3.15.2007

Schach dem Untergang



Text zum Bild: Trainingsabend beim SV „Ziphona“ Zittau. Am mittleren Brett vor den weissen Figuren der 81-jährige Sektionsleiter Schach, Werner Kießling.

In der Provinz tickt manche Uhr anders als beisielsweise in den Landeshauptstädten. Die "Sächsiche Zeitung" aus Dresden vermeldet: „Das Ramada Hotel Dresden ist wieder in der Hand der Schach-Senioren. Alljährlich tragen sie ihre Team-Europameisterschaft aus. Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan und seine Mitstreiter erwarten 52 Mannschaften – das ist Rekord. „In dem Turnier ist richtig Pfeffer drin“, sagte der Chef der Schacholympiade 2008 in Dresden“.
Die Schachspieler vom Schachsportverein "Ziphona Zittau", des letzten Zittauer Schachvereins überhaupt, treiben ganz andere Dinge um und vom "Ramada" können Sie allenfalls träumen. Ihr Sportdomiziel ist das Sport- und Freizeitzentrum (SFZ) an der Zittauer Schrammstrasse und ganz gewiss ist es nicht in ihrer Hand. Die Schachspieler teilen sich auch an diesem Übungs-Abend das SFZ mit den Gästen einer Geburtstagsfeier, in einem anderen Raum amüsieren sich die Teilnehmer eines Club-Abends. Die Spieler vom „SV Ziphona“ schieben davon augenscheinlich unberührt mehrere Tische in eine Reihe, holen ihre Bretter und Figuren. Ein paar Minuten später sitzen sie sich paarweise gegenüber: „Weiss zieht“.
Mir gegenüber sitzt Werner Kießling. Er ist der Sektionsleiter Schach beim „SV Ziphona“ und 81 Jahre alt.
Schach spielt Kießling seit 55 Jahren, war von Anfang an im selben Verein, der 1952 gegründet wurde und „Motor Mitte Zittau“ hieß, später dann „Ziphona“ hieß. Sektionsleiter Schach ist Kießling auch schon seit 1961, 20 Jahre hat er den Nachwuchs betreut.
„Derzeit ist unser jüngster Spieler 31 Jahre jung“, erzählt der Sektionsleiter und macht damit auf ein Überlebensproblem für seinen Verein aufmerksam. Es fehlt der Nachwuchs. Schach gespielt wird von jungen Leuten heute vor allem in eigenen Schulmannschaften. Wer nicht mehr Schüler ist, geht gleich in einen Schach-Sportverein, der höherklassiger spielt, beispielsweise zum TSV Großschönau. Die Chancen, sportlich schneller voran zu kommen, die sind dort einfach besser. Das dachten sich vor zwei Jahren wohl auch die Spieler einer anderen erfolgreichen Männermannschaft vom „SV Ziphona“. Sie kehrten ihrem Verein den Rücken.
„Heute haben wir noch eine Vierer-Männermannschaft, die in der Kreisklasse spielt und momentan sogar auf einem vorderen Platz“, sagt Werner Kießling. Sie seien sich aber nicht sicher, ob sie sich den Aufstieg wünschen sollten. „Für die nächst höhere Spielklasse haben wir weder die finanziellen noch die personellen Reserven“, skizziert Kießling die augenblickliche Lage. Was er damit meint, wird klar, wenn man sich die Altersstruktur des Vereins ansieht. Von den 16 aktiven Spielern sind zwölf älter als 60 und davon die meisten zwischen 70 und 80 Jahren. Stiegen die Männer von „Ziphona“ tatsächlich auf, begännen die Probleme erst. „Die Spielorte lägen weiter weg und wären für uns schwerer zu erreichen. Nicht jeder von uns fährt Auto und der öffentliche Nahverkehr bringt uns auch nicht viel weiter. Wir haben pro Vereinsmitglied 15 Euro zur Verfügung. Wie viel mal könnten wir damit Bus oder Bahn fahren?“
Angesichts all dieser wenig beglückenden Umstände ist die spür- und sichtbare Unverdrossenheit, mit der die Männer vom „SV Ziphona“ an ihrem Verein festhalten verblüffend. Sie trainieren jeden Montag im SFZ, um die eigene Spielfähigkeit und die der aktiven Mannschaft auf der Höhe der Anforderungen zu halten. Oder sie organisieren – meist um Weihnachten herum – Preisturniere im Blitzschach, zu denen sie sich Gastmannschaften und Einzelspieler einladen. Mit manchem reden sie dann auch: „Spiel mit bei uns“. Und manchmal trägt genau das Früchte. So etwa wie bei Wolfram Rolle, dem mit 31 Jahren derzeit jüngsten Spieler.
Mit mir haben Sie auch geredet. Ich aber habe vom Schachspiel soviel Ahnung wie ein Wildschwein vom Stabhochsprung.
Also reden wir zum Schluss übers Wünschen. „Na ja“, sagt Werner Kießling, „wir wissen, dass viele Schachfreunde nur in der Familie, manche auch nur Fernschach spielen oder neuerdings auch gegen ein Computerprogramm. Wir wünschten uns, dass diese Schachfreunde zu uns kämen. Und wir wünschten uns, dass vielleicht auch wieder ein paar junge Leute bei uns anklopfen“.

3.03.2007

Neues aus der Diktatur


In einem halbseitigen Beitrag beschäftigte sich die "Sächsische Zeitung" Dresden dieser Tage mit dem "allseits" gefordertem Rauchverbot in Deutschland. Sie informiert mit diesem Beitrag ihre Leser, wo und ab wann denn nun endlich Schluss ist mit der lästigen Qualmerei: In öffentlichen Gebäuden, in Flugzeugen, Bahnen, Bussen und Taxis etc. und kommt schließlich unter der Zwischenüberschrift "Was gilt im Bundestag?" zu den Initiatoren der neuen Gesetzgebung selbst. (siehe Faksimile und bitte schön langsam lesen). Wieso wundere ich mich nicht?

2.25.2007

Das Dornrös´chen erwacht


Foto: Michal David, Jana Davidova und mein Nachbar Jiri Kudrna bereden im Gasthaus "u Zamku" die neusten Vorhaben.


Wer schon länger an der tschechischen Grenze wohnt, hat längst ein Gefühl für die unterschiedlichen Tempi der „gesellschaftlichen Modernisierung“ auf deutscher und tschechischer Seite entwickelt. Während die Gemeinde Oybin in Deutschland sich noch schöner machte in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten, dämmerte das tschechische Krompach (Krombach) einschließlich seiner Ortsteile Valy (Schanzendorf), Juliovka (Juliusthal) und Dolni Svetla (Nieder Lichtenwalde) auf der anderen Seite in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin. Die Krompacher Dorfstraßen sind zerrüttet, viele Häuser auch, die Bevölkerung war bis auf um die 130 Einwohner geschrumpft und immer älter geworden. Einen Dorfladen gab es schon Jahre nicht mehr, erstaunlicherweise aber immer noch zwei Gaststätten. Und die überlebten wahrscheinlich durch ihre zahlreichen deutschen Gäste oder die Besitzer der weit über 500 „Wochenend-Häuser“ aus Prag und anderen größeren tschechischen Städten. Diese Einwohner auf Zeit trugen und tragen ihre Kronen an den Saisonwochenenden und während der Sommerfrische gern in die Gasthäuser „u Zamku“ („Am Schloss“) oder „Vyklidce“ („Aussicht“).
Jetzt aber, wobei unter jetzt auch schon wieder drei vier Jahre zu verstehen sind, ändert sich was. Denn in dieser Zeit sind allein nach Krompach drei Familien zugezogen. (Statistisch sind das stolze 8,75 Prozent Bevölkerungszuwachs). Zu den Zugezogenen gehört die Familie Kudrna auf dem Janske Kameny (Johannisstein) und die Familie Pral. Die hat ein Haus am Südrand von Krompach bezogen. Und dann ist da noch die Familie David, die unweit der Kirche der 14 Nothelfer an der Straße nach Juliovka wohnt. Alle drei Familien haben mehrere Gemeinsamkeiten. Beispielsweise hat jede Familie hat zwei Kinder und ich glaube auch je einen Hund. Alle sind aus Prag oder der nächsten Umgebung der Hauptstadt nach Krompach gekommen.
„Wir sind aus dem Großstadt-Dschungel geflohen. Letzter Anlass dafür war, dass wir im Buddelkasten unserer Kinder (Mädchen, vier und sieben Jahre) eine Spritze gefunden haben“, sagt Michal David, das Familienoberhaupt. Er betreibt in Prag ein gut gehendes Internet-Cafe samt Computerwerkstatt. Er wird bis auf weiteres zwischen Krompach und Prag pendeln. Jana Davidova dagegen hat sich in Krompach aus Mangel an anderen Arbeitsmöglichkeiten mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft selbständig gemacht und zwar in dem Haus, in dem es im Dorf bis vor ein paar Jahren schon immer ein Geschäft gegeben hatte. Sie und Michal hoffen, dass sich das Geschäft so gut entwickelt, dass es zum Lebensunterhalt beitragen kann.
„Im Winter sieht es mit den Umsätzen eher bescheiden aus“, erzählt Jana. „Da kommen nur wenige Wochenend-Häusler und bringen zu allem Überfluss die meisten Lebensmittel mit.“ Und die Krompacher? Für die Alten ist es bei glatten Straßen und Wegen zu beschwerlich, bei Jana Davidova einzukaufen. Die mobilen Krompacher kaufen in Cvikov oder anderen Städten mit Supermärkten ein, meistens jedenfalls.
Und die Deutschen, will ich wissen. „Die deutschen Nachbarn machen etwa fünf Prozent des Umsatzes.“ Das ist momentan noch nicht viel. Aber es könnte mehr werden, denn Jana Davidova würde von den Oybinern bestellte Waren vom Brötchen über die Milch bis zu den Speckackys (wohlschmeckende, etwas fetthaltigere dicke Würstchen) und anderes durchaus auch bis zum Wandergrenzübergang liefern.
Vielleicht trifft sich dieses Angebot der Tschechin gut mit der allgemeinen Entwicklung in Oybin. Die Wurst- und Fleischgeschäft an der Straße der Jugend hat gerade seine Öffnungszeiten verringert, möglicherweise macht es demnächst sogar ganz dicht oder wird ersetzt werden durch eine mobile Verkaufsstand, der zweimal wöchentlich in der Gemeinde vorfahren soll.
Die Neu-Krompacher sind auch die im Dorf, die die Alteingesessenen wachrütteln wollen und werden. Der Bürgerverein Krompach organisierte gerade die Sammlung für die Glocke und das automatische Läutewerk für die kleine Dorfkirche unterhalb vom Schloss (Anfang August wird das Geld gezählt). Da zeichnet sich schon wieder etwas ab, das den Gemeinsinn im Dorf stärken könnte.
Und sie wollen sich einsetzen für den Straßenbau in Krompach, dafür Fördermittel der EU einwerben helfen, auf dem Johannisstein könnte noch in diesem oder vielleicht auch erst im kommenden Jahr eine Begegnungsstätte für Tschechen und Deutsche entstehen. Momentan sammeln der Bürgerverein und die Familie Kudrna Ideen für die Begegnungsstätte. Und Kudrna will noch 2007 auf einer Freifläche schon mal Sportspielgelegenheiten aufbauen – für tschechische und deutsche Kinder. Wie gesagt, es kommt Bewegung ins Dorf.

Neues vom Zoll?


Da fährt mir der Schreck in alle Glieder. Als bekennender "Pascherak" schleppe ich so manches über die EU-Grenze. Und nun das: Neue Wege des Filzens. Und ich dachte die Grenzkontrollen werden immer weniger.

2.19.2007

Ausscheiden, ausscheiden!

Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), kritisierte die Darstellung zweier auf einem Düsseldofer Fastnachtswagen gezeigten, bis an die Zähne bewaffneten Muslime mit den Worten: „Mit Humor hat das nichts zu tun. Ich lese die Message so: Wir lieben unsere Vorurteile, wir verteidigen unsere Vorurteile - notfalls mit platten Lügen“, sagte er. Mazyek schob allerdings verständnisvoll hinterher: „Als geborener Rheinländer sehe ich das gelassen. Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Jecken nicht dafür ist, dass ein islamverachtender Zynismus salonfähig gemacht wird.“
Auf einem anderen Wagen zeigten die Narren-Organisatoren einen Adolf Hitler mit heruntergelassener Hose, der gerade die NPD als stinkende Nachgeburt ausscheidet. Zugleiter Hermann Schmitz ließ die provokante Figur aus Angst vor Störungen durch Neonazis erst 20 Minuten vor dem Start des Zuges enthüllen. Solche Probleme hatte er mit den Muslim-Figuren nicht.

Arme an die Kasse bitte!

Alle paar Wochen treibt die Berliner Politik eine neue Sau durchs Dorf. Mal heisst sie "Killerspiele", mal "Bundestrojaner" oder "Ausspionieren von Festplatten", diesmal heisst sie "Schadstoffsteuer". Reuters titelt dazu etwas von "Bundesregierung erhält viel Zustimmung". Und zitiert EU-Industriekommissar Günther Verheugen: "Wenn Deutschland mit einer solchen Steuer vorangeht, werden bestimmt viele andere folgen." Das glaube ich auch. Verheugen war es übrigens, der sich vehement gegen die EU stellte, als die mit einer Richtlinie versuchte, die europäische Automobil-Industrie - nach deren nicht gehaltener Selbstverpflichtung zur Begrenzung des Schadstoffausstosses - zu verpflichten, künftig keine Autos mehr zu produzieren, die mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer produzieren.
Und dann gibt es noch so einen Claqueur: Der Präsident des Automobil-Branchenverbandes VDA, Bernd Gottschalk, soll dem TV-Sender N24 gesagt haben: "Ich glaube, dass das ein vernünftiger Weg ist." Voraussetzung sei aber, dass für die Summe der Autofahrer keine Zusatzbelastung entstehe. Und meint damit vor allem jene Auto-Kunden, die Karren mit drei, vier oder fünf Liter Hubraum zu kaufen gewohnt sind und das möglichst aller zwei Jahre. Und so schlägt die Automobil-Industrie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Produktion der die Umwelt versauenden Spritschlucker bleibt ohne Konsequenzen für die Autohersteller. Zweitens wird die Umstellung der Kfz.-Steuer auf eine Schadstoffsteuer ein anderes, von der Autoindustrie weniger geliebtes Klientel, die Altauto-Fahrer treffen. Denn die werden entweder die neue Steuer wirklich tragen oder sich - wie sie es auch immer finanzieren - ein neues Auto kaufen müssen. Daran besteht auch bei Verheugen kein Zweifel, denn er sprach sich dafür aus, "steuerliche Anreize zu geben, damit die Menschen sich schneller von umweltbelastenden Alt-Autos trennen". Wäre ich Gottschalk, ich riebe mir auch die Hände.

2.18.2007

Machen Sie was draus, Herr Schäuble!

Herr Schäuble leidet unter einem besonders schweren Form der Sicherheitsparanoia. Der Staat müsse wissen, welcher Finsterling (wahlweise Mafiosi, Terrorist, Kinderschänder oder potenzieller Aufrührer bei kommenden sozialen Unruhen) was auf seiner Festplatte gespeichert habe, wie gefährlich sei, was da in Nullen und Einsen zwischengelagert wurde. Mit Trojanern sollen die Sicherheitsbehörden deshalb Festplatten ausspionieren können. Das Bundesverfassungsgericht hat seinen Absichten erst einmal einen Strich durch die unbezahlte Rechnung gemacht. Aber dass es mal so wird, wie er es sich vorstellt, daran arbeitet Schäuble auf sehr hohem Niveau.
Angst, mit einem Trojaner selbst ausspioniert zu werden, hat Schäuble nicht, denn er "öffne grundsätzlich keine Anhänge von E-Mails, die ich nicht genau einschätzen kann." Außerdem sei er anständig, daher müsse ihm das BKA auch keine Trojaner schicken, so Schäuble gegenüber der taz.
Es reicht nach Ansicht von Schäuble nicht aus, Computer bei einer Hausdurchsuchung zu beschlagnahmen, daher bedürfe es der heimlichen Überwachung. So könnten Ermittlungen "vorschnell gestört werden, wenn die Polizei eine Hausdurchsuchung macht". Hintermänner und Komplizen würden gewarnt und könnten ausweichen. "Außerdem ist ein Laptop ja auch leicht zu verstecken, vielleicht wird er bei einer Durchsuchung gar nicht gefunden. Ans Internet muss er aber immer wieder", so Schäuble weiter.
Also wie auch immer das Rennen ausgeht. Ich möchte nicht, dass Schäubles auf dem hohen Bundestrojaner reitenden Beamten per hinterhältigem Spionageprogramm in meinen Rechner eindringen (Ich mache nämlich manchmal doch den einen
oder anderen Email-Anhang auf und bin mir auch nicht sicher, ob das BKA mich als anständigen Menschen führt). Deshalb gehe ich jetzt in die Offensive. Ich habe nichts zu verbergen. Deshalb habe ich hier den Inhalt meiner Festplatte (Verzeichnis) kopiert und stelle es für alle - die es haben wollen oder nicht - zur Kenntnisnahme ins Netz.

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Foto: ARD

2.17.2007

Rauchen in der Wohnung ist unverantwortlich

efe. Die Bundesregierung erwägt nach den Worten ihrer Drogengeplagten Sabine Bätzing (SPD) ein Rauchverbot in den Wohnungen. "Wir prüfen gerade, ob und wie es möglich ist, Rauchen in der Wohnung zu verbieten", sagte Bätzing der Agentur efe.

Sie halte ein Verbot "für dringend erforderlich". Zwar würde dies einen Eingriff in die Privatsphäre des Einzelnen bedeuten: "Aber wir müssen uns ernsthaft fragen, ob der Gesundheitsschutz nicht höher zu bewerten ist." Wer etwa mit Kindern unter einem Dach wohne, handele verantwortungslos, sagte Bätzing. "Im Inneren der Wohnung ist die Gesundheitsgefahr durch den Qualm schließlich um ein Vielfaches höher als in anderen Bereichen, vor allem wenn - wie eben gerade häufig bei Rauchern - nicht gelüftet werde. Die leben doch nach dem Motto: Lieber erstunken als erforen".


Bundesbauministerium: Rauchverbot in Wohnungen nicht sinnvoll


Das Bundesbauministerium erteilte den Forderungen eine klare Absage. Es gebe "keinerlei Pläne für ein Rauchverbot im Sessel", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin zwischen zwei Zügen an seiner Mullboro. Das Ministerium halte ein solches Verbot auch nicht für sinnvoll. "Manche Wohnungen stehen eh nur noch, weil ein jahrzehntealter Nikotinbelag an Decken und Wänden die Gemäuer stabil halten. Es muss zudem nicht alles durch Verbote geregelt werden, vor allem, wenn es um den privaten Bereich geht", fügte der Sprecher hinzu. Es käme schließlich auch niemand auf die Idee, ein Rauchverbot beim Pinkeln zu erlassen.

CSU: Kampagne gegen Raucher

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) lehnte ein Rauchverbot in der Wohnung ab. "In seiner privaten Wohnung und in seinem Keller darf der Raucher auch rauchen", sagte Huber der "Leipziger Volkszeitung". Dies sage er, obwohl er selbst Nichtraucher und ein Anhänger des Rauchverbots in Restaurants sei. "Aber es darf keine generelle Kampagne gegen Raucher geben", sagte der bayerische Landesminister. Er könne sich allerdings vorstellen, den Emissionsrechtehandel auch auf private Raucherwohnungen auszudehnen. Wer rauchen wolle, solle sich gefälligst einen Emissionsablass kaufen.

2.02.2007

Verstand unter!

Erinnern Sie sich noch an Emstetten? Zur Erinnerung: Ich schrieb am 11.12.2006: "Ein 18jähriger ist in Emsdetten ausgerastet, durch seine ehemalige Schule gezogen und hat auf Schüler und den Hausmeister geschossen. Getötet hat er niemanden, aber mehrere schwer verletzt. Dann soll er sich laut Polizeiberichten mit einer seiner vorsintflutlichen Waffen selbst getötet haben. Beschrieben wird er von diversen Zeugen als introvertierter Junge mit einem ausgeprägten Hang zu Ballerspielen vom Typus "Counter Strike". Sein Berufswunsch - laut Schulkameraden - Soldat der Bundeswehr. Ein bedauernswerter Mensch".
Und was war damals noch? Na, der berüchtigte Sturm im Wasserglas. Die üblichen "ich-bin-sowas-von-wichtig"-Menschen, voran jede Menge Politiker des Schlages Beckstein und eine Handvoll "Experten" machten derartige Wellen im Glas, dass man nur noch konstatieren konnte "Verstand unter".
Das von diesem Menschenschlag am häufigsten genannte Mittel, um Amokläufe wie in Erfurt und Emsdetten möglichst zu verhindern, lautete "Verbot der (sogenannten) Killerspiele". Ja. Und was ist aus der Geschichte geworden? Na nix. Vermutlich gibt es im Bundestag auch eine (finanz)kräftige Lobby der Spiele-Hersteller. Oder die Politiker und Experten wollen nasebohrend nicht mehr das Letzte aus sich herausholen, weil für die Medien das "abgelutschte" Thema seinen Reiz längst verloren hat. Und so verliert es sich halt im Nirvana.
Fast. Denn abseits der Schreihälse im Wasserglas beschäftigen sich noch ernsthafte Menschen mit dem Thema, aber eben nicht (!) plakativ. Ich zitiere aus einer Pressemitteilung der Universität Osnabrück vom 10. Dezember 2006: "Die Amokläufe am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt und in der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten, tätliche Angriffe auf Lehrkräfte in Meissen, Aachen und Kamenz, aber auch eine "Todesliste" aus Osnabrück, haben gezeigt, dass es Schüler gibt, die auch in Deutschland auf Lebens- und Schulprobleme mit verzweifelter Gewalttätigkeit reagieren. Ein Blick auf ihre Lebensumstände offenbart, dass sie ihre Wut mitunter in sich hineinfressen, weil sie keine Ansprechpartner finden, die in der Lage sind, den Frust, der sich aufgestaut hat, vertrauensvoll abzuarbeiten. Diese Lücke will das bislang einmalige Modellprojekt "Fliegende Schulpartner" schließen, welches in diesen Tagen von der Universität Osnabrück, der Heiligenwegschule Osnabrück und dem Weißen Ring initiiert wurde".
Für das Projekt "Fliegenden Schulpartner" stehen neben anderen Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind vom Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Claudia Solzbacher (Fachgebiet Schulpädagogik) und der Schulleiter der Osnabrücker Heiligenwegschule, Walter Altenhoff. Die Opferorganisation "Weißer Ring" ist
Träger des Projektes.
Die "Fliegenden Schulpartner" wollen sowohl mit Schülern als auch mit Lehrern ins Gespräch kommen, das heisst, sowohl mit denen, die - wie oben skizziert - unter bestimmten Lebensumständen ein Agressionspotenzial aufbauen können als auch mit denen, die heute in zunehmenden Maße schon länger mit wachsender seelischer und körperlicher Gewalt konfrontiert sind. Das ist ein Anfang und ein Projekt, das nicht nur Schule machen kann, sondern es sogar muss.

1.31.2007

Sozialismus statt Freiheit?


Da reibt er sich gewaltig die Augen, der gelernte DDR-Bürger. "In Zusammenarbeit mit dem Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung und dem Mannheimer Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen hatten die Meinungsforscher zunächst nach der Akzeptanz der gegenwärtigen Staatsform der BRD unter der Bevölkerung gefragt", schreibt die Zweiwochenschrift "Ossietzky" (früher "Weltbühne" und noch früher - unter Siegfried Jacobsohn - "Schaubühne" in ihrer Nummer 2 des Jahres 2007. Das Ergebniss laut "Ossietzky": Der Behauptung, "Die Demokratie in Deutschland ist die beste Staatsform" stimmten 2005 im Westen fast 30 Prozent nicht mehr zu (71 Prozent dafür) - im Osten wollten sogar 60 Prozent (38 Prozent dafür) von der einst viel begehrten Demokratie des "Freien Westens nichts mehr wissen.
Tja. Ein Grund zur Freude, nicht mal für hämische, kann das nicht sein. Und es tauchen eine Menge Fragen auf. Woraus erwächst diese "Demokratieverdrossenheit"?
Weiter. Erinnern Sie (Westler) noch an die Kampagne der CDU "Freiheit statt Sozialismus" aus dem Jahre 1976 und du, geliebter "OSSI" an die gleichlautende von allen Bundestagsparteien betriebenen Kampagne aus den Jahren 1989/1990?
Dann habe ich was für Sie aus der gleichen Kiste. "Die Regierenden - ", schreibt "Ossietzky" weiter, "zumal die aus der rot-grünen Koalition - wollten es jetzt genau wissen: Würden etwa die Menschen - zumal aus jenem Gebiet der untergegangenen DDR - zurück wollen in so etwas Schlimmes wie den "Sozialismus". Die Behauptung der Meinungsforscher lautete: Der Sozialismus ist im Grunde eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde".
Das unglaubliche Ergebnis: 52 Prozent aller Befragten für den Sozialismus, im Westen immerhin beachtliche 46, im Osten erstaunliche 74 Prozent.
Sowas. Und ich mühe mich seit Jahren zu vergessen, dass der Arztbesuch und das Rezept kostenlos, die Miete rund zehn Prozent der heutigen betrug, es für das Studium noch Geld gab aus dem Staatsäckel oder dem des Betriebes, der dich an die Uni "delegierte". Was mach ich jetzt?