Ich gebe es zu: Ich sehe nur sehr sehr selten Privat-Fernsehen. Aber ich gelobe leichten Herzens Besserung. Schiesslich entgeht einem da einiges. Beispielsweise die so genannten Werbepausen oder besser die Füllung der selben mit lustigen Filmen. Heute bot die Werbung Gourmet-Eier feil. Damit wir wissen, wovon die Rede ist, zerlegen wir die Gourmet-Eier mal flugs in seine Bestandteile. Die daz-lernwerkstatt weiss zu diesem Thema "Die häufigste Art der Komposita ist die Zusammensetzung von Nomen und Nomen. Ein Nomen ist das Grundwort, das andere das Bestimmungswort, das das Grundwort näher qualifiziert", etwa wie Spitz + Bohrer (Spitzbohrer). Nach diesem Ausflug in die Theorie der deutschen Sprache heisst das: Eier ist das Grundwort und Gourmet das Wort, das die Eier näher bestimmt. Und Wikipedia weiß: "Der Gourmet ist ein „Feinschmecker und Weinkenner“, im 19. Jahrhundert aus gourmet, von altfranzösisch gormet, „Gehilfe des Weinhändlers“, dann „Weinkenner, Feinschmecker“, entlehnt".
Nach der Werbung geht es also um die Eier eines Gourmets. Tja, und die bieten die nun einmal an. Da kann ich nur sagen: Gourmets aller Länder - verteidigt euch!"
Medien, Zeitgeschichte, Aktuelles, Nachrichten, Journalismus, News, Satire, Literatur, Politik, Soziales
4.02.2007
3.31.2007
Beim Poppen auf der Wiese erwischt

Im brandenburgischen Müllrose wird demnächst jeder, der sich beim Sex unter freiem Himmel erwischen lässt, mit Bußgeld von 35,00 € bestraft. Eine entsprechende Verordnung, meldet dpa, habe das Ordnungsamt der 4440-Seelen-Kleinststadt zum 1. April erlassen. Ein April-Scherz sei das aber nicht, hebt dpa hervor. Vielmehr habe es beim Sommerfest in dem kleinen Ort wiederholt Probleme mit Paaren, die sich gerademal eben paarten gegeben (soll heissen: irgendwer hat offensichtlich beim Bumsen im Park oder auf den Wiesen zugesehen oder zugehört). April-Scherz hin, April-Scherz her: Da bleiben eine Menge Fragen offen! Wer hat beobachtet? Spanner, Neider, eine/ein Ordnungsbedienstete/bediensteter, eine andere Amtsperson (die selber ja auch gerne mal im Freien . . . , aber nicht zum Zuge kommt?), möglicherweise gar der Herr Pfarrer (Köchin/Sakristei ist eher berufstypisch) oder vielleicht auch nur die Bürgerin Nr. 4439, der solche Sache schon immer einen kleinen Geheimnisverrat wert war? Oder geht es hier um was ganz anderes? Immerhin hat Müllrose gerade mal 4440 Einwohner. Da hält sich die Zahl der geschlechtsverkehrswilligen/geschlechtsverkehrsfähigen Paare in überschaubaren Grenzen. Will sagen, da kennt jeder jeden. Und jeder weiss dann beim Beobachten des Sexes in freier Wildbahn, dass die zwei da zwar zahlenmässig ein Paar sind, aber keins dass miteinander verheiratet wäre, sondern der Mann von Christel und die Frau vom Johannes. Und das wäre dann ein triftiger Grund, den beiden den Sex auf der Wiese mit einem Bußgeld zu vergällen - wegen dem Gerede.
Und damit sind wir bei Drittens. Wer macht das mit dem Knöllchen und wie? Muss man, wegen eventueller Widersprüche und damit die Sache gerichtsfest wird, direkt beim Poppen erwischt werden oder langt ein Gedächtnisprotokoll der OrdnungsamtsbedienstetIn? Wird der Bussgeldbescheid gleich beim Akt unter den Scheibenwischer, respektive unter den vorübergehend nicht am Platz befindlichen Gürtel des oben Liegenden gesteckt oder mit Beweismittel (Foto) per Post versand? (Johannes: "Schatz, ich habe gerade die Post vom Ordnungsamt aufgemacht. Sag mal Liebling, bist du das unten? Machst ne gute Figur, kann man nix andres sagen. Aber sag mal noch, wo warn mir denn da, als die uns fotografiert haben?")
3.24.2007
Bruhtal, gelle?
Fernsehen bildet. MDR auch. Beate Werner moderierte Samstag (24. März, 18 Uhr) eine Sendung aus oder über Kamenz und die berühmte Söhne der Stadt. Auch über Georg Baselitz, den Maler, sprach sie. Und erwähnte aus seinem Leben, dass der Maler: „mit einem Granatsplitter am Auge behandelt“ worden sei. Wen wundert´s bei solchen Behandlungsmethoden, dass Baselitz machmal Bilder "auf dem Kopf stehend" malte.
3.21.2007
Prost auf die Rente und den "Stern"
Alles nur Zufall. Der Bund wird für 2006 so um die 17 Milliarden mehr Steuern einnehmen. Am gleichen Tag veröffentlichte der Wehrbeauftragte der Bundesregierung seinen Jammerbericht über den Zustand vieler West-Bundeswehrkasernen. Wieder einen Tag später verkündet mit stolz geschwellter Brust unser Herr Arbeitsminister, dass es eine Rentenerhöhung geben wird. Für die meisten Rentner heisst das, sie haben ab Juli monatlich 5,40 Euro mehr in der Tasche. Und der "Stern" berichtet über Michel Friedmann und seine vermutlich rechtsradikalen Personenschützer. Der "Stern" meldet, "Friedmann wurde 1956 in Paris geboren" und schreibt weiter: ". . . der heute 47-jährige Friedmann . . . ".
Das kommt davon, wenn man bei der Arbeit ständig über die 5,40 Euro mehr monatlich nachdenkt und, was man mit dem Geld wohl anstellen könnte. Versaufen natürlich und dann weiter Lebensjahre ausrechnen, Freunde!
Das kommt davon, wenn man bei der Arbeit ständig über die 5,40 Euro mehr monatlich nachdenkt und, was man mit dem Geld wohl anstellen könnte. Versaufen natürlich und dann weiter Lebensjahre ausrechnen, Freunde!
Rechtsextreme bei Bund und/oder Polizei?
An einer Berliner Polizeischule hat es vor ein paar Tagen einen so genannten antisemitischen Vorfall gegeben. Schüler einer Klasse angehender Polizisten hatten in einer Unterrichtsstunde zum nationalsozialistischen Regime erklärt, sie wollten nicht dauernd an den Holocaust erinnert werden. Zudem sollen Bemerkungen gefallen sein, dass Juden reiche Leute seien.
Letzteres ist natürlich Blödsinn. Sonst hätten nicht gerade 150.000 israelische Beschäftigte des öffentlichen Dienstes an einem Generalstreik teilgenommen, mit dem sie erzwingen wollten, dass ihnen der Staat endlich die seit einem halben Jahr vorenthaltenen Löhne und Gehälter auszahlt.
Und wenn die jungen Polizisten meinen, sie möchten nicht mehr an den Holocaust erinnert werden, dann sind sie zwar auch in dieser Meinung reichlich bescheuert, aber immerhin in guter Gesellschaft. So sind nach der 2005er Rechtsextremismus-Studie der Universität Bielefeld es fast zwei Drittel aller Deutschen leid, immer wieder von Verbrechen der Deutschen an den Juden zu hören oder ärgern sich darüber, dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen der Nazideutschen an den Juden vorgehalten werden. 65 Prozent der Deutschen denken im Sinne dieser Schlussstrichmentalität.
Dumm ist nur, dass die, die so denken Polizeischüler und folglich kaum geeignet sind für den Job, für den sie die Schule besuchen. Aber das dürfte eigentlich auch für den längerdienenden Bundeswehrangehörigen gelten, über den ich unter der Überschrift "Das Kreuz mit dem Hakenkreuz" (17.03.20079) schrieb. Oder doch nicht? "Die Frankfurter Polizei hat dem TV-Moderator möglicherweise rechtsextremistische Leibwächter zur Seite gestellt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, stieß das hessische Landeskriminalamt im Zuge von Korruptionsermittlungen bei der Polizei auf den Verdacht. Auf einem Computer eines Leibwächters wurde demnach das verbotene Horst-Wessel-Lied gefunden. Auf einem Foto soll außerdem ein Personenschützer stolz in SS-Uniform posieren. Der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Feist bestätigte, dass der Verdacht der Polizei bekannt und die Staatsanwaltschaft bereits eingebunden sei. "Rechtslastige Tendenzen werden bei der hessischen Polizei überhaupt nicht geduldet", betonte er". Das schrieb der "Stern" dieser Tage. Brecht würde sagen: Es ist fruchtbar noch der Schoss, aus dem das kroch.
Foto-Quelle: unbekannt
Letzteres ist natürlich Blödsinn. Sonst hätten nicht gerade 150.000 israelische Beschäftigte des öffentlichen Dienstes an einem Generalstreik teilgenommen, mit dem sie erzwingen wollten, dass ihnen der Staat endlich die seit einem halben Jahr vorenthaltenen Löhne und Gehälter auszahlt.
Und wenn die jungen Polizisten meinen, sie möchten nicht mehr an den Holocaust erinnert werden, dann sind sie zwar auch in dieser Meinung reichlich bescheuert, aber immerhin in guter Gesellschaft. So sind nach der 2005er Rechtsextremismus-Studie der Universität Bielefeld es fast zwei Drittel aller Deutschen leid, immer wieder von Verbrechen der Deutschen an den Juden zu hören oder ärgern sich darüber, dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen der Nazideutschen an den Juden vorgehalten werden. 65 Prozent der Deutschen denken im Sinne dieser Schlussstrichmentalität.
Dumm ist nur, dass die, die so denken Polizeischüler und folglich kaum geeignet sind für den Job, für den sie die Schule besuchen. Aber das dürfte eigentlich auch für den längerdienenden Bundeswehrangehörigen gelten, über den ich unter der Überschrift "Das Kreuz mit dem Hakenkreuz" (17.03.20079) schrieb. Oder doch nicht? "Die Frankfurter Polizei hat dem TV-Moderator möglicherweise rechtsextremistische Leibwächter zur Seite gestellt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, stieß das hessische Landeskriminalamt im Zuge von Korruptionsermittlungen bei der Polizei auf den Verdacht. Auf einem Computer eines Leibwächters wurde demnach das verbotene Horst-Wessel-Lied gefunden. Auf einem Foto soll außerdem ein Personenschützer stolz in SS-Uniform posieren. Der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Feist bestätigte, dass der Verdacht der Polizei bekannt und die Staatsanwaltschaft bereits eingebunden sei. "Rechtslastige Tendenzen werden bei der hessischen Polizei überhaupt nicht geduldet", betonte er". Das schrieb der "Stern" dieser Tage. Brecht würde sagen: Es ist fruchtbar noch der Schoss, aus dem das kroch.
Foto-Quelle: unbekannt
3.17.2007
Das Kreuz mit dem Hakenkreuz

Wer seine Haltung zu den Neonazis in Deutschland deutlich demonstrieren wollte, der ann sich beispielsweise einen passenden Button zulegen und an sein Hemd, seine Jacke tackern. Ich hatte und habe auch einen. Darauf ist eine Hand zu sehen, die gerade ein Hakenkreuz in einen Abfallkorb wirft, dorthin, wo es also hingehört.
Beinahe - zumindest wenn es nach einem scheinbar etwas verwirrten baden-württembergischen Amtsrichter gegangen wäre - wäre dieser dingliche Protest beinahe zu einer Straftat verkommen. Denn besagter Amtsrichter sinnierte gerade über jenen Button und kam zu dem Schluss, der Betrachter könne nicht klar unterscheiden, ob das Hakenkreuz in den Papierkorb hinein getan oder heraus genommen werde. Auch verdonnerte er ein dick und rot durchgestrichenes Hakenkreuz als verfassungsfeindliches Symbol. Demnach beginge der Käufer oder Träger eines wiederum solchen Buttons eine Straftat gegen die Verfassung, die seiner Ansicht nach verfolgt werden müsse.
Nun ja, nun wurde dieser Amtsrichter vom BGH korrigiert. Das Tragen (vorher also auch der Verkauf) eindeutig antifaschistischer Symbole sei nicht verfassungswidrig und damit auch nicht strafbar.
Gut ist das auch beispielsweise für das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen. Das vertreibt nämlich per Download Broschüren, in dem es echte verfassungsfeindliche Symbole aus der Nazizeit zeigt (übrigens natürlich rot durchkreuzt), die heute nicht selten von Rechtsextremisten und Neonazis verwendet werden. Wäre es beim Amtsrichter-Urteil geblieben, hätte der b.-w. Amtsrichter zumindest Anzeige gegen die sächsischen Verfassungsschützer stellen müssen. Das wär eine Gaudi geworden!
Und nun noch ein Nachtrag zum Thema: Gestern hatte ich Besuch von einem alten Freund. Zehn Jahre mindestens hatte ich nicht mehr mit ihm gesprochen. Er erzählte mir, dass sein Sohn ab und zu eine Pokerparty gebe. Natürlich werde dabei auch mehr oder weniger heftig getrunken. Das letzte Mal hätten die "Jungs" sich im Halbkreis aufgestellt und die Arme kollektiv zum Hitlergruss erhoben. Einer der Jungs hätte davon ein Foto gemacht, dass sie dann per mail an einem 12-Ender-Kumpel bei der Bundeswehr geschickt hätten. Der habe sich über den Gruß aus der Heimat mächtig gefreut. Herr Amtsrichter, übernehmen Sie!
3.15.2007
Schach dem Untergang

Text zum Bild: Trainingsabend beim SV „Ziphona“ Zittau. Am mittleren Brett vor den weissen Figuren der 81-jährige Sektionsleiter Schach, Werner Kießling.
In der Provinz tickt manche Uhr anders als beisielsweise in den Landeshauptstädten. Die "Sächsiche Zeitung" aus Dresden vermeldet: „Das Ramada Hotel Dresden ist wieder in der Hand der Schach-Senioren. Alljährlich tragen sie ihre Team-Europameisterschaft aus. Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan und seine Mitstreiter erwarten 52 Mannschaften – das ist Rekord. „In dem Turnier ist richtig Pfeffer drin“, sagte der Chef der Schacholympiade 2008 in Dresden“.
Die Schachspieler vom Schachsportverein "Ziphona Zittau", des letzten Zittauer Schachvereins überhaupt, treiben ganz andere Dinge um und vom "Ramada" können Sie allenfalls träumen. Ihr Sportdomiziel ist das Sport- und Freizeitzentrum (SFZ) an der Zittauer Schrammstrasse und ganz gewiss ist es nicht in ihrer Hand. Die Schachspieler teilen sich auch an diesem Übungs-Abend das SFZ mit den Gästen einer Geburtstagsfeier, in einem anderen Raum amüsieren sich die Teilnehmer eines Club-Abends. Die Spieler vom „SV Ziphona“ schieben davon augenscheinlich unberührt mehrere Tische in eine Reihe, holen ihre Bretter und Figuren. Ein paar Minuten später sitzen sie sich paarweise gegenüber: „Weiss zieht“.
Mir gegenüber sitzt Werner Kießling. Er ist der Sektionsleiter Schach beim „SV Ziphona“ und 81 Jahre alt.
Schach spielt Kießling seit 55 Jahren, war von Anfang an im selben Verein, der 1952 gegründet wurde und „Motor Mitte Zittau“ hieß, später dann „Ziphona“ hieß. Sektionsleiter Schach ist Kießling auch schon seit 1961, 20 Jahre hat er den Nachwuchs betreut.
„Derzeit ist unser jüngster Spieler 31 Jahre jung“, erzählt der Sektionsleiter und macht damit auf ein Überlebensproblem für seinen Verein aufmerksam. Es fehlt der Nachwuchs. Schach gespielt wird von jungen Leuten heute vor allem in eigenen Schulmannschaften. Wer nicht mehr Schüler ist, geht gleich in einen Schach-Sportverein, der höherklassiger spielt, beispielsweise zum TSV Großschönau. Die Chancen, sportlich schneller voran zu kommen, die sind dort einfach besser. Das dachten sich vor zwei Jahren wohl auch die Spieler einer anderen erfolgreichen Männermannschaft vom „SV Ziphona“. Sie kehrten ihrem Verein den Rücken.
„Heute haben wir noch eine Vierer-Männermannschaft, die in der Kreisklasse spielt und momentan sogar auf einem vorderen Platz“, sagt Werner Kießling. Sie seien sich aber nicht sicher, ob sie sich den Aufstieg wünschen sollten. „Für die nächst höhere Spielklasse haben wir weder die finanziellen noch die personellen Reserven“, skizziert Kießling die augenblickliche Lage. Was er damit meint, wird klar, wenn man sich die Altersstruktur des Vereins ansieht. Von den 16 aktiven Spielern sind zwölf älter als 60 und davon die meisten zwischen 70 und 80 Jahren. Stiegen die Männer von „Ziphona“ tatsächlich auf, begännen die Probleme erst. „Die Spielorte lägen weiter weg und wären für uns schwerer zu erreichen. Nicht jeder von uns fährt Auto und der öffentliche Nahverkehr bringt uns auch nicht viel weiter. Wir haben pro Vereinsmitglied 15 Euro zur Verfügung. Wie viel mal könnten wir damit Bus oder Bahn fahren?“
Angesichts all dieser wenig beglückenden Umstände ist die spür- und sichtbare Unverdrossenheit, mit der die Männer vom „SV Ziphona“ an ihrem Verein festhalten verblüffend. Sie trainieren jeden Montag im SFZ, um die eigene Spielfähigkeit und die der aktiven Mannschaft auf der Höhe der Anforderungen zu halten. Oder sie organisieren – meist um Weihnachten herum – Preisturniere im Blitzschach, zu denen sie sich Gastmannschaften und Einzelspieler einladen. Mit manchem reden sie dann auch: „Spiel mit bei uns“. Und manchmal trägt genau das Früchte. So etwa wie bei Wolfram Rolle, dem mit 31 Jahren derzeit jüngsten Spieler.
Mit mir haben Sie auch geredet. Ich aber habe vom Schachspiel soviel Ahnung wie ein Wildschwein vom Stabhochsprung.
Also reden wir zum Schluss übers Wünschen. „Na ja“, sagt Werner Kießling, „wir wissen, dass viele Schachfreunde nur in der Familie, manche auch nur Fernschach spielen oder neuerdings auch gegen ein Computerprogramm. Wir wünschten uns, dass diese Schachfreunde zu uns kämen. Und wir wünschten uns, dass vielleicht auch wieder ein paar junge Leute bei uns anklopfen“.
3.03.2007
Neues aus der Diktatur
In einem halbseitigen Beitrag beschäftigte sich die "Sächsische Zeitung" Dresden dieser Tage mit dem "allseits" gefordertem Rauchverbot in Deutschland. Sie informiert mit diesem Beitrag ihre Leser, wo und ab wann denn nun endlich Schluss ist mit der lästigen Qualmerei: In öffentlichen Gebäuden, in Flugzeugen, Bahnen, Bussen und Taxis etc. und kommt schließlich unter der Zwischenüberschrift "Was gilt im Bundestag?" zu den Initiatoren der neuen Gesetzgebung selbst. (siehe Faksimile und bitte schön langsam lesen). Wieso wundere ich mich nicht?
2.25.2007
Das Dornrös´chen erwacht

Foto: Michal David, Jana Davidova und mein Nachbar Jiri Kudrna bereden im Gasthaus "u Zamku" die neusten Vorhaben.
Wer schon länger an der tschechischen Grenze wohnt, hat längst ein Gefühl für die unterschiedlichen Tempi der „gesellschaftlichen Modernisierung“ auf deutscher und tschechischer Seite entwickelt. Während die Gemeinde Oybin in Deutschland sich noch schöner machte in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten, dämmerte das tschechische Krompach (Krombach) einschließlich seiner Ortsteile Valy (Schanzendorf), Juliovka (Juliusthal) und Dolni Svetla (Nieder Lichtenwalde) auf der anderen Seite in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin. Die Krompacher Dorfstraßen sind zerrüttet, viele Häuser auch, die Bevölkerung war bis auf um die 130 Einwohner geschrumpft und immer älter geworden. Einen Dorfladen gab es schon Jahre nicht mehr, erstaunlicherweise aber immer noch zwei Gaststätten. Und die überlebten wahrscheinlich durch ihre zahlreichen deutschen Gäste oder die Besitzer der weit über 500 „Wochenend-Häuser“ aus Prag und anderen größeren tschechischen Städten. Diese Einwohner auf Zeit trugen und tragen ihre Kronen an den Saisonwochenenden und während der Sommerfrische gern in die Gasthäuser „u Zamku“ („Am Schloss“) oder „Vyklidce“ („Aussicht“).
Jetzt aber, wobei unter jetzt auch schon wieder drei vier Jahre zu verstehen sind, ändert sich was. Denn in dieser Zeit sind allein nach Krompach drei Familien zugezogen. (Statistisch sind das stolze 8,75 Prozent Bevölkerungszuwachs). Zu den Zugezogenen gehört die Familie Kudrna auf dem Janske Kameny (Johannisstein) und die Familie Pral. Die hat ein Haus am Südrand von Krompach bezogen. Und dann ist da noch die Familie David, die unweit der Kirche der 14 Nothelfer an der Straße nach Juliovka wohnt. Alle drei Familien haben mehrere Gemeinsamkeiten. Beispielsweise hat jede Familie hat zwei Kinder und ich glaube auch je einen Hund. Alle sind aus Prag oder der nächsten Umgebung der Hauptstadt nach Krompach gekommen.
„Wir sind aus dem Großstadt-Dschungel geflohen. Letzter Anlass dafür war, dass wir im Buddelkasten unserer Kinder (Mädchen, vier und sieben Jahre) eine Spritze gefunden haben“, sagt Michal David, das Familienoberhaupt. Er betreibt in Prag ein gut gehendes Internet-Cafe samt Computerwerkstatt. Er wird bis auf weiteres zwischen Krompach und Prag pendeln. Jana Davidova dagegen hat sich in Krompach aus Mangel an anderen Arbeitsmöglichkeiten mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft selbständig gemacht und zwar in dem Haus, in dem es im Dorf bis vor ein paar Jahren schon immer ein Geschäft gegeben hatte. Sie und Michal hoffen, dass sich das Geschäft so gut entwickelt, dass es zum Lebensunterhalt beitragen kann.
„Im Winter sieht es mit den Umsätzen eher bescheiden aus“, erzählt Jana. „Da kommen nur wenige Wochenend-Häusler und bringen zu allem Überfluss die meisten Lebensmittel mit.“ Und die Krompacher? Für die Alten ist es bei glatten Straßen und Wegen zu beschwerlich, bei Jana Davidova einzukaufen. Die mobilen Krompacher kaufen in Cvikov oder anderen Städten mit Supermärkten ein, meistens jedenfalls.
Und die Deutschen, will ich wissen. „Die deutschen Nachbarn machen etwa fünf Prozent des Umsatzes.“ Das ist momentan noch nicht viel. Aber es könnte mehr werden, denn Jana Davidova würde von den Oybinern bestellte Waren vom Brötchen über die Milch bis zu den Speckackys (wohlschmeckende, etwas fetthaltigere dicke Würstchen) und anderes durchaus auch bis zum Wandergrenzübergang liefern.
Vielleicht trifft sich dieses Angebot der Tschechin gut mit der allgemeinen Entwicklung in Oybin. Die Wurst- und Fleischgeschäft an der Straße der Jugend hat gerade seine Öffnungszeiten verringert, möglicherweise macht es demnächst sogar ganz dicht oder wird ersetzt werden durch eine mobile Verkaufsstand, der zweimal wöchentlich in der Gemeinde vorfahren soll.
Die Neu-Krompacher sind auch die im Dorf, die die Alteingesessenen wachrütteln wollen und werden. Der Bürgerverein Krompach organisierte gerade die Sammlung für die Glocke und das automatische Läutewerk für die kleine Dorfkirche unterhalb vom Schloss (Anfang August wird das Geld gezählt). Da zeichnet sich schon wieder etwas ab, das den Gemeinsinn im Dorf stärken könnte.
Und sie wollen sich einsetzen für den Straßenbau in Krompach, dafür Fördermittel der EU einwerben helfen, auf dem Johannisstein könnte noch in diesem oder vielleicht auch erst im kommenden Jahr eine Begegnungsstätte für Tschechen und Deutsche entstehen. Momentan sammeln der Bürgerverein und die Familie Kudrna Ideen für die Begegnungsstätte. Und Kudrna will noch 2007 auf einer Freifläche schon mal Sportspielgelegenheiten aufbauen – für tschechische und deutsche Kinder. Wie gesagt, es kommt Bewegung ins Dorf.
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