10.13.2009

Grünes Abführmittel

In der DDR gab es eine lustige Stammtisch-Quizfrage: "Was ist ein grünes Abführmittel?" Antwort: "Eine Volkspolizist". Jetzt tauchen Frage und Antwort - modifiziert natürlich - neu auf: "Was ist ein Abführmittel?" Antwort: "Die Grünen". Die kleinbürgerliche Partei der Mittelstufenlehrer mit Angriffskriegserfahrungen aus den frühen 90ern, die mit den Landtagswahlen im Saarland einen Politikwechsel erreichen wollte, hat sich - den Aasgeruch der Macht schon in der Nase - CDU und FDP an den Hals geworfen und die Linke düpiert. War´s das schon? Der Linken bleibt die Rolle der starken oppositionellen Kraft in Jamaika-Land. Und das ist mehr als genug für die Überzeugungsarbeit unter den Grünen-Wählern, dass man mit einer kleinbürgerlichen Partei eben doch keinen Politikwechsel erreichen kann, dass wer Veränderungen wünscht, sich nicht auf ein Abführmittel verlassen kann.

8.17.2009

Kathleen K. ist weg - Update

Die erste Hälfte der Geschichte um Kathleen K. ist schon erzählt. Aber es gibt einen zweiten Teil - oder wie man heutzutage sagt - ein Update. Und der (das) beginnt mit einer Korrektur. Kathleen K. heißt nicht Kathleen sondern Katrin. Alles andere war ein "Hörfehler" der Polizei. Wir waren davon ausgegangen, dass der jungen Frau irgendwas passiert sein könnte und deshalb ihr Auto verwaist auf dem Hain rumstand. Und wir hatten recht. Eine Woche nach dem mysteriösen Verschwinden Katrins, hatten wir zwei Anrufe. Die Wirtin eines Gasthauses im Nachbarort erzählt am Telefon, dass eine Woche nach dem Verschwinden in den Morgenstunden eine junge Frau bei ihr aufgetaucht sei, durchnässt und unterkühlt und völlig "von der Rolle". Sie habe undeutlich gesprochen, etwas gesagt wie "die haben mich unter Drogen gesetzt". Die ratlose Wirtin habe sie gefragt, wen sie anrufen solle, die Polizei oder den Notarzt. Katrin K. habe sich für letzeres entschieden. Und der habe sie kurze Zeit später auch abgeholt. Katrin K. landete im Kreiskrankenhaus Zittau. Ihr Auto wurde wenig später von einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes von der Straße auf einen nahe gelegenen Parkplatz gefahren, aufgeräumt und abgestellt. Im Zittauer Krankenhaus blieb Katrin K. eine Woche lang, danach wurde sie in eine Dresdner Klinik verlegt. Dort wurde sie weitere fünf Wochen behandelt.
Der zweite Anruf (siehe oben) ging nachts 01.30 Uhr beim Kammbauden-Wirt Knut Popken ein. Die Bundespolizei war dran: Es sei ganz wichtig, denn Katrin K. sei seit diesem Tag (auf Grund einer Vermißtenmeldung) zur Fahndung ausgeschrieben. Ob Herr Popken etwas neues über den möglichen Aufenthaltsort der Katrin K. wisse? Und ob das Auto noch immer da stehe?
Mit unseren Befürchtungen lagen wir richtig. Dass Katrin K. Opfer einer Straftat wurde, ist nach Lage der Dinge kaum noch zu bezweifeln. Das sie die Tat überlebt hat, war reines Glück und offensichtlich auch dem Können von Ärzten in zwei Kliniken zu verdanken.
Vor einer Woche hat sie nun ihr Auto abgeholt - heimlich still und leise.

7.15.2009

Die Piraten, die Reiseveranstalter und die deutschen Reedereien

"Die Piratenüberfälle haben sich in der ersten Jahreshälfte 2009 im Vergleich zum Vorjahr weltweit mehr als verdoppelt. Ihre Zahl stieg von 114 auf 240, teilte das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) mit. Genau wie im letzten Quartalsbericht ist die Zunahme nahezu vollständig auf die gestiegenen "Piraterieaktivitäten" im Golf von Aden (86 Fälle) und vor der Ostküste Somalias (44 Vorfällen) zurückzuführen, heißt es in dem Bericht" meldet am heutigen 15. Juli die "tagesschau". Womit wir a) bei der griechischen Mythologie angekommen sind, uns aber dabei - so schön das Thema sein könnte - nicht lange aufhalten, sondern b) weiter gehen wollen zur nach der jungfräulichen Jägerin benannten EU-Militäraktion "Atalanta".
Diese Aktion hat bisher zumindest zu einem Erfolg geführt: Die Piraten haben die militärische Herausforderung der EU angenommen, wechseln vielleicht mal die Schauplätze, intensivieren ansonsten aber ihre Angriffe nur. Also vergesst Atalanta (jungfräuliche Jägerin? Wie blöd muss man sein, ein militärisches Vorhaben so zu benennen?) Zweitens gibt es viel effizientere Methoden, die Piraterie auszumerzen. Jedenfalls wenn man der Internetsite < www.somalicruises.com> glaubt. Die wirbt (siehe Screenshot) nämlich für Kreuzfahrten der besonderen Art in den Gewässern vor Somalia und anderswo zur Piratenjagd. Der Veranstalter sorgt auch für die zum Gelingen der Jagd notwendigen Ausrüstung. Gegen eine Leihgebühr können an Bord auch schwere Waffen ausgeliehen werden (sofern man nicht selbst über solche verfügt).
Zur Beruhigung. Die Internetsite ist ein Fake, a Hoax, ein schlechter Scherz. Andererseits ist es durchaus denkbar, daß irgend jemand die Idee aufgreift und verwirklicht nach dem Motto "wenn´s Geld bringt?!
Die deutschen Reeder verfahren doch so schon seit Jahren. 3500 Schiffe im Besitz deutscher Reeder oder Reedereien sind auf den Weltmeeren unter irgendeiner Billiglohn-Flagge unterwegs. 500 wollen die Reeder in der nächsten Zeit wieder "einflaggen", aber nur unter der Bedingung, daß die Bundesrepublik die Kostenlast für die Reederein drastisch verringert (um mindestens zwei Drittel soll es durch Änderungen des Steuerrechts etc. gehen) und sich der Bund bereiterklärt, den Rest zu subventionieren. Das ist das Lumpenpack von Reedern und Piraten auf See ja unter sich.

7.11.2009

Biddel mehr sächsch gefällisch, hä?

Kennen Sie noch Steffen Heitmann? Ja, einst sächsischer Justizminister und Kohl´scher Lieblings-Bundespräsidentschaftskandidatendarsteller. Gescheitert ist er in der Rolle, weil er damals mal wieder nicht seinen Geist im Zaume halten konnte. Oder anders, der hatte es schon damals immer bisssel mitn Kopp. Er hatte damals ungefähr sowas gesagt wie: Frauen gehören in die Küche, an den Herd und an die Kette. Und die muss so kurz sein, dass sie es auf keinen Fall bis ins Wohnzimmer schaffen. Einmal im Monat dürfen sie ab von der Kette ins Bette wegen der ehelichen Dingsda - Pflichten. Das hatte ihn die letzte Chance auf die Bundespräsidenten-Darsteller-Rolle gebracht.
Ach Sie erinnern sich? Dann haben Sie womöglich auch gehört, dass er sein damals und bis heute wohlwollend aufgenommes Schweigen gebrochen hat dieser Tage. Nach einer Meldung der Tageszeitung "Die Welt" fordert die sächsische CDU die verstärkte Pflege des sächsischen Dialekts im MDR-Programm. Und Heitmann soll dazu angemerkt haben, dass sächsisch zwar nicht beliebt sei. Das liege auch an Walter Ulbrichts Aussprache. „Trotzdem hat der MDR die Aufgabe, die Identität der Zuschauer zu stärken.“ Was, mit Walter Ulbricht???? Bevor sich mein Hör,- Denk- und Gleichgewichtsvermögen in einem mittelschweren Tinitusanfall aufzulösen begann, träumte ich noch einen sächsischen Wetterbericht: Vom Nordn kummt e Tief nachm Osten gezoochen , also wer mer morschen räschen krieschen.
Der Anfall ging, so schnell er gekommen war. Ich nahm das Telefon und wählte 112, den Rettungsdienst. Aus dem Hörer erschallte Musik, nur unterbrochen von der Ansage. "Bitte warten, unsere Anschlüsse sind derzeit alle belegt. Sobald einer unserer Rettungssanitäter frei ist, werden wir sie mit ihm verbinden. Das ging erst mal fünf Minuten so, bis ein mitleidiges Knacken mich befreite: "Hier iss Olaf Berger, Rettungssanitäter in der Leitstelle Dresden. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind der 2009te Anrufer und haben soeben eine Jahresbesuchserlaubnis für die Klapse gewonnen, in die wir Herr Heitmann gleich einliefern werden".

7.04.2009

Kathleen K. ist weg und niemanden interessierts

Am 28. Juni gab es auf dem Hain den II. 24-h-MountainBikeMarathon, ein von Radsportenthusiasten organisiertes Radsportfest. 200 Starter traten an, dutzende Betreuer und Organisatoren tummelten sich auf dem Hain und hunderte Besucher kamen, viele mit dem Auto. Was blieb am Sonntagabend davon? Ein bißchen nachschwingende Volksfeststimmung, bleibende Eindrücke von den pealritterlichen Leistungen und ein herrenloses Auto.

Wenige Schritte vom Wandergrenzübergang nach Tschechien steht seit einer Woche ein verlassenes Fahrzeug. Diie Faherin ist genau so lange unauffindbar.

Gegenüber der Einfahrt zur «Kammbaude» steht ein «Toyota». Er steht im Weg, wenn die Lieferfahrzeuge für die «Kammbaude» kommen. «Na ja», sagt Kammbauden-Wirt Knut Popken, «der ist vielleicht wandern und noch nicht zurück. Wird schon noch auftauchen». Am Montag steht das Auto immer noch. Einer der Mountainbiker ist Bundespolizist und kommt gerade vorbei. Der kümmert sich auf unseren Wunsch hin um das herrenlose Auto. «Es gehört einer Kathleen K. Aus Dresden. Das Auto ist nicht zur Fahndung ausgeschrieben, also nicht geklaut. Mehr wissen wir nicht».
Das gleiche Spiel am Dienstag. Es, das Auto, ist noch immer nicht zur Fahnung ausgeschrieben. Wir sehen uns das Fahrzeug genauer an. Es steht da, als ob die Besitzerin es nur mal schnell verlassen hätte. So, wie man ein Auto vielleicht verlässt, wenn man mal kurz auf Toilette muss. Vor dem Fahrersitz stehen ein paar hübsche Korksandalen. In der Ablage liegen gut sichtbar 35 Euro in Scheinen und einige Münzen, auf dem Beifahrersitz steht eine halbgeöffnete Sporttasche, daneben ein Beutel mit belegten Brötchen und ein Tetrapack Milch mit Schraubverschluss, der offen ist. Auf dem Rücksitz liegt eine braune Jacke. Der Fahrersitz ist schräg nach hinten geklappt, so als ob die Fahrerin vor dem Aussteigen darauf geschlafen hätte. Uns kommen Zweifel. Wir suchen in den Teilnehmerlisten des 24-h-MTB nach ihrem Namen. Sie ist nicht dabei.
Natürlich kann es trotzdem eine harmlose Erklärung geben. Dazu muss die Autobesitzerin nur unbedarft genug sein, ihr Auto tatsächlich nur für eine Wanderung da abgestellt zu haben, worauf die abgelegten Korksandlen deuten könnten..Hätte sie dann aber - es war Schittwetter auf dem Hain am Sonnabend/Sonntag - ihre Jacke nicht angezogen? Was ist, wenn alles ganz anders ist? Was, wenn die Frau tatsächlich wandert und ihr etwas zustieß? Wir ziehen alles mögliche in Betracht: vom Zuckerschock über einen möglichen Absturz von einem Felsen, auch Selbstmord und selbst ein Gewaltverbrechen.
Mittlerweile, erfahren wir, sind Dresdner Polizisten zur Wohnung der 39jährigen gefahren, haben sie aber nicht angetroffen. Punkt. Wir reden wieder mit der Polizei, auch mit der Landespolizei. Zur Antwort bekommen wir: «Das Auto ist nicht als gestohlen gemeldet, die Frau nicht als vermisst». Das ist am Mittwoch. Am Donnerstag taucht der Fall als widerrechtlich abgestelltes Fahrzeug (also Sache des lokalen Ordnungsamtes) erstmals im «Lagefilm» (Bericht über Vorkommnisse im Bereich der Polizeidirektion) auf. Andere Neuigkeiten gibt es nicht.
Wir machen das, was eigentlich die Polizei machen sollte, auf unsere Weise. Wir «googeln» nach Kathleen K. Es gibt zwei in Dresden. Wir rufen die erste an. Es meldet sich niemand. Die zweite Möglichkeit stellt sich als Nullnummer heraus. Die Frau fährt einen blauen Opel, ist aber auch nicht zu Hause., erfahren wir von ihrem Freund. Wir kommen nicht weiter und bei der Polizei verschiebt man die Geschichte von einem Zuständigkeitsbereich zum anderen. Darüber hätten wir gene mit Uwe Horbaschk gesprochen, dem Pressesprecher der Polizeidirektion. Der aber ist auch nicht erreichbar. Heute ist Sonnabend. Seit einer Woche steht hier ein herrenloses Auto. Von der Fahrerin fehlt jede Spur und uns die Gelassenheit der Polizei. Natürlich können wir uns irren. Dann sind wir vielleicht so was wie Deppen. Aber wir haben wenigstens versucht herauszufinden, warum und wohin ein Mensch verschwindet?

6.11.2009

Der Arzt als Daten-Dealer?

Morgens halb Zehn in einem deutschen Wartezimmer: Der Raum ist schätzungsweise fünf mal fünf Meter. Das macht rund 20 Meter Wand, abzüglich einer ziemlich freundlich gestalteten Kinderspielecke. Am Rest der Wände stehen Stühle, genau 15 davon von Patienten besetzt. Die meisten schweigen die Wände an oder blättern in den üblichen verdächtigen Fortbildungs-Medien a la "Super-Illu" oder Broschüren der Pharma-Industrie. In der Stuhlreihe an der Wand links sind noch ein paar Plätze frei. Ich nehme punkt 9.25 Uhr - fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin - den Stuhl neben zwei Männern, die in ein Gespräch über ihre Krankengeschichten vertieft sind. Einer von beiden hat ein paar blaue Krücken dabei. Er sei gerade aus Rothenburg zurück - "Hüftgelenk" sagt er und alles sei gut gegangen. Wie schon vor zwei Jahren mit den beiden neuen Kniegelenken. Der andere winkt ab. "Mir wollten sie einen Oberschenkelhalsbruch reparieren mit Schrauben und ham´s versaut. Nach drei Tagen hatte ich eine Entzündung drin. Das war vor einem Jahr. Seitdem odysseiiere ich durch alle möglichen Kliniken und kann trotzdem noch nicht wieder richtig laufen. Zuerst wollten sie mir die Schrauben wieder entfernen, konnten es aber nicht, weil sie - angeblich- nicht das passenden Werkzeug dazu hätten". War der auf der ISS? Die haben dort ja auch immer das nicht richtige Werkzeug. Oder das Werkzeug versagt, wie letzlich beim Außeneinsatz die berüchtigte kaputte Ratsche. Ich beschloss wegzuhören, als der mit den blauen Kücken tief Luft holte: "Hat meine Großmutter schon gesagt. Willste nicht alt und krank sterben, musste dich früh genug aufhängen!"
In gleichen Augenblick sagt einer, der mit seiner Frau in der Diagonale mir gegenüber saß mit außerordentlicher Entschiedenheit: "Nein, das unterschreibe ich nicht. Das nicht! Zerknüllte einen Zettel und warf ihn in einen Papierkorb in seiner Nähe. Was gehen denn Versicherungen oder Gutachtern meinen Patientendaten oder Krankengeschichten an, polterte er weiter. Ich zuckte gedanklich mit den Schultern. Was mag der bloß haben?
Vier Plätze neben dem Ehepaar hockte eine sichtlich verdrossen vor sich hinblickende Damen um die 60. Irgendetwas bohrte in ihr. Eine halbe Stunde murmelnde Stimmen später platze sie: "Jetzt reicht es. Seit halber Neune sitz ich hier und nichts tut sich, weil so ein Affe von Pharma-Vetreter dem Doktor und uns die Zeit klaut. Ich gehe jetzt mal fragen, was werden soll. Sprach´s und verließ mit inzwischen zornigen Gesicht das Wartezimmer, segelte in Richtung Anmelde-Theke. Was draußen geredet wurde, konnte ich nicht verstehen. Die meuterwillige Dame kam zurück ins Wartezimmer. Auf ihrem Gesicht glitzerte ein Anschein von Triumpf. Und zwei Minuten später kam tatsächlich ein Herr mit einem dicken Pilotenkoffer aus dem Arztzimmer. Ein bißchen hastig.
Gegen 11.30 Uhr wollte ich platzen. . . . Mittlerweile hat das Personal der Praxis geschlossen auch noch die obligatorische Kaffeepause absolviert. Aber noch bevor ich aus der Haut fahren konnte, war ich dran. Die Schwester drückte mir einen Zettel halbA4groß in die Hand.
"Erklärung zur Schweigepflichtsentbindung" oben als Überschrift. Mit meiner zu leistenden Unterschrift sollte ich meinen Hausarzt von seiner ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden (siehe Faksimile) zugunsten Krankenhäusern, Fachärzten, Gutachtern, Versicherungen, dem med. Dienst der Krankenkassen. Den Zettel haben ich meinem Hausarzt ununterschrieben über seinen Schreibtisch zurückgeschoben. Meine Daten sind meine Daten. Sie gehören gleich gar nicht pauschal Versicherungen oder Gutachtern.
Mein Doktor ist sonst ein lustiger Vogel. Als ich mir einmal beim Autofahren mit offener Seitenscheibe erst Zug und dann einen steifen Hals geholt hatte, kommentierte er das mit den Worten: Ja, kommt vor, übermäßiger Gbrauch von Viagra kann schon mal zum steifen Hals führen". Es war jetzt das erste Mal, dass er mich ohne einen solchen Schlußspaß aus seiner Praxis entließ. Es war ja auch keiner.

5.23.2009

Die Enthüller und ihre Kumpels

Das ZDF brüstet sich auf seiner Internetseite: "Neue Strafanzeige gegen Ohnesorgs Todesschützen - Folge von ZDF-Enthüllung über Stasi-Vergangenheit von Karl-Heinz Kurras. Nichts als Schaumschlägerei, herausgefunden haben die Fakten nämlich die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Historikerin Cornelia Jabs und Diplompolitologe Helmut Müller-Enbergs und publizierten die Ergebnisse im "Deutschlandarchiv". Mit einem Gesicht, als stünde das Ereignis ungefähr zwischen dem 11. September und dem Beginn 3. Weltkrieges machte Susanne - die Trompete vom Lerchenberg - Konrad den ZDF-Zuschauern mit der Nachricht samt Schaum bekannt. Kommentiert wurde die Nachricht vom größten noch lebenden Historiker aller Zeiten Guido Knopp. Und der Verein der Opfer des Stalinismus erstattete prompt Anzeige gegen Kurras, soviel ich hörte wegen Mordes. Na sowas. Ein netter Klüngel.
Klüngel deshalb, weil es wieder nicht um die Aufklärung der Todesumstände Ohnesorgs geht, auch nicht um Kurras, sondern um die DDR, respektive die Stasi. Falls die Staatsanwaltschaft die Klage annimmt, und daran kann es eigentlich keine Zweifel geben, dürfte der dann dritte Prozess gegen Kurras außerordentlich interessant werden. Wird man dann über die bei den ersten beiden Prozessen "verschwundenen" Akten und unterschlagenen Beweismittel reden, über die Rolle der Polizeigewerkschaft, über die politischen Ränkespiele der Politik? Wird man fragen, wer damals welche Interessen verfolgte und Kurras zweimal vom Vorwurf (nicht Mordes) der fahrlässigen Tötung frei sprach.
Wohl eher nicht. Dem Polizisten Kurras war kein Fehlverhalten nachzusweisen, dem Stasi-IM Kurras wohl aber schon und erst recht der DDR.

5.17.2009

Schön, daß jetzt die Bad-Bank kommt!

Liebe Angela Merkel, höchstverehrte Frau Bundeskanzel,

ich freue mich, daß ich Ihnen heute schreibe. Und das hat folgenden Grund. Es sind ja bald wieder Wahlen und da stehen Sie bei mir ganz oben auf dem Zettel. Auch wenn Sie nicht in meinem Wahlkreis auf der Liste stehen. Zum zweiten bin ich ganz stolz auf Sie. Sie sind auch mein Mädelchen, nich bloß Kohl seine.
Aber ich habe noch einen weiteren Grund, nich wahr. Gestern habe ich in der Zeitung gelesen, daß Sie nun doch eine Bad-Bank gründen werden. Da bin ich schon wieder stolz auf Sie, nich bloß weil Sie aus der DDR kommen, wo es nicht gestattet war, daß eine Bundeskanzel eine eigene Bad-Bank eröffnet. Und ich habe auch ein Anliegen für Sie. Ich habe nämlich noch immer ein DDR-Bad und es schon ewich nicht mehr relattioniert, weechen zu wenich Geld. Die Wanne, denken Sie mal, ist immer noch aus Graugus. Und da denke ich, daß Sie doch ganz bestimmt organisieren können, daß ich mich mit meiner Bad-Geschichte - Gott seis gedankt - an die Bad-Bank, also an Sie wenden kann. Ich bräuchte, sagen wir mal - - so um die 10.000 Euro - höchstens.
Ich denke, Sie werden mir gerne helfen. Meine Bad-Relattiovierung ist ja schließlich nicht mal halb so teuer wie Opel. Stimmts? Ich bedanke mich schon im Voraus ganz herzlich, für Ihre Hilfe.

Ihre Gertrude Schmalz aus der Heldenstadt Leipzisch.

PS: Und keine Angst, ich wähle auf keinen Fall die Linke.

4.27.2009

Den Sack geprügelt und den Esel UNO gemeint?

Was ist mir nachdrücklich in Erinnerung geblieben seit meiner Zwangspause? Da wäre beispielsweise die Anti-Rassismus-Konferenz der UN. Was wurde da von den Commercial-Medien (aber auch den öffentlich-rechtlichen) salbadert. Achmadinejhad, würde die Eröffnungsrede halten und ganz bestimmt Rassismus-Vorwürfe gegen Israel erheben. Deshalb sei es gut, wenn die führenden demokratischen Länder (des Westens) der UN-Konferenz fernblieben. Die Deutschen taten tagelang so, als ob sie es sich schwer machen würden mit der Teilnahmeentscheidung, die dann aber ausfiel wie erwartet. Natürlich würde der Iraner sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, vor einem Weltgremium seine Sicht der Dinge zu erklären. Schließlich ist er ein konsequenter Typ. Er würde möglicherweise in eben dieser gewohnten Konsequenz aus seiner Sicht vermutlich richtigen, aus unser Sicht völlig falschen (?) Vorwürfe des Rassismus gegen Israel erheben. Wäre es dann nicht richtiger gewesen, mit der geballten Kraft der - bleiben wir ruhig bei dem Begriff - der demokratischen westlichen Staaten ihm Paroli zu bieten, Israel gegen die vermeintlich falschen Vorwürfe zu verteidigen? Wie können Demokraten einen solchen Trumpf aus der Hand geben, den iranischen Premier vor der Weltöffentlichkeit der Anti-Rassismuskonferenz bloßzustellen?
Entschuldigung. Hat man möglicherweise mit Achmadinedjad vielleicht auf den Sack eingeprügelt und nicht auf den Esel? Galt die prügel vielleicht doch in erster Linie der Antirassismus-Konferenz und damit der UNO selbst? Nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Aber welchen Sinn macht das Gehabe der westlichen Demokratien sonst?

Wer den Schaden hat, . . . .

Entschuldigung! Ich war krank, Ich hatte mich vom schönen Wetter verleiten lassen und mit nur einem T-Shirt über einen halben Tag lang in der Sonne Kompost gesiebt. Und ich hatte den relativ kalten Seitenwind unterschätzt. Jedenfalls konnte ich mich am Tag drauf nicht mehr bewegen, hatte einen so steifen Hals, das ich den Kopf nicht mal millimeterweise nach links oder rechts drehen konnte. Meines Arztes Eingangsdiagnose lautete: "Wenn man zuviel Viagra nimmt, kann das schon mal passieren". Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen, sagt der Volksmund. Es sei eine Blockierung. Ich solle den Hals schön warm halten, empfahl er mir. Am besten sei es, ich bände mir einen schönen dicken Schal um (bei 24 Grad!). Später sind wir dann noch einkaufen gefahren. In der "Brötchengasse" unseres Marktes kam mir ein Ex-Arbeitskollege entgegen. Als er den Schal sah, "stöhnte" er auf: Jetzt ist er auch noch unter die Künstler gegangen . . . ".
Weil ich dran gewesen wäre mit Kochen, schlug ich meiner Frau vor zum Vietnamesen zu gehen. Gebratene Nudel mit knuspriger Ente wurden bestellt. Dazu gab es Glückskekse. In meinem war ein Zettel mit dem schönen Spruch: "Nur Geduld, kleine Blokaden lösen sich von selbst".

Zu Hause angekommen, begegnete mir mein tschechischer Nachbar. "Schneit es irgendwo?", fragte er. Ich habe daraufhin beschlossen, mich umgehend ins Bett zu legen und erst wieder aufzustehen, wenn die ganze Geschichte ausgestanden wäre und ich auf den Schal würde verzichten können.
Soviel zu meiner Schreibpause.