1.14.2012

Griechen wollen Drachme zurück!

Verbleib in der Eurozone oder zurück zur Nationalen Währung? Auf diese Frage bittet der griechische Blog "anti nea taxi-pragmaton" Athen seit mehreren Tagen die Leser um Antwort. Bislang haben 2.916 Blogleser abgestimmt. Das Ergebnis ist für uns Deutsche mit Sicherheit überraschend.

77,2 % der Befragten haben dem Euro eine Abfuhr erteilt und der Rückkehr zur Drachme gestimmt. 19,74 % sprachen sich für den Erhalt des Euro aus und 3,06 % anworteten mit "weiß nicht". Das Blog kommt in Auswertung der Umfrage zum Schluss, dass die Ergebnisse einen klaren Trend der griechischen Gesellschaft für das Verlassen des EURO und zur Rückkehr zur Drachme darstelle. Die Rückkehr zur nationalen Währung bedeute aber auch einen völligen Zusammenbruch der politischen Klasse. Die versuche deshalb um jeden Preis, zu vermeiden, dass es dazu kommt Zeit zu gewinnen, um ihre Haut zu retten. (Πέτρος Χασάπης)

PS: Die umfrage von kommt nicht von ungefähr. Der griechische Privatsender "Skai" hatte vor rund zwei Wochen behauptet, drei Viertel aller Griechen hätten sich für den Verbleib in der Eurozone ausgesprochen. Mit einer eignenen Befrageung wollte das Blog die Skai-Ergebnisse überprüfen.

1.13.2012

Na, das kann spannend werden

Wenn diese "Ausbildung" tatsächlich Praxis wird, könnten wir eigentlich in Afrika Urlaub machen und uns voirteilhafterweise einen Medizinmann anvertrauen.

Bank-Räuber auf griechisch

Im griechischen Blog <ΑΝΤΙ-ΝΕΑ ΤΑΞΙ ΠΡΑΓΜAΤΟΝ> Athen skizziert Rechtsanwalt Thodoris Karageorgiou einen Ausschnitt des gegewärtigen gesellschaftlichen Bildes im Lande. "In letzter Zeit, und immer immer häufiger halten Banken Löhne oder Pensionen teilweise oder ganz zurück, wenn die Kontoinhaber bei ihnen über Kredite verschuldet sind, deren Rückzahlung wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Situation im Lande im Rückstand ist oder wenn der Rückstand droht. Damit schneiden die Banken ohne Rücksicht betroffene Rentner oder Arbeitnehmer von jeglicher halbwegs normaler Lebensführung ab, obwohl das auch in Griecheneland per Gesetz verboten ist". Das heisse, jene griechischen Banken handeln ungestraft kriminell. Den auch in Griechenland muss der Bankkunde der Einbehaltung von Einkommen für Kredite seine Zustimmung erteilen. Das gesetzwidrige Verhalten der Banken sei eine Straftat und erfülle den Straftatbestand der Veruntreuung. Ländliche Banken, die Eurobank Piräus u.a. seien vom Generalsekrektariat für Verbraucherschutz in Umsetzung der Rechtsvorschriften des Verbraucherschutzes mit Geldbußen in Höhe von EUR 260.000 Euro abgemahnt. Dennoch nimmt die kriminelle Praxis der Banken weiter zu.

1.12.2012

Trickser aus dem Ruhrpott - Gerichtsbericht

Zittau. Eine weite Anreise zur Gerichts-Verhandlung hatte der fast 50jährige Angeklagte Lothar K. aus Essen am vergangenen Mittwoch. Das Amtsgericht Zittau hatte am 22. März 2011 wegen Beihilfe zum Betrug einen Strafbefehl gegen ihn erlassen. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Angeklagte zwei Tage danach Widerspruch eingelegt. Und dieser sollte nunmehr vor dem Amtsgericht Zittau verhandelt werden.

Vorgeschichte: Der Zeuge Dr. war 2009 freischaffender Autoein- und verkäufer für ein Essener Autohaus tätig, dass bei einer Auktion eine ganze Flotte stillgelegter, ehemals als Geldtransporter genutzter VW T4-Busse ersteigert hatte.

Im Januar 2009 bot der Zeuge Dr. über ebay einen solchen VW-Bus T4 für 2.500 Euro zum Verkauf an. Das Fahrzeug wurde als „zur Ersatzteilgewinnung geeignet“, gleichzeitig aber als „fahrbereit“ beschrieben, mit einer bisherigen Fahrleistung von 222.222 Kilometern und dem Erstzulassungsdatum.

Interesse an diesem Fahrzeug hatte ein Zittauer. Der ersteigerte des Auto, zahlte zunächst den vereinbarten Kaufpreis und später noch einmal 300 Euro Speditionsgebühren für den Transport des VW T4 nach Zittau auf das Konto ein, dass bei ebay für die Transaktion angegeben war. Und eben dieses Konto gehörte nicht dem Autoverkäufer Dr. oder etwa dem Autohaus, sondern dem Angeklagten Lothar K. „Herr D., der Verkäufer, mit dem ich bekannt bin, hatte mich gebeten, mein Konto nutzen zu dürfen für die Zahlung des Kaufpreises einerseits und später für den Einzug der ebay-Gebühren für die Transaktion“, erklärte Lothar K. dem Gericht. „Ich habe es Dr. erlaubt, weil der über kein eigenes Konto in Deutschland verfügt“.

Für den Zittauer Käufer des VW T4 , Andre De. gab es ein mehr oder weniger böses Erwachen aus seinem ebay-Kauftraum. Nahezu alle Angaben zum verkauften Auto stimmten nicht. Das Fahrzeug, dass auf einem Autotransporter des Essener Autohauses nach Zittau gebracht worden war, war nicht fahrbereit. Die Fahrzeugbatterien waren „hinüber“, was einem nach jahrelanger Standzeit des Fahrzeuges auf einem Lagerplatz nicht verwundern sollte. Der angegebene Kilometerstand wurde mit tatsächlich gefahrenen 360.000 Kilometern deutlich übertroffen und auch beim Erstzulassungsdatum hatte der Verkäufer und Zeuge Dr. sich deutlich „verschätzt“. Um mindestens sechs Jahre. „Na ja, was sollte ich machen. Die Batterien waren tot. Ich konnte also den Kilometerstand gar nicht ablesen, da habe ich einfach eine Schnapszahl eingetragen“, erklärte er die Abweichungen vor Gericht.

Für den Autokäufer entstand aus diesem Geschäft neben dem Kaufpreis von 2.850 Euro aus Kauf und Transport ein zusätzlicher Schaden von rund 1.800 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte 2011 wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betrugs ermittelt. Beim Angeklagten Lothar K. ging sie davon aus, dass K. mit der Bereitstellung seines Kontos zur Verschleierung des gemeinschaftlichen Betrugs beigetragen und zweitens die „Wäsche“ des Geldes aus dem betrügerischen Autoverkaufs ermöglicht habe. Darum war der Strafbefehl erlassen worden. K. zog sich auf den Standpunkt zurück, mit dem einmaligen zur Verfügungstellen seines Kontos habe er dem Zeugen Dr. lediglich einen Gefallen tun wollen. Etwas anderes war Lothar K. am Mittwoch Dank eher dürftiger Vorermittlungsergebnisse auch nicht nachweisbar. Richter Kai Ronsdorf musste den Angeklagten freisprechen, weil das Gericht K. weder eine Mittäterschaft am Betrug, noch die Beihilfe zum Betrug noch die Geldwäsche beweisen konnte.

Erstaunliche Notiz am Rande: Der Freigesprochene und die zwei Zeugen (Autohausbesitzer und Autoverkäufer) trafen sich nach Schluss der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Hatten sie sich während der Verhandlung (bei den Aussagen) außerordentlich um Distanz zueinander bemüht, klopften sie sich jetzt gegenseitig die Schultern und waren außerordentlich „locker“. Das kann von einem Gefühl von Erleichterung verursacht gewesen oder . . . aber das ist wohl schon wieder eine andere Geschichte.


1.09.2012

Wuff Wullf!

Es ist ja genug geschrieben und gesülzt worden zu Wullf. Also soll mein Sülz nicht fehlen. Ich meine, hätte Wullf mehr als zwei Hirnwindungen, wäre er längst aus dem Amt geschieden. Und sei es nur, um weiteren Schaden vom höchsten politischen Staatsamt abzuwenden. Zweitens: "Bild" testet jetzt den aktiven Eingriff in das politische System und ob man die letzen Grenzen überwinden kann - schön arbeitsteilig mit dem Spiegel, den copy&paste-Medien sowieso und -parteiübergreifend - mit der politischen Klasse, die schon jetzt nicht Wulls Rücktritt fordert, sondern nach einem "neuen, von allen Bundesparteien akzeptierten Kandidaten" sucht.
Wie es endet? Erfahrungsgemäß im Nirvana. Und so werden wir uns in ein paar Wochen verwundert fragen "War da was?"

Hier ist die Polizei . . .

Das Telefon klingelt sowieso zu unrechter Zeit. Eine markige Stimme sagt: "Hier ist die Polizei. Sicher wissen Sie schon, dass ihre Daten wie auch die von Millionen anderer Bürger im Inernet kursieren. Wir möchten diesem Datenmißbrauch bekämpfen und brauchen dazu auch ihre Hilfe. Wenn Sie dabie mitwirkken möchten, drücken Sie als erstes die Raute-Taste . . .". Weiter habe ich nicht zugehört, sondern - ohne Raute-Taste zu drücken - aufgelegt.
Frage: Wie blöd wird es denn noch?

12.18.2011

Wut und Enttäuschung

"Für mich ist unsere Existenz eine schmerzhafte, albtraumhafte und völlig sinnlose Erfahrung" bekundete Woody Allen in einem Interview mit der "Sächsische Zeitung" Dresden am 30. August seine Sicht auf die Dinge des Lebens.

Am ehesten werden rein gefühlsmäßig die griechischen Bürger (ausgenommen die Bankster, die politische Klasse und die einheimischen Raubtierkapitalisten) dieser Allen-Erfahrung zustimmen. Das kann man auch aus den Ergebnissen einer Umfrage des griechischen Meinungsforschungsinstitutes MRP herauslesen, die die "Griechenland-Zeitung" Athen in dieser Woche (18.12.2011) auszugsweise veröffentlicht hat. Unterm Strich umreißt die MRB-Umfrage die allgemeine Stimmung im Lande als äußerst negativ. 57 % beschreiben ihre Empfinden mit dem Wort "Enttäuschung", 51,8 % mit "Wut", 45,9 % mit "Angst", 38,4 mit "Scham", 20,2 % mit "Unterwerfung". Lediglich 9,2 % sprechen von "Hoffnung". 65,7 % sind der Meinung, dass Griechenland im Bankrott versinken knnte. Die Ansicht, dass das nicht der Fall sein wird vertreten 30,7 % der von MRB Befragten.

Ist es nicht schon wieder verdächtig still im Mainstream-Wald zum Thema Griechische Finanzkrise? Klar zwar gibt es immer wieder Streiks in Athen, Thessaloniki und anderen Orten. Aber solange es dabei keine "Krawalle" gibt, ist das für unsere Medien keine Meldung wert.

Unser täglich Fernsehen . . . .

. . . . gieb uns auch heute.

12.02.2011

Faschisierung

Der BBC-Fernsehmoderator Jeremy Clarkson hat in der Sendung »The One Show« gefordert, die Streikenden zu erschießen: »Ich würde sie nach draußen bringen und dann vor ihren Familien hinrichten.« Wie könnten es die Staatsangestellten wagen, trotz ihrer sicherer Pensionen die Arbeit niederzulegen, »während der Rest von uns für seinen Lebensunterhalt arbeiten muß«, wetterte Clarkson, dessen Vermögen auf mehrere Millionen Pfund geschätzt wird. Quelle: http://www.jungewelt.de/2011/12-02/029.php

12.01.2011

Die bemerkenswerte Rede einer Griechin


Rede von Nadia Valavani auf der Kundgebung
“Gegen die Diktatur der Finanzmärkte” der Linken
am 18. November 2011 in Frankfurt

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Genossinnen und Genossen!
Eure Einladung, bei Euch auf der Kundgebung der Partei DIE LINKE hier in Frankfurt zu sprechen, ist eine große Ehre für mich.
Wir danken Euch für Eure Solidarität, weil Ihr dem deutschen Volk mutig die ganze Wahrheit sagt: dass das griechische Volk nicht kollektiv für die Krise verantwortlich ist. Die Krise hat Griechenland nicht erfasst, weil die Griechen – ebenso wenig wie die Arbeitnehmer von Island, Portugal, Irland und der anderen europäischen Staaten – faul und korrupt sind. Korrupt sind die Griechen, die von Siemens und internationalen Rüstungskonzernen Schmiergelder angenommen haben, um überteuerte digitale Tele-Verbindungen und nutzlose Waffensysteme zu kaufen. Korrupt sind auch diejenigen in Deutschland, die
Schmiergelder vergeben haben. Wir danken der LINKEN dafür, dass sie die Deutschen darüber aufgeklärt hat, was die Troika und die griechische Regierung dem griechischen Volk verheimlichen wollen: Kein einziger Euro von den 65 Milliarden, die Griechenland bis heute von der Troika als teures Darlehen bekommen hat, ist für Löhne oder die Subvention von Renten ausgezahlt worden. Alles ist den Banken zugeflossen, als Zinsen für
Darlehen, deren Kapital schon bis zu 10 Mal bezahlt worden ist. Die Krise in Griechenland und in den anderen sogenannten “infizierten” Ländern ist eine systemische Krise.

Liebe Freunde und Genossen!
Meine Heimat ist heute in der schwierigsten Lage seit der Zeit der Nazi-Besetzung und des
Bürgerkrieges. Ein unfähiges und korruptes politisches System hat die Spekulation und das
Schmarotzertum in jeder Weise verstärkt, indem es die neoliberalen Anweisungen des europäischen und internationalen Finanzkapitals wortwörtlich befolgt hat. Die früher exportfähige griechische Landwirtschaft wurde verwüstet, die kleine industrielle Basis des Landes zersetzt. Stattdessen wurden die griechischen Reeder von jeder Steuerlast befreit; es wurde ein prinzipienloses touristisches Entwicklungsmodell begünstigt, das total von den großen deutschen und europäischen Reiseveranstaltern abhängig ist. Dieses politische System hat die Arbeitnehmer schutzlos in den Mahlstrom der großen strukturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen kapitalistischen Krise geführt. Unter der verheerenden Leitung von Papandreou hat dieses politische System den Angriff der
Märkte gegen Griechenland, dem schwächsten Glied in der Euroz!ne, erleichtert und dabei geholfen, einen Spekulantensturm ausbrechen zu lassen. Deshalb wurde der Internationale Währungsfond nach Griechenland und Europa gerufen: um zu garantieren, dass die Banken ihre Zinsen weiterhin einnehmen können – unbeschadet der Trümmer, die sie hinterlassen.
Im Frühling letzten Jahres wurde klar, dass Griechenland zwar die Grundbedürfnisse seiner Bevölkerung weiterhin befriedigen, aber nicht !gleichzeitig seine Zinsen zahlen kann. Was hat die griechische Regierung draufhin getan? Sie hat bei der Troika "uflucht gesucht und das extrem neoliberale Memorandum mit der Europäischen Kommission, der Europäischen "entralbank und dem Internationalen Währungsfond akzeptiert, statt die Auszahlung der Darlehen auszusetzen, um in einer Wiederverhandlung eine drastische Streichung der mehrfach bezahlten griechischen Staatsschulden zu erreichen und wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen zugunsten der Arbeitnehmer einzuleiten. Trotz
des vollen Misserfolgs des Memorandums, besser gesagt des Abkommens, wurde Griechenland im letzten Juli von der Troika das „Mittelfristige Programm“ – bis 2015 – auferlegt. Dieses Programm führt zur totalen Plünderung des staatlichen Reichtums durch ein riesiges Privatisierungsprogramm, mit dem eigentlich alles bis auf die nationalen Wälder und die Akropolis in den Ausverkauf kommt – und das als Voraussetzung für einen “Haircut” der griechischen Schuldscheine, der ganz fiktiv als ein Schuldenschnitt von 50% dargestellt wird.
Mit dem Memorandum und dem mittelfristigen Programm hat das Land seine nationale Unabhängigkeit verloren. Die Demokratie wurde zunichte gemacht, die Verfassung des Landes wird jeden Tag verletzt.
Die Wirtschaft wird planvoll zerstört. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich im letzten Jahr um 14% verringert. Das griechische Volk wird systematisch in die Verelendung getrieben. In den letzten zwei Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit mehr als verdoppelt. Bis Ende des Jahres werden wir mehr als eine Million offiziell gemeldete Arbeitslose haben – das ist eine Arbeitslosenquote von 21 %. Das größte Verbrechen aber wird gegen die Jugend begangen: 43 % der griechischen Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos. Es geht nicht mehr nur um eine “verlorene” Generation – es geht um einen echten gesellschaftlichen Völkermord. Hier und heute findet in Griechenland ein gigantisches gesellschaftliches Experiment statt. Wir sind zu Versuchstieren gemacht worden, um beispiellose Maßnahmen auszuprobieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, bevor die gleichen Maßnahmen den anderen europäischen Ländern auferlegt werden. In nur
18 Monaten ist das 20. Jahrhundert im Bereich der Arbeitsrechte ganz abgeschafft worden. Am 27.November werden, gegen die Verfassung, die ersten 30000 Entlassungen im öffentlichen Dienst stattfinden. Die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden um 40% und im privaten Bereich um mehr als 10% verringert. Das neue, noch nie dagewesene Verbot, gewerkschaftliche Tarifverträge abzuschließen, das bis 2015 gelten soll, führt unter Verletzung der Verfassung und der internationalen Arbeitsverträge zur Einschränkung der Gewerkschaftsbewegung und zur Aufkündigung der bestehenden Gewerkschaftsverträge. Die Troika kommt ihrem Ziel, den griechischen Mindestlohn zu ‘‘balkanisieren“, immer näher. Die Löhne würden dann für eine Vollzeitarbeit auf 350 bis 450 Euro pro Monat fallen,
während die Preise in Griechenland so hoch wie in Deutschland sind. Die 400.000 Geschäfte, die schließen mussten, zeigen, wie rasch die mittleren Schichten schwinden. Immer denselben Menschen, den Arbeitnehmern und Rentnern, werden immer neue Steuern aufgebürdet. Die Selbstmorde haben sich in letztem Jahr mehr als verdoppelt. Das öffentliche Schulsystem und das nationale Gesundheitssystem lösen sich auf. Hunger ist inzwischen ein ernstzunehmendes Problem in Griechenland.

Liebe Genossen und Freunde!
Seit dem Frühjahr 2010 demonstrieren fast jeden Tag Tausende von Menschen in ganz Griechenland, um ihren politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Vom 25. Mai bis Anfang Juli wurde der Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament in Athen von Bürgern besetzt. Dort endete auch der zweitägige Generalstreik vom 19. und 20. Oktober dieses Jahres, der vierte zweitägige Generalstreik in der Geschichte Griechenlands seit 1918. Gleichzeitig demonstrierten eine halbe Million Menschen auf den Straßen der griechischen Städte. Der 28. Oktober ist der griechische Nationalfeiertag. An diesem Tag feiert das griechische Volk seinen Widerstand gegen die faschistische Regierung Mussolinis, der es am 28. Oktober 1940 den verlangten freien Durchmarsch der italienischen Armee durch das Land verweigerte. Aus Wut und Verzweiflung
machten die Griechen dieses historische Nein in diesem Jahr zu einem Nein gegen die Politik der Troika: Überall im ganzen Land wurden die Ehrengäste von den Tribünen in den Städten, auch den kleinsten, vertrieben, und statt der Armee demonstrierten Schüler vor den Veteranen des antifaschistischen Widerstands. In Thessaloniki fand deshalb die Armeeparade nicht statt, und der Präsident der Republik  zog sich von den Feierlichkeiten zurück. Es war unter dem Eindruck dieser Ereignisse, dass Papandreou die Volksabstimmung vorschlug, um so einen letzten Versuch zu machen, das griechische Volk zu erpressen. Die Reaktionen von Merkel, Sarkosy und Olli Rehn auf diesen Vorschlag machten restlos klar, dass die europäische Elite nichts mehr fürchtet als die Artikulation des Volkswillens – egal, in welcher Form. SYRIZA, die KPG und die anderen Kräfte der griechischen Linken verlangen, dass das griechische Volk durch die Wahlen seinen Willen zum Ausdruck bringen kann. Trotz verschiedener Standpunkte über die Eurozone ist das gemeinsame Motto der Linken “Die Krise soll von denen bezahlt werden, die sie hervorgerufen haben, die Banken und das Kapital!” und “Keine Opfer für den Euro!”
Der Chef der neuen griechischen Regierung !– mit Ministern aus allen Parteien, die das Memorandum unterstützen: PASOK, Nea Dimokratia und die rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Partei LAOS – ist ein internationaler Bankier aus den ersten Reihen der Finanzkapitalistischen Internationale, bis vor kurzem Einwohner des Bankenviertels hier in Frankfurt. Die Mission dieser Regierung ist es, die Beschlüsse der Gipfelkonferenz der Europäischen Union vom 26. Oktober umzusetzen. Mit der Durchführung dieser Beschlüsse wird das griechische Volk spätestens bis 2021 in
die absolute Verelendung geführt; das öffentliche Vermögen des Landes wird von den Banken und den internationalen Konzernen geplündert. Unser Volk verliert alles wegen nichts – denn auf dem geplanten Weg werden die griechischen Schulden im Jahre 2020 auf dem Stand von 2009 sein – also so hoch wie zu Beginn dieses Abenteuers.
Das wirkliche Ziel ist aber ein anderes: Der Ausnahmefall Griechenland soll die Regel für alle europäischen Länder werden. Das Finanzkapital ist dabei, einen neuen Typus der Kapitalakkumulation zu entwickeln, der sogar am Boden des Fasses kratzt. Die vielschichtige systemische Krise zeigt auf die eindrucksvollste Weise, dass die Ökonomien der entwickelten kapitalistischen Länder nicht mehr überleben können, ohne dafür das Einkommen, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard ihrer Völker stark einzuschränken. Als die Bankiers das Schuldennetz über die Länder und die Völker warfen, wussten sie sehr genau, wer ihr nächstes Opfer sein würde: die Demokratie. Wie Thukydides in der Grabrede von Perikles schrieb: “…und diese Regierungsform heißt, weil sie nicht auf die Vorteile der wenigen, sondern der vielen zielt, Demokratie…” Heute wird die Demokratie zunichte gemacht, weil die Mehrheit von einer Minderheit zu deren Vorteil beherrscht wird – es herrscht die Diktatur der Finanzmärkte. Es ist kein Zufall, dass
Brüssel, Berlin, Paris und Athen allein bei dem Gedanken, dass es in Griechenland zur Bekundung des demokratischen Willens des Volkes kommen könnte, förmlich krank werden. Bertolt Brechts Vorschlag, “Es wäre doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes”, scheint wie für die Troika gemacht.

Liebe Genossen und Freunde!
In Griechenland kämpfen wir für das Überleben und die Menschenwürde unseres Volkes. Wir kämpfen für die Entmachtung der neuen Regierung, um die Ketten der alten und neuen Memoranden zu brechen.
Wir kämpfen für die Wiederherstellung einer umfassenden, größtmöglichen demokratischen
Rechtmäßigkeit. Wir wollen keine Raten und keine Darlehen, wir brauchen keine Retter, wir wollen nicht von anderen mit Gewalt gerettet werden. Wir wollen nicht, dass die Vertreter der Banken uns vor den Bankern retten. Wir wollen uns selbst retten, gestützt nur auf unsere Kämpfe und ebenso auf die Kämpfe und die Solidarität der Arbeitnehmer und der europäischen Völker. Gestützt auf eure Kämpfe, auf eure Solidarität.
Unter den Bürgern und den linken Kräften in unserem Land gewinnt die Idee von einer großen, breiten Front von politischen und gesellschaftlichen Kräften, die die jetzige Situation grundlegend verändern könnte, mehr und mehr und mehr an Boden. Wir lehnen das Abkommen vom 26. Oktober ab. Wir kämpfen für eine Pause in der Darlehenrückzahlung und das drastische Abschreiben der griechischen Staatschulden. Wir müssen die Banken und die Unternehmen mit strategischer Bedeutung vergesellschaften bzw. verstaatlichen, um die Voraussetzungen für eine völlig neue Entwicklung der griechischen Wirtschaft zu schaffen: eine umwelt- und menschenfreundliche, den Charakteristika und Möglichkeiten Griechenlands angemessene Entwicklung. Für diese Entwicklung braucht Griechenland
dringend die internationale Unterstützung Europas und der ganzen Welt!. 


Liebe Freundinnen und Freunde!
Schaut uns heute genau an: Das ist die Zukunft, die sie für alle bereit halten. Die Glocken läuten nicht nur für die Griechen. Sie läuten für alle.
Lasst uns zusammen für eine grundsätzlich andere, friedliche und befreiende Zukunft für die
arbeitenden Menschen, für alle Völker Europas und der ganzen Welt kämpfen.


Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=11440