein alter Ego nichts ändern, dass in was weiss ich welcher Gehirnhälfte sitzt und mich beständig zu überzeugen versucht, dass ich die jetzt viel größeren Möglichkeiten nutzen sollte. Die gröseren Möglichkeiten, das ist ein Macintosh-Rechner, den ich mir gerade angeschafft habe. „Ist doch ein vorzügliches Multimedia-Gerät, Mensch. Guck mal´ n Porno”, sagt mein alter ego. Ich schlage mit der flachen Hand heftig gegen meine Stirn. Das mag es nicht, weil es dann jedes Mal von der Ganglie fällt, auf der es sich gerade bequem gemacht hat. Ich habe ihm den Namen Franjo gegeben. Nach dem Kroaten Tudjman. Damit ich es hassen kann. Damit ich es beschimpfen kann. „Weisst, Franjo, nimm dir den Kräuterlikör aus der Kammer zieh dir die ganze Flasche rein. Dann bist du beschäftigt.” Solche Dialoge habe ich mit Franjo oft und auch an dem Tag, an dem mich entscheide, Rosa näher kennenlernen:
Tag 1. Im E-Mail-Briefkasten ist das Übliche, etwa acht Dutzend Mails, die Hälfte Diskussionsbeiträge aus dem Jonet. Die andere Hälfte sind Spams. Jessica fragt, was wird? Was weiß ich? Ich kenne Jessi nicht mal. Dann ist da noch eine Viagra-Werbung. Na ja. Apple lädt zu einem Grafik-Seminar nach Wien ein. Ja, und da gibts noch eine Newsletter von RosaCam. Im Gegensatz zu Jessica kenne ich Rosa, wenigstens dunkel, von früher irgendwann. „Ja wahrscheinlich aus deinem ersten Leben als Hund. Sie führte dich immer an der Leine”, setzt mir Franjo zu. Ich drücke „Ignore”. Franjo, vom dem ich nicht weiß, ob er den Kräuterlikör genommen hat, klopft mit den mit Fingerknöchel erneut aufs Kleinhirn. „Weiber sind besser als Jonet. Klick mal hin”. „Klappe”, knurr ich zurück, „wenn, dann ist es meine Entscheidung”. Der Eingangsseite ist krachblau. In diesem Blau schwebt eine Frau, als säße sie auf einer Schaukel. „Österreichs Camgirl Nummer 1” , heisst es weiter hinten im Text. Wie alt mag das Girli sein? Geschätzt ist sie wohl um die 35. „Na wenigstens genügend Holz vor der Hütte hat sie!", meldet sich Franjo wieder. Ich hebe die flache Hand. Er verstummt beleidigt und ich klicke mich weiter auf Rosas Chat-Seite. Flatternd baut sich die Seite auf, die Anmeldebox zuerst, dann zwei Cambilder. Rosas Bild links, rechts das von einer Claudia. „Oh, oh oh” höre ich Franjo machen. Und tatsächlich. Sie lagert in einem grauen Sessel und hat ein "kleines Gelbes” an. Ihr Beine scheinen unendlich lang. Jetzt akzeptiere ich das „Holz vor der Hütte” auch. „Na bitte, aber erst mit der flachen Hand drohen”, triumphiert Franjo auf seiner Ganglie 7. Ich muss mir einen Nick aussuchen, wenn ich im Chat mitreden will. Ich tipp „Marfa” und dann auf den Login. Rosa grüßt „Hallo Marfa, wie gehts?” „Hm ja, ganz gut”, tippe ich ins Textfeld und klicke auf den Sendebutton. Worauf die tiefschürfende Botschaft auf dem Chatbildschirm auftaucht. Es gibt noch zwei drei weitere belanglose Kurzbotshaften hin und her, dann wendet sie sich wieder anderen Chattern zu. Ich habe mich entschlossen, bloß „zuzuhören”. Das funktioniert gut. Im Chat wird man halt nur wahrgenommen, wenn man sich bemerkbar macht. Das findet Franjo auch und nuschelt mir ins Innenohr: „Los, mach sie ein bissel an”. Ich will nicht, ich will zuhören. Beim Zuhören und nach vier Stunden weiß ich, das Mädchen ist zumindest lustig. Und aussehen tut sie auch gut. Aber sie hat für mich vom ersten Augenblick an viel zu viele Freunde. Ich bin es gewohnt, den Platzhirsch zu spielen. Das wird hier wohl schwierig. Aber ich entscheide mich, bei nächster Gelegenheit den Rosa-Chat „probehalber” noch mal zu besuchen. Franjo mault - merkwürdigerweise, wie mir zum ersten Male bewußt wird - im Ruhrpottdialekt: „hätte doch´ n richtiger Fez werden könne. Aber wahrscheinlich geht bei dir der Schpass erst nach eine Extra-Einladung und bei drei Promille los”. Ich schlag mir gegen die Stirn und schalte den Rechner aus.

4.04.2007

Die Säbel rasseln wieder (Kriegsnotizen 2)

Anfang des Jahres meinte ich, etwa im April würden die USA - gemeint ist damit die amerikanische Regierung - über den Erzfeind Iran herfallen. Alle Anzeichen dafür, dass meine Ansichten durchaus richtig gewesen sein können, bestätigt jetzt ein Beitrag in "russland - aktuell": "Russische Aufklärung: US-Militär bereitet Angriff auf Iran vor (29.03.2007). US-Angriff auf Iran startet am 6. April Moskau. Nach Informationen aus russischen Geheimdienstkreisen ist die Vorbereitung des US-Angriffs auf den Iran abgeschlossen. Das Datum der Attacke soll schon feststehen: Am 6. April um 4 Uhr morgens startet die Operation "Biss". Geplant sei ein massiver Raketen- und Bombenbeschuss aller atomaren Anlagen der Islamischen Republik, schreiben russische Medien. Die Aktion soll demnach zwölf Stunden in Anspruch nehmen. Derzeit finden an den Grenzen des Irans große Militärmanöver der amerikanischen Streitkräfte statt. Beteiligt sind 10.000 Soldaten und 100 Flugzeuge. Zudem sind insgesamt 45 Kriegsschiffe der NATO im Persischen Golf stationiert, wovon 30 zur US-Kriegsflotte gehören".
Sollte an diesen Behauptungen des russischen Auslandsgeheimdienstes auch nur irgend ein Körnchen wahr sein, dann muss man auch den Grenzzwischenfall und die Gefangennahme der 15 britischen Militärangehörigen in einem anderem Licht sehen. Dieser Zwischenfall wäre dann nichts anderes gewesen als der "Tongking-Zwischenfall" im Golf von Oman. Zumal jetzt bekannt wurde, dass eine amerikanische entscheidende Provokation des Iran am 11. Januar in Arbil (Irak) gründlich schief gegangen ist. Darüber berichtet heute (03.04.07) der Irak-Korrespondent des "Independent", Patrick Cockburn. "Nach dessen Quellen, immerhin ein namentlich genannter Stabschef von Massud Barzani, dem Regierungschef der kurdischen Provinzregierung im Irak, hatten US-Streitkräfte am 11. Januar in Arbil versucht, zwei hochrangige Iraner zu entführen: Mohammed Jafari, den Vizechef des Nationalen Sicherheitsrates in Iran und General Minojahar Frouzanda, den Geheimdienstchef der iranischen Revolutionsgarden. Keine unbedeutenden Männer also, nach Informationen von Cockburn, sondern Topleute aus der iranischen Führung. Beide sollen an diesem Tag offiziell zu Besuch beim irakischen Präsidenten Talabani gewesen sein. Der Versuch der amerikanischen Streitkräfte scheiterte, statt der Topleute fingen sie nur fünf jüngere Offiziere, von denen in letzter Zeit mehrfach die Rede war. Die gescheiterte Aktion in Arbil provozierte eine gefährliche Eskalation zwischen den USA und Iran, die letztendlich zur Gefangennahme der 15 britischen Marineangehörigen führte, die der Koalition angehören und offensichtlich als leichter erreichbares, weniger geschütztes Ziel betrachtet wurden als ihre amerikanischen Kameraden", informiert Cockburn.
Und aus diesem Grund gewinnt die Festnahme der 15 Briten an Brisanz. Schon einmal hatten sich britische Militärs in den Gewässern vor dem Irak/Iran auf die "falsche" Seite verirrt und hatten die heftige Reaktionen der Iraner erlebt. Hat die Briten dieses Mal den "Irrtum" vorsätzlich begangen, um doch noch einen Kriegsgrund zu finden? Der dürfte aber nunmehr geplatzt sein, denn Iran hat die 15 gefangenen britischen Marines schachzugartig und werbewirksam in die Freiheit entlassen. Ob das allerdings die Clique um Bush aufhalten wird, scheint zweifelhaft. Gegen die Erkenntnisse der russischen Geheimdienste zum Angriffstermin sprechen allerdings auch einige andere Fakten. Erstens, der dritte Flugzeugträgerverband, den das Pentagon in Rictung Golf in Bewegung gesetzt hat, hat seinen Bestimmungsort noch nicht erreicht. Zweitens, die Aufstockung der Landstreitkräfte (in diesem Fall im Irak) ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen. "Die US-Regierung bereitet nach einem Bericht des US-Fernsehsenders NBC die Entsendung von zusätzlichen 12.000 Nationalgardisten in den Irak und nach Afghanistan vor. Wie der Sender am Donnerstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf Mitarbeiter des Pentagon weiter berichtete, muss Verteidigungsminister Robert Gates die Marschbefehle nur noch unterzeichnen", meldet dazu der US-Fernsehsender NBC am 05.04.2007.

4.02.2007

Werbung macht doch Laune!

Ich gebe es zu: Ich sehe nur sehr sehr selten Privat-Fernsehen. Aber ich gelobe leichten Herzens Besserung. Schiesslich entgeht einem da einiges. Beispielsweise die so genannten Werbepausen oder besser die Füllung der selben mit lustigen Filmen. Heute bot die Werbung Gourmet-Eier feil. Damit wir wissen, wovon die Rede ist, zerlegen wir die Gourmet-Eier mal flugs in seine Bestandteile. Die daz-lernwerkstatt weiss zu diesem Thema "Die häufigste Art der Komposita ist die Zusammensetzung von Nomen und Nomen. Ein Nomen ist das Grundwort, das andere das Bestimmungswort, das das Grundwort näher qualifiziert", etwa wie Spitz + Bohrer (Spitzbohrer). Nach diesem Ausflug in die Theorie der deutschen Sprache heisst das: Eier ist das Grundwort und Gourmet das Wort, das die Eier näher bestimmt. Und Wikipedia weiß: "Der Gourmet ist ein „Feinschmecker und Weinkenner“, im 19. Jahrhundert aus gourmet, von altfranzösisch gormet, „Gehilfe des Weinhändlers“, dann „Weinkenner, Feinschmecker“, entlehnt".
Nach der Werbung geht es also um die Eier eines Gourmets. Tja, und die bieten die nun einmal an. Da kann ich nur sagen: Gourmets aller Länder - verteidigt euch!"

3.31.2007

Beim Poppen auf der Wiese erwischt


Im brandenburgischen Müllrose wird demnächst jeder, der sich beim Sex unter freiem Himmel erwischen lässt, mit Bußgeld von 35,00 € bestraft. Eine entsprechende Verordnung, meldet dpa, habe das Ordnungsamt der 4440-Seelen-Kleinststadt zum 1. April erlassen. Ein April-Scherz sei das aber nicht, hebt dpa hervor. Vielmehr habe es beim Sommerfest in dem kleinen Ort wiederholt Probleme mit Paaren, die sich gerademal eben paarten gegeben (soll heissen: irgendwer hat offensichtlich beim Bumsen im Park oder auf den Wiesen zugesehen oder zugehört). April-Scherz hin, April-Scherz her: Da bleiben eine Menge Fragen offen! Wer hat beobachtet? Spanner, Neider, eine/ein Ordnungsbedienstete/bediensteter, eine andere Amtsperson (die selber ja auch gerne mal im Freien . . . , aber nicht zum Zuge kommt?), möglicherweise gar der Herr Pfarrer (Köchin/Sakristei ist eher berufstypisch) oder vielleicht auch nur die Bürgerin Nr. 4439, der solche Sache schon immer einen kleinen Geheimnisverrat wert war? Oder geht es hier um was ganz anderes? Immerhin hat Müllrose gerade mal 4440 Einwohner. Da hält sich die Zahl der geschlechtsverkehrswilligen/geschlechtsverkehrsfähigen Paare in überschaubaren Grenzen. Will sagen, da kennt jeder jeden. Und jeder weiss dann beim Beobachten des Sexes in freier Wildbahn, dass die zwei da zwar zahlenmässig ein Paar sind, aber keins dass miteinander verheiratet wäre, sondern der Mann von Christel und die Frau vom Johannes. Und das wäre dann ein triftiger Grund, den beiden den Sex auf der Wiese mit einem Bußgeld zu vergällen - wegen dem Gerede.
Und damit sind wir bei Drittens. Wer macht das mit dem Knöllchen und wie? Muss man, wegen eventueller Widersprüche und damit die Sache gerichtsfest wird, direkt beim Poppen erwischt werden oder langt ein Gedächtnisprotokoll der OrdnungsamtsbedienstetIn? Wird der Bussgeldbescheid gleich beim Akt unter den Scheibenwischer, respektive unter den vorübergehend nicht am Platz befindlichen Gürtel des oben Liegenden gesteckt oder mit Beweismittel (Foto) per Post versand? (Johannes: "Schatz, ich habe gerade die Post vom Ordnungsamt aufgemacht. Sag mal Liebling, bist du das unten? Machst ne gute Figur, kann man nix andres sagen. Aber sag mal noch, wo warn mir denn da, als die uns fotografiert haben?")

3.24.2007

Bruhtal, gelle?

Fernsehen bildet. MDR auch. Beate Werner moderierte Samstag (24. März, 18 Uhr) eine Sendung aus oder über Kamenz und die berühmte Söhne der Stadt. Auch über Georg Baselitz, den Maler, sprach sie. Und erwähnte aus seinem Leben, dass der Maler: „mit einem Granatsplitter am Auge behandelt“ worden sei. Wen wundert´s bei solchen Behandlungsmethoden, dass Baselitz machmal Bilder "auf dem Kopf stehend" malte.

3.21.2007

Prost auf die Rente und den "Stern"

Alles nur Zufall. Der Bund wird für 2006 so um die 17 Milliarden mehr Steuern einnehmen. Am gleichen Tag veröffentlichte der Wehrbeauftragte der Bundesregierung seinen Jammerbericht über den Zustand vieler West-Bundeswehrkasernen. Wieder einen Tag später verkündet mit stolz geschwellter Brust unser Herr Arbeitsminister, dass es eine Rentenerhöhung geben wird. Für die meisten Rentner heisst das, sie haben ab Juli monatlich 5,40 Euro mehr in der Tasche. Und der "Stern" berichtet über Michel Friedmann und seine vermutlich rechtsradikalen Personenschützer. Der "Stern" meldet, "Friedmann wurde 1956 in Paris geboren" und schreibt weiter: ". . . der heute 47-jährige Friedmann . . . ".
Das kommt davon, wenn man bei der Arbeit ständig über die 5,40 Euro mehr monatlich nachdenkt und, was man mit dem Geld wohl anstellen könnte. Versaufen natürlich und dann weiter Lebensjahre ausrechnen, Freunde!

Rechtsextreme bei Bund und/oder Polizei?

An einer Berliner Polizeischule hat es vor ein paar Tagen einen so genannten antisemitischen Vorfall gegeben. Schüler einer Klasse angehender Polizisten hatten in einer Unterrichtsstunde zum nationalsozialistischen Regime erklärt, sie wollten nicht dauernd an den Holocaust erinnert werden. Zudem sollen Bemerkungen gefallen sein, dass Juden reiche Leute seien.
Letzteres ist natürlich Blödsinn. Sonst hätten nicht gerade 150.000 israelische Beschäftigte des öffentlichen Dienstes an einem Generalstreik teilgenommen, mit dem sie erzwingen wollten, dass ihnen der Staat endlich die seit einem halben Jahr vorenthaltenen Löhne und Gehälter auszahlt.
Und wenn die jungen Polizisten meinen, sie möchten nicht mehr an den Holocaust erinnert werden, dann sind sie zwar auch in dieser Meinung reichlich bescheuert, aber immerhin in guter Gesellschaft. So sind nach der 2005er Rechtsextremismus-Studie der Universität Bielefeld es fast zwei Drittel aller Deutschen leid, immer wieder von Verbrechen der Deutschen an den Juden zu hören oder ärgern sich darüber, dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen der Nazideutschen an den Juden vorgehalten werden. 65 Prozent der Deutschen denken im Sinne dieser Schlussstrichmentalität.
Dumm ist nur, dass die, die so denken Polizeischüler und folglich kaum geeignet sind für den Job, für den sie die Schule besuchen. Aber das dürfte eigentlich auch für den längerdienenden Bundeswehrangehörigen gelten, über den ich unter der Überschrift "Das Kreuz mit dem Hakenkreuz" (17.03.20079) schrieb. Oder doch nicht? "Die Frankfurter Polizei hat dem TV-Moderator möglicherweise rechtsextremistische Leibwächter zur Seite gestellt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, stieß das hessische Landeskriminalamt im Zuge von Korruptionsermittlungen bei der Polizei auf den Verdacht. Auf einem Computer eines Leibwächters wurde demnach das verbotene Horst-Wessel-Lied gefunden. Auf einem Foto soll außerdem ein Personenschützer stolz in SS-Uniform posieren. Der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Feist bestätigte, dass der Verdacht der Polizei bekannt und die Staatsanwaltschaft bereits eingebunden sei. "Rechtslastige Tendenzen werden bei der hessischen Polizei überhaupt nicht geduldet", betonte er". Das schrieb der "Stern" dieser Tage. Brecht würde sagen: Es ist fruchtbar noch der Schoss, aus dem das kroch.

Foto-Quelle: unbekannt

3.17.2007

Das Kreuz mit dem Hakenkreuz


Wer seine Haltung zu den Neonazis in Deutschland deutlich demonstrieren wollte, der ann sich beispielsweise einen passenden Button zulegen und an sein Hemd, seine Jacke tackern. Ich hatte und habe auch einen. Darauf ist eine Hand zu sehen, die gerade ein Hakenkreuz in einen Abfallkorb wirft, dorthin, wo es also hingehört.
Beinahe - zumindest wenn es nach einem scheinbar etwas verwirrten baden-württembergischen Amtsrichter gegangen wäre - wäre dieser dingliche Protest beinahe zu einer Straftat verkommen. Denn besagter Amtsrichter sinnierte gerade über jenen Button und kam zu dem Schluss, der Betrachter könne nicht klar unterscheiden, ob das Hakenkreuz in den Papierkorb hinein getan oder heraus genommen werde. Auch verdonnerte er ein dick und rot durchgestrichenes Hakenkreuz als verfassungsfeindliches Symbol. Demnach beginge der Käufer oder Träger eines wiederum solchen Buttons eine Straftat gegen die Verfassung, die seiner Ansicht nach verfolgt werden müsse.
Nun ja, nun wurde dieser Amtsrichter vom BGH korrigiert. Das Tragen (vorher also auch der Verkauf) eindeutig antifaschistischer Symbole sei nicht verfassungswidrig und damit auch nicht strafbar.
Gut ist das auch beispielsweise für das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen. Das vertreibt nämlich per Download Broschüren, in dem es echte verfassungsfeindliche Symbole aus der Nazizeit zeigt (übrigens natürlich rot durchkreuzt), die heute nicht selten von Rechtsextremisten und Neonazis verwendet werden. Wäre es beim Amtsrichter-Urteil geblieben, hätte der b.-w. Amtsrichter zumindest Anzeige gegen die sächsischen Verfassungsschützer stellen müssen. Das wär eine Gaudi geworden!
Und nun noch ein Nachtrag zum Thema: Gestern hatte ich Besuch von einem alten Freund. Zehn Jahre mindestens hatte ich nicht mehr mit ihm gesprochen. Er erzählte mir, dass sein Sohn ab und zu eine Pokerparty gebe. Natürlich werde dabei auch mehr oder weniger heftig getrunken. Das letzte Mal hätten die "Jungs" sich im Halbkreis aufgestellt und die Arme kollektiv zum Hitlergruss erhoben. Einer der Jungs hätte davon ein Foto gemacht, dass sie dann per mail an einem 12-Ender-Kumpel bei der Bundeswehr geschickt hätten. Der habe sich über den Gruß aus der Heimat mächtig gefreut. Herr Amtsrichter, übernehmen Sie!